Full text: Bildungspolitik im Saarland

der international bekannte belgische Graphiker und Maler Frans Masereel und mit Karl 
Kunz und Boris H. Kleint weitere namhafte Vertreter der darstellenden Kunst. Leiter der 
photographische Klasse wurde im Jahre 1948 der aus Saarbrücken gebürtige und heute 
sehr bekannte Otto Steinert246. Die personalpolitischen Erfolge sind nach Angaben von 
Grandval vor allem Jaques Chazelle zu danken, dem ersten Leiter seiner Informationszen¬ 
trale und heutigem (1981) französischen Botschafter in Finnland247. Anteil an der guten 
Entwicklung der Anstalten hatte aber auch, vor allem was die schon bald über 300 Stu¬ 
denten248 zählende Ingenieurschule betraf249, Straus. Dies läßt sich sowohl anhand der 
Haushaltsberatungen in Ausschüssen und im Parlament nachweisen als auch durch die 
Tatsache, daß erst nach seiner Amtszeit die Schule für Kunst und Handwerk in eine ernste 
Krise geriet. 
4.4 Die Schule für Kunst und Handwerk zwischen den Fronten 
Eine der Hauptursachen für den Niedergang dieser Anstalt, der im Jahre 1952 offen¬ 
kundig wurde, nachdem zuvor Kunz entlassen und Gowa250 sowie Masereel nach Frank¬ 
reich zurückgekehrt waren und die Leitung der Anstalt an Steinert übergegangen war, 
gründete in dem mangelnden Rückhalt, den die Schule für Kunst und Handwerk in der 
saarländischen Öffentlichkeit fand251 252. Insbesondere in Handwerkerkreisen betrachtete 
man die Kunstakademie, in der man eine extravagante Einrichtung sah, derzuliebe die so¬ 
lide Handwerksbildung hintangestellt werden würde, mit Mißtrauen. So klagte z. B. der 
Beirat der Saarbrücker Handwerkskammer in einer Entschließung, die er auf seiner Sit¬ 
zung am 7. 3. 1952 verabschiedete, daß es in der Vergangenheit leider nicht möglich ge¬ 
wesen sei, die Schule auch für den Dienst am Handwerk ... in genügendem Maße... zu in¬ 
teressieren. Im Rückgriff auf die gerade erfolgte Berufung Steinerts als Direktor der An¬ 
stalt stellt der Beirat dann trotzig fest, daß er mit der Berufung dieses Herrn nicht einver¬ 
standen sein kann und daß er unter diesen Umständen keine Möglichkeit sehe, weiterhin 
eine Zusammenarbeit mit der Schule für Kunst und Handwerk zu fördern151. In dieser 
spröden und aus kunstliebender Sicht sicherlich auch unverständlichen Kritik spiegelt 
sich ein bodenständiges und auf praktische Effizienz angelegtes Bildungsdenken wider, 
246 Nähere Einzelheiten über die Geschichte der Anstalt sowie weitere biographische Auskünfte über 
die genannten Kunstlehrer bei J. A. Schmoll, genannt Eisenwerth, S. 352 f. 
247 Schreiben Grandvals an den Verfasser vom 9. 1. 1981. 
248 Statistisches Handbuch (Saarland 1950), S. 184. 
249 Vgl. dazu die Denkschrift zum Neubau der Staatlichen Höheren Technischen Lehranstalt des 
Saarlandes vom September 1950, S. 2. Danach gab es Sektionen für Architektur, Ingenieurbau, 
Maschinenbau, Elektrotechnik. Ihre Aufgabe sah die Anstalt darin, Ingenieure für die prakti¬ 
schen Aufgaben in der Industrie und für die gehobene Laufbahn im Staatsdienst, bei der Eisen¬ 
bahn und Post auszubilden. 
250 Gowa übernahm im Jahre 1955 die Leitung der Werkkunstschule in Offenbach (Main). 
251 Einen Überblick über den Lehrkörper und die Arbeitsschwerpunkte der Anstalt im Jahre 1955 
gibt der Bericht der Saarbrücker Zeitung vom 10. 8. 1955. 
252 Beglaubigte Abschrift der Entschließung des Beirates der Handwerkskammer Saarbrücken vom 
7. 3. 1952. LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, V/Z II - A la - p. Vgl. 
auch Schreiben der Handwerkskammer Saarbrücken an Hoffmann vom 10. 3. 1952, in dem die 
Beweggründe für den Protest nochmals erläutert werden. LA Saarbrücken, Bestand der Staats¬ 
kanzlei, Akten des Direktors der Präsidialkanzlei (V) E 6. Hinweise auf das freilich vergebliche 
Bemühen der saarländischen Regierung um eine stärkere Berücksichtigung der Handwerkeraus¬ 
bildung durch die Schule für Kunst und Handwerk finden sich im Bestand der Staatskanzlei Nr. 
1062. Vgl, auch den Bestand der Staatskanzlei Nr. 1061. 
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