Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

vorwiegend militärischer Funktion“. Mannheim würde dadurch abgedeckt, es hatte 
eine militärische Funktion, ist ja als Festung angelegt worden; der Residenzcharakter 
kam rund ein Jahrhundert nach der Gründung erst dazu. Bonn dagegen würde ich 
nicht als Festungsstadt im eigentlichen Sinne auffassen. 
Reinhold Zeyher, Schorndorf: Wenn ich an die württembergischen Städte denke, 
muß ich die Definition von Herrn Herrmann sehr unterstreichen. Es waren reine Ver¬ 
teidigungsanlagen, die man jeweils der modernen Waffentechnik und der modernen 
militärischen Konzeption anpaßte. Allein Schorndorf ist viermal modernisiert, vergrö¬ 
ßert und auch in seiner Bewaffnung verbessert worden; es diente ausschließlich der 
Landesverteidigung. Die Verteidigungsfunktion ergibt sich auch aus der Organisation 
des täglichen Lebens in der Festung, gerade in Friedenszeiten. Wenn Schorndorf nicht 
als Verteidigungsbastion angesehen worden wäre, dann hätte man auch die riesigen 
Mengen von Proviant und Waffen in den Zeughäusern nicht mehr gebraucht. Das gilt 
bis zu Napoleon, der die Schleifung der württembergischen Festungen, auch der 
Höhenfestungen angeordnet hat. 
Edith Ennen, Bonn: Ich würde die Einschränkung auf die Verteidigungsfunktion 
nicht anerkennen. Mannheim verteidigt eben nicht die Pfalz, sondern übt Druck auf 
eine Nachschubstraße für die kämpfenden spanischen Truppen in den Niederlanden 
aus, um den Niederlanden zu helfen. Bonn dient als Ausfall- und als kräftebindende 
Festungsstadt für Frankreich in seinem Kampf mit den Generalständen; mit einer 
Verteidigung Bonns oder Kurkölns hat das absolut nichts zu tun. Ich würde auch 
sagen: „überwiegend militärischer Zweck“; die Festung kann die Landeshauptstadt 
verteidigen, kann den Zugang zur Landeshauptstadt sichern, aber sie muß nicht eine 
ausgesprochene Verteidigungsfunktion haben, sie kann auch strategisches Mittel bei 
offensiven militärischen Operationen sein. Daran möchte ich doch festhalten, denn 
sonst könnten wir die Rolle von Bonn, von Mannheim überhaupt nicht verstehen. 
Franz Irsigler, Trier: Ich möchte die Frage nach der räumlichen Verbreitung auf¬ 
nehmen. Wie würde eine Europakarte aussehen, auf der man bastionär befestigte 
Städte kartiert und eine weitere Karte mit den Festungsstädten im engeren Sinne? Die 
Karte der bastionär befestigten Städte entspräche wahrscheinlich der Verbreitung der 
mittelalterlichen Städte, wobei das Netz natürlich weniger dicht wäre, weil sich nicht 
alle Städte eine Befestigung zulegen konnten. Bei der Karte der eigentlichen Festungs¬ 
städte im Sinne von Herrn Herrmann dagegen würden typische Verdichtungen her¬ 
auskommen, Gruppierungen in den großen Grenzräumen, und damit ein schönes 
Spiegelbild der großen europäischen Machtkonstellationen. Es gibt sicher einen brei¬ 
ten Streifen von eigentlichen Festungsstädten von der Nordseeküste über das ganze 
Rheingebiet bis zu den Alpen, einen zweiten herausgehobenen Streifen von der Nord¬ 
see bis nach Ungarn und weiter nach Süden. Vielleicht findet man auch in anderen 
Bereichen noch Verdichtungen, an den Pyrenäen z. B. Könnte man als weiteres Defini¬ 
tionselement einführen: „Lage in Grenzsäumen zwischen politischen Machtblöcken“? 
Volker Schmidtchen, Bochum: Ich finde die bisher gefundene Typologie recht 
glücklich. Man könnte vom Typ der Festungsstadt her noch unterscheiden: Mit oder 
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