Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Die Wahl Leopolds I. am 15. 7. 1658 hatte trotz massiver Anstrengungen nicht 
vermieden werden können. Immerhin aber hatte er in der Wahlkapitulation auf jede 
Hilfeleistung für die Spanier verzichten müssen. Dies war ganz im Sinn der französi¬ 
schen Interessen, und vor allem der einen Monat später zustandegekommene Rhein¬ 
bund schien dann ein Instrument der französischen Einflußnahme im rheinischen 
Raum und in der Reichspolitik werden zu können. Den Kern bildeten die rheinischen 
Kurfürsten, das Ziel war die Sicherung des Friedens, was sich insbesondere wiederum 
gegen eine mögliche Unterstützung der Spanier durch den Kaiser richtete, und der 
Beitritt Frankreichs zu dieser Allianz rundete sie ab zu einem System, das französische 
und rheinische Interessen miteinander verband. Der Mainzer Kurfürst Johann Philipp 
von Schönborn versprach dabei als die führende Persönlichkeit auf der rheinischen 
Seite durch sein dezidiertes Interesse an der Erhaltung des Friedens sowohl als rheini¬ 
scher Kurfürst wie auch als Erzkanzler des Reiches eine zuverlässige Stütze für die 
französische Rheinpolitik innerhalb dieses Systems des Rheinbundes zu sein. 
Der Pyrenäenfrieden von 1659 beendete bald darauf dann zwar auch den franzö¬ 
sisch-spanischen Krieg, aber durch die offene Frage der spanischen Erbfolge blieb das 
Problem einer möglichen habsburgischen Universalmonarchie auch weiterhin das die 
französische Politik beherrschende Problem. Freilich ergaben sich durch die Heirat 
Ludwigs XIV. mit der spanischen Infantin Maria Theresia nun auch Möglichkeiten, 
daß die spanische Erbfolgeregelung zugunsten Frankreichs ausfallen könnte. Jedenfalls 
bestimmte diese Frage der spanischen Erbregelung die nächsten Jahrzehnte der euro¬ 
päischen Politik, wobei man versuchte, durch Teilungsverträge zu friedlichen Lösun¬ 
gen zu gelangen. Entscheidend für die Entwicklung wurde jedoch, daß in Frankreich 
unter der Alleinregierung Ludwigs XIV. ein neuer Stil bei der Durchsetzung solcher 
Ziele einsetzte. Die Mazarin’sche Methode der pénétration pacifique wurde abgelöst 
durch eine kriegerische Machtpolitik. 
Dies zeigte sich zum ersten Mal deutlich in der Wendung gegen die spanischen 
Niederlande, wo Ludwig XIV. im sogenannten Devolutionskrieg 1667/68 seine dorti¬ 
gen behaupteten Erbrechte mit Gewalt durchzusetzen suchte. Auch hier war es not¬ 
wendig gewesen, im rheinischen Raum eine Barriere zwischen dem Reich und diesem 
spanisch-niederländischen Interessengebiet Frankreichs zu errichten, um ein kaiserli¬ 
ches Eingreifen zugunsten der spanischen Verwandten zu erschweren, und dies war 
auch durch Subsidienverträge mit Mainz, Köln, Pfalz-Neuburg und Münster gelun¬ 
gen. Aber daß sich nun dennoch im rheinischen Raum unter dem Eindruck dieses 
neuen französischen Vorgehens ein Stimmungswandel ergeben hatte, zeigte sich darin, 
daß der Rheinbund im Gegensatz zu 1661 und 1663 im Jahre 1668 nicht mehr erneu¬ 
ert werden konnte, weil vor allem der Mainzer Kurfürst es war, der jetzt von diesem 
aggressiv werdenden Frankreich abrückte. Weder er noch der Rheinbund konnten ab 
jetzt die Basis für eine französische Rheinpolitik bilden. Der Schwerpunkt verlagerte 
sich vielmehr nach Köln. Damit kommen wir zur zweiten Phase. 
Hier, am Hofe des seit 1650 regierenden Kurfürsten Max Heinrich, waren es insbe¬ 
sondere die Brüder Fürstenberg, die zu den wichtigsten französischen Partnern gewor¬ 
den waren13. Mit diesen Personen überdeckte ein ganzes Geflecht von privaten Ambi¬ 
13 Max Braubach, Wilhelm von Fürstenberg (1629—1704) und die französische Politik im 
Zeitalter Ludwigs XIV. (Bonner Historische Forschungen 36), Bonn 1972. — John T. 
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