Full text: Bildungspolitik im Saarland

dische Mitglieder handelte, aus dem saarländischen Landtag15. Die von Pierre Woelfflin 
getroffene Feststellung, der Verwaltungsrat sei praktisch ein kleines Ministerium16 ge¬ 
wesen, ist sicherlich eine zutreffende Charakterisierung dieser zum Teil mit Spitzenpoliti¬ 
kern und hohen Verwaltungsbeamten besetzten Körperschaft und zugleich ein Hinweis 
darauf, daß sie faktisch ein verlängerter Arm der Regierungen in Saarbrücken und Paris 
war. Woelfflin, der als Leiter der Kulturabteilung des Hohen Kommissariats bzw. der 
Mission Diplomatique bis zum Jahre 1956 geborenes Mitglied des Verwaltungsrates war, 
kennzeichnet diese Einrichtung außerdem als ein saarländisches Unikum, für das es weder 
in Deutschland noch in Frankreich ein Vorbild gegeben habe17. Er hätte gleich hinzufügen 
können, daß diese gemeinsame Instanz etabliert werden mußte, damit der saarländischen 
und französischen Administration eine notwendige institutionelle Koordinierungsstelle 
für ihre hochschulpolitische Aufgabe zur Verfügung stand. Diese Schlußfolgerung unter¬ 
streicht freilich a priori erneut, daß die Universität des Saarlandes von ihrer geschriebenen 
Verfassung her nur wenig mit der deutschen Tradition einer akademischen Selbstverwal¬ 
tung gemeinsam hatte, sondern eindeutig dem rigiden und auf Uniformität hin angelegten 
präfektoralen Prinzip der französischen Hochschulverwaltung zuneigte. 
Wenn man dennoch der Auffassung Woelfflins zustimmen kann, daß die Verfassung der 
Saaruniversität eine Synthese aus französischen und deutschen Universitätstraditionen 
15 Im Jahre 1950 gehörten von saarländischer Seite folgende Vertreter dem Verwaltungsrat an: Dr. 
Fritz Allmers (Oberregierungsrat im Arbeitsministerium), Luitwin von Boch-Galhau (Generaldi¬ 
rektor der Firma Villeroy & Boch, Mettlach), Angelika Braun (SPS-Abgeordnete des Saarländi¬ 
schen Landtags), Dr. Hans Groh (Oberregierungsrat im Kultusministerium), Erwin Müller 
(CVP-Abgeordneter des Saarländischen Landtags), Walter Purvin (Oberregierungsrat im Mini¬ 
sterium für Finanzen und Forsten), Dr. Bernhard Riegler (Vorsitzender der Anwaltskammer des 
Saarlandes), Willi Weiten (CVP-Abgeordneter des Saarländischen Landtags). Für jeden dieser 
ordentlichen Mitglieder war ein persönlicher Vertreter benannt. Bis zum Jahre 1953, als die 
Amtszeit des ersten Verwaltungsrates zuende ging, kam es zu folgenden Veränderungen: Im Juli 
1950 löste Oberregierungsrat Paul Leistenschneider (Ministerium für Finanzen und Forsten) 
Walter Purvin ab. Am 15. April 1951 rückte der soeben als Kultusminister entlassene Dr. Emil 
Straus für Erwin Müller ein, und am 1.4. 1952 kam der im ersten Kabinett Hoffmann tätig ge¬ 
wesene Wirtschaftsminister Dr. Franz Singer für den verstorbenen CVP-Abgeordneten Willi 
Weiten in den Verwaltungsrat. Im Laufe des Frühjahrs 1953 löste der SPS-Abgeordnete Ernst 
Kunkel seine Fraktionskollegin Braun ab. Der seit dem 1. Juli 1953 amtierende Verwaltungsrat 
hatte von saarländischer Seite folgende Mitglieder: Allmers, von Boch-Galhau, Groh, Kunkel, 
Leistenschneider, Riegler und Straus. Für den am 22. 7.1953 verstorbenen Franz Singer kam der 
Landtagsabgeordnete und Generalsekretär der CVP, Emil Lehnen, in das wichtigste Gremium 
der Universität. 
Die französische Seite benannte für den Verwaltungsrat der Periode 1950 bis 1953 folgende Ver¬ 
treter: P. Bouffanais (Mitarbeiter im Hohen Kommissariat bzw. der Mission Diplomatique), 
Pierre Couture (Generaldirektor der Regie des Mines de la Sarre), Louis Joxe (Generaldirektor 
der Abteilung für kulturelle Beziehungen im französischen Außenministerium), L. Juliot de la 
Morandiere (Dekan der juristischen Fakultät der Pariser Sorbonne), F. de Liencourt (Gesandt¬ 
schaftssekretär im französischen Außenministerium), Jean Robert (Leiter der Finanz- und Wirt¬ 
schaftsabteilung im Hohen Kommissariat bzw. der Mission Diplomatique), L. Rolland (Perso¬ 
nalchef in der Generaldirektion für das höhere Unterrichtswesen im französischen Erziehungs¬ 
ministerium) und Pierre Woelfflin (Direktor der Kulturabteilung im Hohen Kommissariat bzw. 
der Mission Diplomatique). Für den 2. Verwaltungsrat erneuerte sich das Mandat für die Herren 
Couture, de la Morandiere, Robert und Woelfflin. Als neue ständige Mitglieder wurden ernannt: 
J. Baillou (Kulturabteilung des französischen Außenministeriums), Tanguy de Courson de la Vil- 
leneuve (Leiter der Unterdirektion Saar im Quai d’Orsay) G. Berger (Leiter der Generaldirektion 
für das höhere Unterrichtswesen im französischen Erziehungsministerium), P. Gauthier (Erster 
Rat in der Mission Diplomatique). Auch die französischen Mitglieder des Verwaltungsrates 
hatten jeweils einen persönlichen Vertreter. 
16 Interview P. Woelfflin vom 27. 11. 1976. 
17 Interview P. Woelfflin vom 27. 11. 1976. 
211
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.