Volltext: Bildungspolitik im Saarland

Autrichiennes, Savary, der Leiter der Kulturabteilung im französischen Außenministe¬ 
rium, Louis Joxe, und der Generalsinspekteur für das französische Unterrichtswesen, 
Santelly. Aus Baden-Baden war der Administrateur Général Laffon gekommen, der den 
auf der Moskauer Außenministerkonferenz weilenden General Koenig vertrat. Der Einla¬ 
dung gefolgt waren auch die Präfekten der Départements Meurthe-et-Moselle, Moselle 
und Bas-Rhin und Rektoren sowie Vertreter des Lehrkörpers der Universitäten von Paris, 
Nancy, Strasbourg und Poitiers. Dieser starken französischen Präsenz stand nur eine 
kleine saarländische Abordnung gegenüber. Sie rekrutierte sich aus Mitgliedern der Ver¬ 
waltungskommission, einigen Honoratioren aus Wirtschaft und Gesellschaft und schlie߬ 
lich den Homburger Dozenten, sowie den 300 eingeschriebenen saarländischen Stu¬ 
denten303. Dieses auffallende Mißverhältnis und die Tatsache, daß in den Ansprachen 
immer wieder von den Quellen des französischen Geistes die Rede war, zu der die Saar¬ 
länder im Interesse ihrer „wahren“ kulturellen Selbstbestimmung und der Entwicklung 
der saarländisch-französischen Zusammenarbeit nunmehr zugelassen würden304, haben 
erheblich dazu beigetragen, daß die Gründung des Hochschulinstituts, aus dem später die 
Saarbrücker Universität hervorging, immer wieder mit „kulturimperialistischen“ Zielen 
Frankreichs oder mit einer geschickt getarnten „pénétration culturelle“ in Verbindung ge¬ 
bracht worden ist305. Solange jedoch diese Verdächtigungen ohne begriffliche Konkreti¬ 
sierung und ohne exakte Beschreibung des Geschehens erhoben werden, können sie wenig 
zur Ermittlung der wirklichen Intentionen beitragen. Gerade die Gründungsgeschichte 
der Universität Saarbrücken zeigt, wie im folgenden Abschnitt erkennbar wird, daß die 
von Schmidt und Schneider im allgemeinen und im Zusammenhang mit der von ihnen be¬ 
schworenen „pénétration culturelle“ im besonderen wiederholt vorgebrachte Klage von 
der ungleichen Partnerschaft zwischen fordernden französischen Besatzern und nachgie¬ 
bigen saarländischen Quislingen erheblich relativiert werden muß. 
303 Zahlenwert nach Bericht der Affaires Administratives innerhalb der Saarbrücker Militärregie¬ 
rung für den Monat März 1947. LA Saarbrücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 5. 
304 Vgl. im einzelnen die Reportage der Neuen Saar, dem Organ des MRS, vom 14. 3. 1947. Siehe 
auch die Ankündigungsberichte in der Saarbrücker Zeitung vom 6. und 8.3. 1947 und der Saar¬ 
ländischen Volkszeitung vom 1. und 8. 3. 1947. 
305 So z. B. R. H. Schmidt, Bd. 2, S. 652 ff. und H. Schneider, S. 145. Differenzierter und zu¬ 
rückhaltender W. Veauthier,S. 239. 
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