Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Eine ganze Reihe von Schriftstücken der Domäne Murinsel erklären uns die Bedin¬ 
gungen und das Funktionieren des Bauernaufgebots. Seitdem die Hofkammer der 
Grundherr der Domäne geworden war, baute die Gutsverwaltung, — nebst dem fest 
erhaltenen Soldatenbauerntum! — auch die allgemeine Wehrpflicht der Hörigen aus. 
In einem an die Hofkammer gerichteten Beschwerdebrief haben zunächst die Winzer 
und später alle Bauern der Domäne anerkannt, daß sie jederzeit und alle (!) gegen die 
Türken auszuziehen verpflichtet wären48. Nach der Neubesiedlung der Agrarstadt 
Nedelicz bekamen die Bürger in ihrem Freiheitsbrief vom 18. Nov. 1678 die Auflage, 
sich „nach der Restauration der Stadt, mit eigenen Waffen ausgerüstet, zum Schutz 
der Insel bereithalten49“. Später hat der Präsident der Hofkammer die Frage der 
Wehrpflicht der domanialen Bauernschaft in seiner Antwort so geregelt: daß die 
Bauern von ihrer Fron bis auf eine bescheidene Verpflichtung zu Spanndiensten und 
gewisse Abgaben entlastet wurden, aber stattdessen rayonweise organisiert und zum 
Waffendienst bestellt wurden. Wörtlich schrieb der Kammerpräsident: „In Zukunft 
sollen sich die erwähnten Bauern als gut bewaffnete Grenzwächter zur Verteidigung 
der Insel in Bereitschaft halten50.“ Mit Hilfe der allgemeinen Wehrpflicht konnte die 
Domäne die Wehrkapazität, d. h. die Zahl ihrer Soldatenbauern, fünf- oder sechsmal 
erhöhen! Dafür mußte man natürlich Einbußen an bestimmten grundherrlichen Ein¬ 
künften hinnehmen. 
Die verschiedenen Anordnungen bezüglich der Wehrpflicht fordern eine interes¬ 
sante Fragestellung heraus: nämlich die der Bewaffnung der bäuerlichen Gesellschaft! 
Den Bürgern der domanialen Agrarstadt Perlak wurde in ihrem Privilegienbrief ver¬ 
ordnet, „daß sie mit ihren, oder mit den Waffen, die ihnen für die Verteidigung der 
Insel aus der Festung (Tschakaturn) ausgehändigt werden würden, besonders bei der 
Artillerie antreten sollten51.“ Eine andere Verordnung dehnte die Versorgung durch 
Militärärzte auf alle Bauern, die im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht tätig waren, 
aus. Daselbst wurde bestimmt, daß im Alarmfall, wenn es nötig wäre, ihnen aus der 
Festung Pulver und Blei ausgegeben werden sollte52. Nur Pulver und Blei? In allen 
Bauernhäusern standen die Flinten griffbereit? Es steht fest, daß in dem Hauptort des 
Gutes, in der Festung Tschakaturn, immer eine beträchtliche Menge von Handfeuer¬ 
waffen gelagert wurde. Bei der Konfiskation, in 1670, fand man in der Festung 358 
Gewehre und 235 Paar Pistolen, zwei Jahre später, schon unter der Kameralverwal- 
tung, war der Lagerbestand 477 Gewehre und 198 Paar Pistolen53. In den kommen¬ 
den Jahrzehnten wurde das Waffenlager aufrechterhalten und weitergeführt. Das 
48 Gravamina subditorum ... /30. Okt. 1776./fiscales montanistae, omni tempore contra Tur¬ 
eas excurrere debent, und Quod subditi insulani ... omnes contra Tuream insurgere debent 
... OL, E 148, NRA 1091/18. Punkte 13. und 16. — Montanistae = speziale Halbfreie, die 
die allodiale Weinzucht zu sichern hatten. 
49 restaurato itaque oppido ad defensionem Insulae semper armis suis praesto esse noverint 
Conscriptio (wie Anm. 32) pagina 202. 
50 in posterum memorati coloni ... pro defensione Insulae confiniarios bene armatos sese exhi¬ 
beant. Conscriptio (wie Anm. 32) pagina 157. 
51 Ut cum armis suis, vel ipsis ex Arce dandis pro defensione Insulae, praesertim vero penes artil- 
leriam semper praesto sint. Conscriptio (wie Anm. 32) pagina 179. 
52 ... pulveres quoque et plumbum ex arce vobis ad talem necessitatem, quantum opus fuerit, 
dabuntur! Conscriptio (wie Anm. 32) paginae 20., 161. 
53 Confiscano bonorum (wie Anm. 45) und Rajka Modric, Editor, Monumenta Historika 
Familiarum Zrinski et Frankopan, Bd. I. Zagreb, 1974. S. 1. 
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