Full text: Bildungspolitik im Saarland

sonntag des Jahres 1947 (30. 3.) auf allen Kanzeln im Saarland verlesene Hirtenbrief des 
Trierer Bischofs Franz Rudolph Bornewasser über die Vaterlandsliebe, in dem dieser die 
klassische Idee der Staatsnation mit dem christlichen Gebot zur Treue in Verbindung 
brachte 129. Hoffmann hat dieser Mahnung wenige Tage später erstmals seine Parole vom 
Vaterland der Heimat entgegengehalten, womit er gleichzeitig die von Bornewasser gezo¬ 
gene Quintessenz einer engen schicksalhaften Verbindung von Kultur, Nation und Staat 
in Abrede stellte130. Diese Konfrontation zwischen bischöflicher Autorität und Christli¬ 
cher Volkspartei um die, wie es Hoffmann später ausdrücken sollte, „Gewissensfrage“, 
ob sich die Saarländer aus dem deutschen Staatsverband lösen dürften131, konnte natür¬ 
lich nicht ohne Rückwirkungen auf die Eintracht des katholischen Lagers im Saarland 
bleiben. Die aus dem politischen Separationswillen kommende Gefährdung der Einheit 
des Trierer bzw. des Speyerer Bistums verminderte letztlich auch seinen gewohnten 
Schwung und seine Geschlossenheit im Schulpolitischen. 
Nach den Aufzeichnungen von Meurers hat der zu Trier gehörende saarländische Klerus 
am 15. September 1947 im Saarbrücker Langwiedstift im Rahmen einer Dechantenkon¬ 
ferenz über die damals anstehende Verfassungsfrage beraten. Anwesend waren auch 
Weihbischof Metzroth und von Meurers selbst in seiner Eigenschaft als Generalvikar. In 
seinen Notizen erwähnt von Meurers, nach Schneider „die Seele des Widerstandes gegen 
die Abtrennung des Saarlandes vom Bistum Trier und vom Reich“132, daß er auf der Kon¬ 
ferenz wiederholt an die Einigkeit des Saarklerus in politischen Angelegenheiten appel¬ 
liert habe, ein deutlicher Hinweis darauf, daß die Verfassungsfrage des Jahres 1947 von 
den Anwesenden unterschiedlich beurteilt worden ist. Anlaß zur Diskussion gab vor allem 
die bereits im letzten Kapitel angesprochene Koppelung von Separation und Verfassungs¬ 
recht133 und die Frage, ob die Verfassung ihre Legitimation durch einen gesonderten 
Volksentscheid oder durch den am 5. Oktober 1947 zu wählenden Landtag erhalten 
sollte. Generalvikar von Meurers selbst sprach sich für die Pflicht der Christen und der 
Führer der Christen (aus), eine Trennung des Volksentscheides für die Verfassung und die 
Wahl zum Landtag zu fordern134. Demgegenüber unterbreitete Prälat Philipp Kremer, 
Gründungsmitglied der CVP und darum über die politischen Taktiken seiner Partei und 
den Spielraum saarländischer Politik wohlinformiert, den Vorschlag, die Artikel über die 
Schule und Kirche einem Volksentscheid zu unterbreiten 135, ansonsten aber in der Verfas¬ 
129 Das Hirtenwort ist in seiner vollen Länge abgedruckt bei R. H. Schmidt, Bd, 2, S. 170 ff. Die 
Verärgerung der französischen Seite über die unbeugsame Haltung Bornewassers in der Separa¬ 
tionsfrage spiegelt sich deutlich in den Berichten der Sûreté innerhalb der Saarbrücker Militärre¬ 
gierung wider. Vgl. insbesondere den Rapport détaille für die Monate November 1946 bis Januar 
1947, den Rapport détaille für die Monate Februar 1947 bis April 1947 (S. 6 f.) und die Monats¬ 
berichte für Juni 1946, März 1947 (S. 4) und Mai 1947 (S. 2). Siehe auch den Bericht der Affaires 
Administration für den Monat Mai 1947. Die genannten Quellen befinden sich im LA Saar¬ 
brückenin den Beständen des Handelsamtes Saar Nr. 2,5, 6, 9 und 10. Der Monatsbericht März 
1947 ist im Quellenanhang (Anlage 3) wiedergegeben. 
130 Saarländische Volkszeitung vom 5. 4. 1947. Vgl. darüber hinaus die Ausführungen Hoff- 
manns über das Verhältnis von Kultur und Nation in seinen Memoiren. J. Hoffmann, Ziel, 
S. 104. 
131 J. Hoffmann, Ziel, S. 103. 
132 H. Schneider, S. 271. 
133 Siehe oben, S. 144 f. 
134 BA Trier, Abt. 105, Chronik 1947, S. 60. Die Aufzeichnungen von Meurers über die Dechanten¬ 
konferenz vom 15. 9. 1947 sind im Quellenanhang (Anlage 4) wiedergegeben. 
135 Ebenda, S. 61 f. 
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