Full text: Bildungspolitik im Saarland

Einheitswillen verkörperte, wobei die Trennlinien oft weniger durch Parteien als vielmehr 
durch Personen markiert werden. Die gebotene Differenzierung muß letztlich auch für die 
Zentralfrage der Zusammenarbeit mit Frankreich gesehen werden. Hoffmann, der in der 
Literatur oft als ein ängstlich und gefügig agierender Mann dargestellt worden ist322, spe¬ 
kulierte langfristig, und dies zeigt die Gründungsgeschichte der Universität deutlich an, 
im Rahmen der ihm von Frankreich zugestandenen Bedingungen auf einen möglichst 
großen saarländischen Gestaltungsspielraum hin323. Auch wenn er äußerlich schwerfällig 
wirkte, so hat er doch mit erstaunlicher Phantasie, unerbittlicher Härte und auch mit 
einem gewissen Maß an taktischer Verschlagenheit seine politische Zielvorstellung von 
einer wirklich autonomen Saar, die zuerst von einem regionalpolitischen Ansatz ausging 
und später ihre Verbindung zur europäischen Idee suchte, durchzusetzen versucht. Dabei 
gehörte für ihn das Bildungsleben zu den Bereichen, die er schon im Jahre 1947 auf keinen 
Fall über Gebühr französischer Bestimmung und Zielsetzung ausgesetzt sehen wollte324 325. 
Hoffmann war jedenfalls nicht der Politiker, der sich zum Büttel für eine kulturpolitische 
Strategie machen ließ, die, wie in den Pariser Instruktionen vom 17. 1. 1948 an das Hohe 
Kommissariat noch selbstgefällig und selbstbewußt formuliert3243, allein von den saarpo¬ 
litischen Zielen Frankreichs ausging. So verwundert es auch nicht, daß gerade ihn das ei¬ 
genmächtige Vorgehen Grandvals und sein betont auf französische Wünsche Rücksicht 
nehmendes Konzept stark beunruhigte, so daß er sogar öffentlich die Vertrauensfrage zu 
stellen wagte. In einem Artikel in der von ihm herausgegebenen Saarländischen Volkszei¬ 
tung schrieb er am 2. 8. 1947 unter der Überschrift „Was trübt die Zusammenarbeit?“ 
mutig unter anderem: 
Man fragt sich nämlich, wie es kommt, daß unmittelbar vor Verwirklichung des wirt¬ 
schaftlichen Anschlusses die Saarländer selbst in dieser oder jener Frage so wenig mitzu¬ 
sprechen haben, und man schlußfolgert weiter: wie wird das erst später sein? 
Das Beispiel der Homburger Universität hat in dieser Beziehung viele Gutwillige vor den 
Kopf gestoßen. Die Parteien waren damals ebenso wie die Bevölkerung überrascht 
worden. Darum konnten wir auch nicht vorher unsere Meinung zu dieser Sache sagen. 
Wir freuen uns, heute feststellen zu dürfen, daß den nachträglich von uns zum Ausdruck 
gebrachten Bedenken in erheblichem Umfange Rechnung getragen wurde, indem nun¬ 
mehr Lehrplan und Professorenkollegium in einer Weise geregelt bzw. zusammengesetzt 
werden, die dem wirklichen Interesse der Saar und Frankreichs gewiß besser entsprechen 
wird, als es der ursprüngliche Plan vorsah A25 
322 Als krassestes Beispiel sei hier nur das von H. Schneiderin seinem Erinnerungswerk in Wort 
und Bildmontagen gefällte Urteil genannt. 
123 Bestätigt wird diese Charakterisierung Hoffmanns durch R. Lahr, dem ehemaligen Staatsse¬ 
kretär des Auswärtigen Amtes (S. 226). 
324 In seinen Memoiren hat Hoffmann im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer europäischen 
Lösung des Saarproblems seine Strategie wie folgt umschrieben: „Wenn ich auf eine allmähliche 
Auflockerung mehr Wert legte als auf momentane Erfolge, so war das eine Sache der politischen 
Taktik“. J. Hoffmann, Ziel, S. 24. 
324a Siehe dazu oben, S. 68. 
325 Saarländische Volkszeitung vom 2. 8. 1947. 
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