Volltext: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

August 1914 lag es unter dem Feuer der deutschen Artillerie, wurde aber zunächst 
noch nicht belagert. Vielmehr stieß die 5. deutsche Armee unter dem deutschen Kron¬ 
prinzen an ihm vorbei in Richtung auf die Maas vor und lieferte sich südwestlich von 
Longwy am 22. und 23. August mit dem französischen Korps Ruffey harte Kämpfe. 
Am gleichen Tage (22. 8.) wurde die Einschließung Longwys vollendet und die Be¬ 
schießung der Stadt verstärkt. Oberstleutnant Darches hielt den Platz, bis das letzte 
Geschütz den Dienst versagte, die Wälle abgekämmt und ein Teil der Kasematten 
zerstört waren. Am 28. August bot er angesichts des bevorstehenden Sturmangriffes 
die Kapitulation an. Die obere Stadt war in ein Trümmerfeld verwandelt. Erst nach 
dem Waffenstillstand wurde sie von den deutschen Truppen geräumt. 
Die schwer beschädigten Befestigungsanlagen im Norden und Westen wurden nach 
Kriegsende eingeebnet, darunter auch die Porte de Bourgogne, und dadurch der Stadt 
die Möglichkeit zur Ausdehnung geschaffen. Erhalten sind heute noch die Befestigun¬ 
gen auf der Südseite rund um die Porte de France, die in gutem Stand gehalten wer¬ 
den, und auf der Ostseite, für die man sich allerdings eine bessere Pflege wünschen 
würde. 
Die Besichtigung der Befestigungen rund um das französische Tor ergab einen 
sehr instruktiven Eindruck einer Festung nach dem sogenannten „ersten System 
Vaubans“. Die Toranlage selbst zeigt enge Bauverwandtschaft mit dem nicht mehr 
existierenden Deutschen Tor in Saarlouis (vgl. Abbildung im Ausstellungskatalog 
Saarlouis Nr. 109). Auch die Anlage der Place d’Armes mit Kirche und Rathaus 
macht die Ähnlichkeiten zu Saarlouis recht deutlich. Die Kirche St. Dagobert wurde 
1683 begonnen (Grundsteinlegung am 26. 3.) und am 9. Mai 1690 geweiht, die 
Baukosten übernahm der König. Die zur Place d’Armes gewandte Fassade ähnelte 
sehr stark der 1880 abgebrannten Saarlouiser Kirche (altes Foto im Ausstellungskata¬ 
log Nr. 124). Der Turm war ursprünglich ein Geschoß höher. Er erlitt bei der Belage¬ 
rung des Jahres 1815 schwere Schäden. Das Kircheninnere wurde durch Umbauten 
zwischen 1863 und 1867 so stark verändert, daß heute die Kirche nicht mehr als Pa¬ 
rallele der alten Saarlouiser Kirche betrachtet werden darf. Es wurde ein Querschiff 
eingefügt, die bisherige Holzdecke durch ein auf Steinpfeilern ruhendes Gewölbe er¬ 
setzt. Die Seitenschiffwände wurden abgetragen, die Fenster vergrößert, die Chor¬ 
fenster neu gestaltet. Im August 1914 wurde sie fast völlig zerstört und nach dem 
Kriege mit Mitteln der Denkmalpflege wiederaufgebaut. 
Das Rathaus neben der Kirche wurde 1731—1747 nach den Plänen des Platzinge¬ 
nieurs Charles François Turos de Millon erbaut, nach 1833 durch Anbauten auf der 
Hofseite verändert und im August 1914 bis auf die Außenmauern zerstört, 
1927—1930 mit Mitteln der Denkmalpflege wiederaufgebaut. 
Das Militärhospital in der Rue de la Manutention und das Haus des Gouverneurs 
wurden 1871 abgerissen. Obwohl die Oberstadt von Longwy ein viel regeres Leben 
als die Oberstadt in Montmédy zeigt, hat auch hier die Entwicklung zur Verlagerung 
des Schwerpunktes in die Unterstadt längst eingesetzt. Dort liegen der Bahnhof, die 
Verwaltungsgebäude, Banken, Hotels usw. 
248
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.