Full text: Bildungspolitik im Saarland

einer kirchlichen Separation von Trier und Speyer, die bis zum Jahre 1950 immer akuter 
wurde, mit Gewißheit eine umfassende Opposition der katholischen Geistlichkeit gegen 
den Hoffmannkurs wachgerufen. Sie wurde überdies noch gestärkt durch Disziplinie¬ 
rungsmaßnahmen gegen Geistliche, die sich offen und mutig gegen die politischen und 
kirchlichen Separationsziele zur Wehr setzten141 142. Daß sich derWiderstand des Klerus in 
erster Linie aus kirchenpolitischen Gründen nährte, das geht u. a. aus einer weiteren Pro¬ 
klamation der saarländischen Dechanten hervor, die Braun zeitlich parallel zur Erklärung 
an Hoffmann dem Apostolischen Visitator, Prälat Schulien, zusandte. In ihr heißt es, daß 
die Katholiken an der Saar die derzeitigen Bestrebungen politischer Stellen auf Errichtung 
eines eigenen Saarbistums einmütig ablehnen. Die Erklärung der saarländischen De¬ 
chanten vom 16. 3. 1950 an Schulien zur Bistumsfrage spiegelt einen Grad an Besorgnis 
wider, der die Annahme zuläßt, daß die Mehrheit des katholischen Saarklerus ungeachtet 
ihrer sicherlich unabweisbaren weltanschaulichen Kongruenz mit der CVP wegen der 
drohenden Abtrennung von ihren Heimatdiözesen im Jahre 1950 zu einem gänzlichen 
Bruch mit der Hoffmann-Regierung bereit war. Er hätte sicherlich auch das oben konsta¬ 
tierte schulpolitische Bündnis gesprengt. So erklärten z. B. die Dechanten u. a. gegenüber 
Schulien: 
Eine tausendjährige Tradition, die uns mit der ältesten deutschen Diözese und dem ein¬ 
zigen Apostelgrab diesseits der Alpen verbindet, läßt sich nicht ohne größere Gefährdung 
der religiösen Bildungskräfte durch schneiden. Die großen Bischofsgestalten des letzten 
Jahrhunderts haben eine außergewöhnliche tiefe Volksverbundenheit, eine organisch ge¬ 
wachsene Treue und Anhänglichkeit an den Trierer Bischof gerade bei den Saarkatho¬ 
liken bewirkt und das religiöse Leben an der Saar aufs tiefste formend und gestaltend be¬ 
fruchtet. Eine Trennung vom ehrwürdigen Stuhl des hl. (— heiligen) Eucharius hätte eine 
Enttäuschung, eine Erschütterung und Lähmung des religiösen Lebens zur Folge, die 
durch Neuerungen nicht ausgeglichen werden könnten141. 
Die Beilegung des Konflikts zwischen Saarklerus und CVP erfolgte auf einer turbulent ver¬ 
laufenen Besprechung am 27. 12. 1950, die im Büro des Ministerpräsidenten Hoffmann 
stattfand und an der auf der einen Seite die Dechanten des Saarlandes und auf der anderen 
der CVP-Landesvorstand und alle CVP-Minister teilnahmen143. Sie endete damit, daß, 
wie Hoffmann berichtet, „die Mehrheit der Dechanten zufriedenstellende Erklärungen“ 
abgab144, nachdem er wahrscheinlich, Hoffmann schweigt sich darüber in seinen Me¬ 
141 Als Beispiel sei das rigorose Vorgehen gegen den Religionsprofessor im Lebacher Lehrerseminar, 
Weber, genannt, der von seinem Dienst suspendiert wurde en raison de son attitude au moment 
de la publication de la lettre pastorale de l’Evêque de Treues. Nach Bericht der Éducation Pu¬ 
blique innerhalb der Saarbrücker Militärverwaltung für den Monat Mai 1947, S. 3. LA Saar¬ 
brücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 6. Der Fall des Pfarrers Bungarten wurde bereits ange¬ 
sprochen. Siehe hierzu oben, S. 145, Anm. 56. 
142 Schreiben Brauns, in dem er die kirchenpolitische Erklärung der saarländischen Dechanten vom 
16.3.1950 wiedergab, an Schulien vom 26. März 1950. BATner, Abteilung 59, Nr. 64. Wieder¬ 
gegeben im Quellenanhang (Anlage 10). 
143 Vgl. hierzu die Darstellung bei J. Hoffmann, Ziel, S. 104. Über die Turbulenz dieser Sitzung 
berichtet H. Schneider, S. 270 f. 
144 J. Hoffmann, Ziel, S. 104. 
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