Full text: Bildungspolitik im Saarland

tisch aus Saarländern und Franzosen zusammengesetzten Verwaltungsrat, dessen Präsi¬ 
dent ein Franzose sein sollte332. Dieses auf saarländisch-französische Gleichberechtigung 
zielende duale Prinzip ist übrigens später im Rahmen der Saarkonventionen von 1950 und 
1953 für fast alle Aufsichts- und Verwaltungsgremien übernommen worden, die bis dahin 
von Frankreich usurpiert worden waren. Die dem Verwaltungsrat zugedachten umfas¬ 
senden Kompetenzen im Finanz- und Personalpolitischen und die Tatsache, daß seine 
Mitglieder fast ausschließlich aus der staatlichen Hochschuladministration kommen 
sollten, zeigt an, daß man an einer akademischen Selbstverwaltung im Sinne des deut¬ 
schen Hochschulrechts nicht dachte, sondern dem Bildungsdirigismus französischer Tra- 
dition den Vorzug gab333. Einen solchen Verwaltungsrat, der in seinem Charakter eher 
dem Aufsichtsrat eines Wirtschaftsunternehmens entsprach als einem Hochschulsenat, 
hatte auch schon das Homburger Hochschulinstitut. Die hier mehrmals angesprochene 
Verhandlungsrunde fand ja im Rahmen einer Sitzung dieses Gremiums statt. Wie der alte 
Verwaltungsrat sollte auch der neue dreimal jährlich tagen. 
11.5 Schwierige Gründerzeit 
Die Bedeutung der erweiterten Sitzung des Verwaltungsrates des Homburger Hochschul¬ 
instituts vom 9. April 1948 liegt in der generellen und endgültigen Einigung darüber, eine 
saarländische Universität gründen zu wollen. Ungeklärt blieben natürlich konkrete 
und praktische Einzelfragen wie Finanzierung und Haushalt, akademische Mitbestim¬ 
mung, Berufung und Dienstrecht der Professoren, Struktur und Inhalte der Lehrveranstal¬ 
tungen, Rechte und Pflichten der Studentenschaft, Studien- und Prüfungsbedingungen, 
Promotions- und Habilitationsordnungen. Ihre endgültige Regelung sollte in einem Uni¬ 
versitätsstatut und in Rechtsverordnungen getroffen werden. Aber erst am 3. April 
19 5 0334 konnte die saarländische Regierung ein aus 100 Artikeln bestehendes Grundge¬ 
setz für die Universität verkünden. Diese Verzögerung, die durch die schleppende Behand¬ 
lung des saarländisch-französischen Kulturabkommens vom 15. 12. 1948 in den franzö¬ 
sischen Parlamentsgremien verursacht wurde335, hat entscheidend zu der akademischen 
Rechtsunsicherheit beigetragen, die bis zum Jahre 1950 das Saarbrücker Universitäts¬ 
leben beherrschen sollte. Dies hatte unter anderem zur Folge, daß die 600 Studierenden, 
die sich im Studienjahr 1948/49 in Saarbrücken eingeschrieben hatten, faktisch, wie es in 
einem an die CVP-Landtagsfraktion gerichteten vertraulichen Bericht über die Univer¬ 
sität hieß, nicht wußten, ob jemals die hier absolvierten Semester und Prüfungen den an 
anderen Universitäten abgelegten gleichgestellt werdenii6. Da auch der dienstrechtliche 
und soziale Status der Professorenschaft nicht verbindlich definiert war, entwickelte sich 
132 Protokoll erweiterter Verwaltungsrat (siehe Anm. 318 auf S. 123), S. 9. 
333 Ebenda, S. 9. 
134 Amtsblatt des Saarlandes Nr. 37 vom 30. Juni 1950. 
335 Die Unterzeichnung dieses Abkommens erfolgte anläßlich eines Besuchs des französischen Au¬ 
ßenministers Robert Schuman und des Ministers für nationale Erziehung Yvon Delbos im Saar¬ 
land. Siehe unten S. 164 ff. 
336 Bericht über die Universität des Saarlandes. Vorgelegt zum internen Gebrauch der Landtagsfrak¬ 
tion der CVP. Datumsvermerk: abgeschlossen Frühjahr 1949. Autor unbekannt. LA Saar¬ 
brücken, Zeitgeschichtliche Sammlung Schneider/Becker, В III, 1 Universität. Das Zitat steht 
dort auf S. 8. Vgl. hierzu auch H. Schneider (S. 179), der im Rückgriff auf eine Darstellung 
von Jacques Dumaine die geschilderte Situation erwähnt. 
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