Full text: Bildungspolitik im Saarland

2.5 Kirche zwischen Separation und Schule 
Einer der wohl wichtigsten dieser unterschwellig mitbestimmenden Umstände war das 
schon im Jahre 1945 von Frankreich anvisierte121 und in späteren Jahren von der saarlän¬ 
dischen Regierung mitgetragene Ziel, den Saarstaat in seiner Existenz durch die Errich¬ 
tung autonomer Kirchenbezirke zu stabilisieren122. Dabei kam es zu besonders heftigen 
Auseinandersetzungen zwischen der bischöflichen Amtsbehörde in Trier und den militä¬ 
rischen bzw. zivilen Regierungsstellen in Saarbrücken. Das von der Militärregierung am 
28. 12. 1945 verfügte Einfuhrverbot123 des „Paulinus“, der Kirchenzeitung des Bistums 
Trier, die massiv vorgetragenen Drohungen der Militärregierung, in die Personalpoiitik 
der Katholischen Kirche eingreifen zu wollen124, das im März 1948 verhängte Einreise¬ 
verbot für den Trierer Generalvikar Heinrich von Meurers125, die Stornierung der im 
Saarland erhobenen Kirchensteuer durch das saarländische Kultusministerium unter 
Straus und die damit verbundene Ankündigung, sie solange aufrechtzuerhalten, bis si¬ 
chergestellt sei, daß das Steueraufkommen nur noch saarländischen Kirchengemeinden 
zugute kommen werde126, und schließlich die von dem französischen Botschafter am Va¬ 
tikan, Jacques Maritain, betriebenen aber erfolglosen diplomatischen Bemühungen um 
ein eigenständiges Saarbistum127 *, ein Ziel, das sowohl Grandval als auch Hoffmann im 
Interesse ihrer jeweiligen politischen Zielsetzungen im Auge hatten, alles dies belegt die 
Provokation der Kirchen im allgemeinen und die des Trierer Ordinariats im besonderen. 
Ihren ersten Höhepunkt hatten die Spannungen zwischen Trier und Saarbrücken bereits 
im Laufe des Jahres 1947 erreicht. So war man in Trier sehr verärgert über ein Interview 
einer führenden Persönlichkeit der Christlichen Volkspartei mit der französischen Zeit¬ 
schrift „Le Fait du Jour“, das am 14. Januar 1947 veröffentlicht wurde und in dem diese 
...ganz klar und deutlich die Trennung von Trier forderte, da in Trier eine eideutig preu¬ 
ßische Politik getrieben würde119. Hohe Wellen schlug dann natürlich der am Palm¬ 
121 In Saarbrücken selbst war die Geistlichkeit, auch Dr. Kremer, der Ansicht, daß von Seiten der 
Franzosen noch mehr gewünscht würde, nämlich eine kirchliche Abtrennung des Saarlandes von 
Trier und Speyer und die Errichtung eines eigenen kirchlichen Sprengels für das Saargebiet. BA 
Trier, Abt. 105, Chronik 1945, S. 86. 
122 Über die Motive dieser Kirchenpolitik im einzelnen K. Altmeyer, „Saardiözese“. Vgl. auch den 
von Albert Duquet verfaßten Artikel über die Bistumsfrage in Le Monde vom 8. 11. 1947. 
Schon in den Jahren 1919 bis 1925 hatte Frankreich den Versuch unternommen, das Saargebiet 
aus der Zugehörigkeit zu den Bistümern Trier und Speyer herauszulösen. Auch damals gab es 
Pläne für ein eigenständiges Saarbistum. Zur Sprache kamen aber auch eine Angliederung an das 
Bistum Metz und die Errichtung einer apostolischen Vikarie. Nach M. Zenner, Parteien, S. 155 
ff. 
123 Verfügung Nr. 1.158/DAA/Cab. vom 28. 12. 1945. 
124 BA Trier, Abt. 105, Chronik 1946, S. 56. 
125 BA Trier, Abt. 105, Chronik 1948, S. 15. 
126 BA Trier, Abt. 105, Chronik 1949, S. 21 f. 
12, BA Trier, Abt. 105, Chronik 1948, S. 25. Der Vatikan ernannte lediglich einen Visitator ohne 
Jurisdiktionskompetenzen, ein Amt, das vom 2. Juli 1948 an von Pater Michael Schulien be¬ 
kleidet wurde, einem Mitglied der Steyler Ordensgesellschaft (SVD). Die Entscheidung des Vati¬ 
kans wurde Bischof Bornewasser von Trier durch den späteren Vatikanischen Staatssekretär 
Tardini mit Schreiben Nr. 3775/48 vom 6. 5. 1948 angekündigt. Diese Mitteilung, die der Ver¬ 
fasser in deutscher Übersetzung in den Privatakten von Minister Dr. Straus fand, spricht davon, 
daß das Amt des Visitators ein Einigungsring zwischen der Hierarchie und der staatlichen Obrig¬ 
keit sein könne. 
US Nach Tagebuchaufzeichnungen von Meurers. BA Trier, Abt. 105, Chronik 1947, S. 8. General¬ 
vikar von Meurers nennt keinen Namen. Die Äußerung ist wahrscheinlich Straus oder Hector zu¬ 
zuschreiben. 
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