Full text: Bildungspolitik im Saarland

moiren aus, ein Nachgeben seiner Regierung in der Bistumsfrage signalisiert hatte145. 
Worin liegt nun die Bedeutung der vorwiegend kirchenpolitisch motivierten Opposition 
des katholischen Saarklerus für die praktische Bildungspolitik nach 1945 ? Auf den ersten 
Blick wird man eine konkret faßbare Relevanz kaum ermitteln können. Beurteilt man je¬ 
doch die Frage unter dem Gesichtspunkt psychologisch wirkender Umstände, dann wird 
man bald erkennen, daß die tiefgehende schulpolitische Übereinstimmung zwischen der 
im Saarland einflußreichen Katholischen Kirche und der CVP nicht in dem Maße stabili¬ 
sierend im Interesse der Macht Hoffmanns und seiner Freunde wirken konnte, das man 
angesichts ihres katholisch-kirchlichen Engagements für ein glaubensnahes Bildungs¬ 
leben erwarten durfte. Dafür war die Beunruhigung der katholischen Geistlichkeit, wegen 
eines autonomen Saarstaates von Trier bzw. Speyer abgetrennt zu werden, zu stark. Die 
innere Schwächung der CVP als erste politische Gestaltungskraft an der Saar infolge des 
scharfen kirchlichen Widerstands gegen jede Art von definitiven Separationsentschei¬ 
dungen hatte die Saarbrücker Militärregierung schon im Frühjahr 1947 als Kernproblem 
erkannt. In ihrem mit dem Vermerk „Secret“ versehenen Bericht für den Monat März 
heißt es nach Vorwürfen gegen den Trierer Bischof wegen seines angeblichen über¬ 
spannten nationalistischen Denkens und seiner raisons purement égoïstes: Il place le 
parti chrétien populaire qui représente à lui seul la majorité de la population, dans une po¬ 
sition délicate146. Ähnliches galt natürlich in noch größerem Maße für die evangelische 
Kirche, da sie die Schulfrage niemals so dogmatisch bewertet hat wie die katholische 
Kirche. Außerdem verband sie die Frage einer kirchlichen Trennung von Düsseldorf147 
noch wesentlich stärker mit dem nationalstaatlichen Gedanken. 
Die aus kirchenpolitischen Separationszielen folgenden Wirkungen auf die saarländische 
Schulpolitik nach 1945 sind, auch wenn sie nicht spektakulär und greifbar waren, von 
ebenso großer Bedeutung gewesen wie die direkten bildungspolitischen Folgen aus der 
saarländisch-französischen Zusammenarbeit. Wenn auch die in diesem Kapitel unter¬ 
suchte bildungspolitische Willensbildung ein erstaunliches Maß an kultureller Selbstbe¬ 
stimmung der Saarländer aufgezeigt hat, so muß an dieser Stelle doch daran erinnert 
werden, daß die Gegenwart Frankreichs auch in diesem Lebensbereich ein zweifellos stark 
wirkender Faktor war und blieb. Seine Effizienz ist bereits im Zusammenhang mit dem 
französischen Sprachunterricht, den französischen Schulen und nicht zuletzt bei der 
Gründungsgeschichte der Universität hinreichend angesprochen worden. Die entspre¬ 
chende Rückwirkung auf die Schulartikel der saarländischen Verfassung vom 17. 12. 
1947 wurde auch schon erwähnt, wobei an dieser Stelle nochmals an den Artikel 30 erin¬ 
nert148, aber auch der Artikel 33 besonders erwähnt sei. Der Artikel 30, der nach Schranil 
145 Daß die kirchenpolitischen Separationsziele nach 1950 aufgegeben worden sind, darauf deutet 
auch eine Äußerung des Kirchenrats Wehr auf der bereits oben erwähnten Bonner Tagung am 
27. 1. 53 (siehe oben, S. 138, Anm. 29) hin. Danach sei er solchen Versuchen, die et/angelische 
Kirche im Saarland von derjenigen des Rheinlandes zu trennen ... von Anfang an scharf entgegen¬ 
treten ... Der Gedanke sei heute fallengelassen. Nach Aufzeichnungen über diese Tagung, S. 3. 
LA Saarbrücken, Bestand Nachlaß Heinrich Schneider Nr. 103. 
146 Bericht (Synthèse générale) der Saarbrücker Militärregierung für den Monat März 1947. LA 
Saarbrücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 5. 
14 Sitz der Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu deren Bereich die protestantischen 
Kirchengemeinden des ehemals preußischen Teils des Saarlandes gehörten. 
148 Vgl. oben, S. 145. 
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