Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Urbar von 1720 gibt bekannt, daß die innerösterreichische Kammer (Graz), die vorher 
die Domäne verwaltet hat, in Tschakatum immer ein großes Waffenlager bereitgehal¬ 
ten hatte54. Diese Quellen erlauben eine Reihe von Schlußfolgerungen zu ziehen, wenn 
allerdings nicht bis in alle Einzelheiten. 
Die Soldatenbauern waren bewaffnet und hatten ihr Kriegszeug und ihr Pferd zu 
Hause. Die anderen aber, die als Bauernaufgebot mobilisiert waren, bekamen, wenig¬ 
stens teilweise, ihre Bewaffnung aus der Domänenburg. Weiterhin wurde ein ziemlich 
beträchtlicher Teil der Bauernschaft nur mit Pulver und Blei versehen, da sie zu Hause 
eigene Gewehre hatten, ln der Domäne Murinsel schien ein großer Teil der Bauern, 
trotz des Landesverbotes, offiziell oder inoffiziell bewaffnet zu sein. Daß manche 
Bauern im Besitz von Waffen waren, hat die Durchführung der Aufgaben des bäuerli¬ 
chen Aufgebotes wesentlich erleichtert. 
Die Wehrpflicht sämtlicher Bauern ist auch auf anderen Gütern der Zrinyis nach¬ 
zuweisen. Nach dem Konfiskationsurbar des Jahres 1670 waren die Formen und 
Bedingungen des allgemeinen Bauernaufgebots in der Burgdomäne Novi an der adria¬ 
tischen Küste fast die gleichen, wie in Murinsel55. Auch auf den Gütern des Zagreber 
Bischofs sind bestimmte Elemente der gleichen Organisation nachzuweisen56. 
Nach der endgültigen Befreiung des Königreichs Ungarn von den Türken (1699, 
1718), wurde die neu organisierte kaiserliche Miltärgrenze an Sau — Donau-Line 
angelegt. Die Grenzsituation der großen Domänen ist verschwunden und damit auch 
die eigentliche Ursache der grundherrlichen Militärorganisation. Es begann die Refeu- 
dalisierung: der Wehrpflicht der Bauern wurde ein Ende gesetzt und die betreffenden 
Bauern mußten wieder volle Abgaben, Steuer und Fron leisten. Das Problem der Sol¬ 
datenbauern konnte aber nicht so leicht gelöst werden, hier handelte es sich um eine 
bewaffnete, de facto freie, ziemlich wohlhabende Schicht, die nicht widerstandslos in 
den Bauernstand zurückgestuft werden konnte. In dem schon genannten Urbar des 
Gutes Murinsel aus dem Jahre 1720 spiegeln die Bemerkungen dieses Prozesses eine 
unentschiedene Lage zwischen Domäne und Soldatenbauern. Fast mit den gleichen 
Worten wie im Dorf Novakovecz, schrieb überall der Kommissar der Hofkammer 
über die Soldatenbauern57: „Einst haben sie mit Waffen gedient, nach einer Quartal 
Hufe als Husar, nach einer Achtel Hufe als Haiducke ... sonst hatten sie nichts zu 
steuern ... jetzt aber anstatt ihres Militärdienstes zahlen sie eine Pacht von 45 Flo¬ 
rin.“ Die Soldatenbauern sind also jetzt weder Soldaten noch Bauern, sie haben noch 
eine bevorzugte Lage, leisten aber schon keinen Waffendienst mehr. Diese Entwick¬ 
lungstendenz war allgemeingültig im Lande, ein großer Teil der ehemaligen Soldaten¬ 
bauern konnte die Bauernbefreiung von 1848 als freie Bauern erleben. 
54 Conscriptio, (wie Anm. 32) passim 
55 Modric, Monumenta (wie Anm. 53) S. 359—360. 
56 So z. B. die „wehrtüchtigen“ Dezimlisten der bischöflichen Domänen. N. Kiss, Gesellschaft 
(wie Anm. 7) S. 291. Fußnoten 51. und 52. 
57 Hic olim armis serviebant utpote quartialistae equites, octavalistae autem pedites .... praete¬ 
rea nihil contribuebant ... nunc autem loci illius militaris obligationis solvunt arendam in fl 
45. Villa Novakovecz und weitere 9 Dörfer bzw. Agrarstädte. Conscriptio (wie Anm. 32) 
paginae 135., 142—144., 150., 153., 178—181. 
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