Full text: Bildungspolitik im Saarland

11.4 Einigung zwischen Grandval und Hoffmann 
Seine endgültige Zustimmung für das Unternehmen Universität gab Hoffmann, nunmehr 
in seiner Eigenschaft als saarländischer Ministerpräsident, erst, als ihm auf der erwei¬ 
terten Sitzung des Verwaltungsrates des Homburger Hochschulinstituts am 9. April 1948 
im Quai d’Orsay ausreichende Garantien der Hilfe und die Wahrung saarländischer Inter¬ 
essen zugesichert worden waren. Zugesagt wurden ihm von französischer Seite, daß die 
neue Hochschule eine richtige saarländische Universität werden würde, eine klar defi¬ 
nierte materielle und personelle Unterstützung und schließlich die Gewähr, daß die Uni¬ 
versität des Saarlandes ... eine internationale Ausstrahlung haben sollte.326 Hoffmann in¬ 
terpretierte die Offerte von der Internationalität dahingehend, daß die neue Universität 
eine europäische sein werde. Allerdings ließ Grandval seinen konkreten Vorschlag hierzu, 
nämlich einen Mainzer oder Freiburger Professor von europäischem Ruf als Gründungs¬ 
rektor zu ernennen und den ins Auge gefaßten Verwaltungsrat der Universität auch mit 
belgischen, luxemburgischen, schweizerischen, süddeutschen und rheinischen Persön¬ 
lichkeiten zu besetzen, unbeantwortet327. Wenn dieses eher taktische Scharmützel für die 
Entwicklung der Universität Saarbrücken an sich auch wenig Bedeutung gehabt hat, so 
wird in diesem Detail dennoch eine stark unterschiedliche Interessenlage zwischen Hoff¬ 
mann und Grandval deutlich. Erkennbar wird in diesem Einzelfall vor allem, daß Hoff¬ 
mann von Anfang an kein von Paris abhängiger Günstling, sondern ein Anwalt für eine 
möglichst mündige Saar sein wollte. Außerdem brachte er schon frühzeitig seine wie auch 
immer zu beurteilenden politischen Absichten mit der europäischen Idee in Zusammen¬ 
hang, um, wie er es im Jahre 1963 formuliert hat, die „Eigenliebe und Eigensucht“ der eu¬ 
ropäischen Nationen zu überwinden328. Dagegen hat Heinrich Schneider, sein unerbittli¬ 
cher Kritiker, in seinen Erinnerungen einen echten saarländischen Europawillen be¬ 
stritten, indem er solche Bestrebungen, die er erst mit Beginn der fünfziger Jahre beob¬ 
achtet haben will, als Farce bezeichnete329. 
Auf der Sitzung des erweiterten Verwaltungsrates am 9. April, auf der die Gründung einer 
saarländischen Universität mit vier Fakultäten zwischen Grandval und dem bis dahin zö¬ 
gernden Hoffmann definitiv vereinbart wurde330, warb auf saarländischer Seite auch 
Straus für einen supranationalen Charakter der Hochschule. Er nuancierte allerdings den 
europäischen Anspruch Hoffmanns dahingehend, daß er von einer europäischen Aus¬ 
strahlung der Universität sprach331. Für das Amt des Gründungsrektors schlug er einen 
Hochschullehrer saarländischer Herkunft vor, für den Vorsitz im Verwaltungsrat er¬ 
klärte er sich, wie übrigens Hoffmann auch, mit der Besetzung durch einen Franzosen ein¬ 
verstanden. Aber auch Straus drang mit seiner personellen Anregung für das Rektorat 
nicht durch. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiß, ihm zufolge sollte die 
Universität zunächst durch einen Rektor und Vizerektor aus der französischen oder saar¬ 
ländischen wissenschaftlichen oder literarischen Welt repräsentiert werden. Die eigent¬ 
liche exekutive Leitung der kommenden Universität übertrug man jedoch einem paritä- 
126 Protokoll erweiterter Verwaltungsrat (siehe Anm. 318 auf S. 123), S. 4 f. 
!27 Vgl. Ebenda, S. 5 f. 
328 J. Hoffmann, Ziel, S. 107. 
329 H. Schneider, S. 199 ff., insbesondere S. 200. 
330 Protokoll erweiterter Verwaltungsrat {siehe Anm. 318 auf S. 123), S. 9. 
331 Ebenda, S. 7. 
125
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.