Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

kurfürstlichen Militär bestand ein schlechtes Verhältnis, zu den Soldaten wegen der 
wirtschaflichen Konkurrenz, die sie den Handwerkern machten, zu den Offizieren 
wegen ihres herausfordernden und selbstherrlichen Auftretens dem Bürger gegenüber. 
Die niederländischen Barrierewünsche erstreckten sich auch auf Bonn. Die Nieder¬ 
lande erreichten in den Friedensverträgen aber nur die Zusicherung der Schleifung der 
Festungsanlagen. 
Meine Beispiele belegen die These, daß ummauerte mittelalterliche Städte und früh¬ 
neuzeitliche Festungsstädte sich technisch, funktional und strukturell unterscheiden. 
Nur bei den deutschen Reichsstädten — und das dürfte auch für oberitalienische 
Stadtrepubliken wie Venedig oder Signorien zutreffen — besteht eine gewisse funk¬ 
tionale Kontinuität. Der entscheidende Durchbruch der neuen Form vollzog sich in 
Mitteleuropa im 16. Jahrhundert. Führend in der neuen Technik waren die Italiener, 
die Niederländer und die Franzosen. Es wäre wünschenswert, einen vollständigeren 
Überblick zu gewinnen und diesen neuen Stadttyp nicht nur topographisch-technisch 
und kriegsgeschichtlich zu untersuchen, sondern auch den Fragen der Finanzierung, 
des Verhältnisses von Garnison und Bevölkerung, von Festungsstadt und Umland 
nachzugehen. 
Eine allgemeine Frage drängt sich zum Schluß auf: Haben sich die riesigen Investi¬ 
tionen in diese Werke gelohnt? Immer wieder war festzustellen, daß die Festungen 
kapitulierten. Die kampflose Kapitulation Hamelns 1806 war wie viele ähnliche ein 
Zeichen des Verfalls des friderizianischen Staates. Bonn vermochte zwar fast drei 
Monate zu widerstehen, aber auch hier kam der Moment, wo es richtiger schien, dem 
französischen König die Truppe zu erhalten als die lädierte Festung des Verbündeten 
weiter zu verteidigen. Die Frage nach einer nicht nur kriegswichtigen sondern kriegs¬ 
entscheidenden Bedeutung dieser Festungen ist zunächst eine militärgeschichtliche 
Frage. Wenn sie für einige wenige Fälle vielleicht bejaht werden kann, taucht dahinter 
sofort wieder die Frage auf, weshalb der eine Fall so, der andere so gelagert ist. Mir 
scheint, daß die jeweilige Einstellung der einheimischen Bewohner, die immateriellen 
Werte, die auch für sie auf dem Spiele stehen oder nicht stehen, dabei von entschei¬ 
dender Bedeutung sind. 
Diskussion 
Jean Schneider Nancy: In einem weitgespannten Überblick über die Entwicklung 
der modernen Festungsstadt hat Frau Ennen besonders folgende Themen behandelt: 
Zuerst kam ein Überblick über die Entwicklung der modernen Festungsstadt, wie sie 
die italienischen Ingenieure geplant und die Franzosen mit Vauban und seinen Nach¬ 
folgern in großem Stil ausgebaut haben. Dabei sind erstaunliche militärische Kennt¬ 
nisse der Rednerin zutage gekommen. Dann wurde ein sehr intensiver Vergleich ge¬ 
führt zwischen der mittelalterlichen Stadt, ihrer Anlage und Rolle, und der modernen 
Festung. Als drittes Thema folgte eine besondere Studie über die Städte des Deutschen 
Reiches, wobei drei Stadttypen herausgearbeitet wurden: die große alte Reichsstadt, 
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