Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Das Tracé der Festung war ursprünglich in geometrischen Formen konzipiert. Nach 
Eberhardt37 läßt sich der Festungsgrundriß aus zwei ineinander geschobenen Kreisen 
entwickeln. Eberhardt hat vor allem die Planung von Jülich untersucht. Dem Planer 
stellte sich die Aufgabe, eine ovalförmige mittelalterliche Stadt zu befestigen. Er legte 
dem Plan ein Fünfeck zugrunde, das als oblonge zweiseitig symmetrische Figur konzi¬ 
piert war, die sich auf eine Konfiguration zweier durchmessergleicher Kreise zurück¬ 
führen läßt. Neben den fortifikatorischen lassen sich immer wieder auch ästhetisch¬ 
formale Prinzipien feststellen. Schloß und Zitadelle und der alte Marstall in Jülich 
gehören zu den bedeutendsten Renaissancebauten der Rheinlande. Uber Düsseldorf 
im 18. Jahrhundert sagt Spohr abschließend: „Im Norden wurde die Stadtsilhouette 
durch die Türme der Altstadt, im Süden durch den breitgelagerten, zweigeschossig 
über die Festungswerke hinausragenden Baukomplex der Extensionskasernen be¬ 
stimmt. Dieser einfache, lediglich durch Risalite gegliederte Putzbau ... stand in kras¬ 
sem Gegensatz zu der Vielfalt der versetzt gegeneinanderstehenden Dächer und ge¬ 
schwungenen Giebel der Altstadt. Noch mehr als im 17. Jahrhundert traten die jetzt 
beträchtlich vermehrten Festungswerke in den Vordergrund. Da sie in verschiedenen 
Höhen und Breiten angelegt waren, ergab sich durch die zahlreichen Überschneidun¬ 
gen ein lebhaftes Bild ... War die Stadt durch die breit vorgelagerten Festungswerke 
dem Beschauer ohnehin schon weit entrückt, so wurde ihre Silhouette durch die auf 
dem, Wall gepflanzten Lindenbäume noch undeutlicher gemacht. Dies hatte zur Folge, 
daß die Tore, der einzige Schmuck der geometrisch nach den Grundsätzen der Wehr¬ 
technik zugeschnittenen Baumassen der Festungswerke, stärker in Erscheinung traten. 
Im Stadtinnern war der Gegensatz zwischen den wuchtigen neuen Militärgebäuden 
und den Wohnhäusern noch deutlicher zu spüren. Hatten die alten Wohnhäuser 
durch eine strenge Bauordnung ihr einheitliches Gepräge erhalten, so wird bei den 
Militärbauten die reine Zweckbestimmung offensichtlich. Es kam keine Verschmel¬ 
zung der alten und der neuen Stadtteile zustande .. .38“ 
Unser letztes Beispiel Bonn, an einem strategisch wichtigen Punkt, am Austritt des 
Rheines aus dem engen Mittelgebirgstal in die Ebene gelegen, befand sich seit dem 16. 
Jahrhundert in einem politischen Wetterwinkel. Von 1583 bis 1715 stand Bonn dau¬ 
ernd unter dem Druck kriegerischer Bedrohung oder unmittelbarer Kriegseinwirkung. 
Der Sieg der Wittelsbacher Partei im Ringen um das Erzstift Köln, der dieses von 
1583 bis 1761 zu einer Sekundogenitur des Hauses Wittelsbach machte, brachte keine 
dauernde politische Entspannung; der Gegensatz der rivalisierenden Häuser Habsburg 
und Wittelsbach blieb bestehen, ihre Allianzen mit den Seemächten auf der einen, 
Frankreich auf der anderen Seite, machten vor allem in der 2. Hälfte des Jahrhunderts 
das Erzstift Köln zum Teil des europäischen Kriegsschauplatzes. — Zunächst wurde 
Bonn in das spanisch-niederländische Ringen einbezogen, als die Holländer 1620 auf 
einer Rheininsel bei Bonn eine Schanze anlegten. Damals setzten die Bonner Festungs¬ 
37 Eberhardt (wie Anm. 8) Abb. 10 b, 11 auf S. 31 f., 20 auf S. 48 f. für Jülich, 16 auf S. 43 
für Düsseldorf. 
38 Spohr (wie Anm. 7) S. 288. 
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