Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt (13)

Größe von 1 312 Joch waren drei Offiziere verpflichtet, zwölf Reiter aufzustellen, 
hingegen leisteten von einer Besitzfläche von zusammen 1181 Joch 82 Bauernhusaren 
Militärdienst. 
Das domaniale Militär, dessen Soldaten für Grund und Boden dienten, wohnte 
nicht in geschlossenen Siedlungen, sondern zerstreut auf dem ganzen Gebiet der Herr¬ 
schaft. Daraus ist ersichtlich, daß die Organisation stufenweise ausgebaut wurde und 
die Soldaten immer dort angesiedelt wurden, wo für diesen Zweck gerade „freier“ 
Boden (Wüstungen) vorhanden war38. Obwohl die knappe Mehrheit des für die Mili¬ 
tärhufen in Anspruch genommenen Bodens aus ehemaligen, doch verwüsteten Hufen 
urbarialer Herkunft besteht, ist auch der Prozentsatz des kurialen und allodialen 
Bodens auffallend groß: Aus dem Gesamtareal von 7 984 Joch entfallen 3 112 Joch, 
d. h. 39,5 Prozent, auf Grund und Boden, der adeligen Ursprungs ist. 
Bei der Analyse der Unterhaltskosten der domanialen Husaren und Haiducken 
kann man nur vom Durchschnittsbesitz eines einfachen Soldaten ausgehen. Zu einer 
durchschnittlichen Haiduckenhufe gehörten ungefähr 4,5 Joch Ackerfeld und beinahe 
ein Joch Wiese, hingegen besaß ein bäuerlicher Husar, der mit seinem eigenen Pferd 
Dienst zu leisten hatte, ungefähr 12,3 Joch Acker und 2,1 Joch Wiese. Diese Angaben 
entsprechen beinahe den Schlüsselzahlen, die im Jahre 1702 bei der Aufstellung der 
kaiserlichen Militärgrenze entlang der Sau — Donau angewandt wurden39. 
Für die Erhaltung von 184 Haiducken mußte die Domäne Tschakatum40 8 6 6 Joch 
Ackerfeld und 174 Joch Wiese zur Verfügung stellen. Den allgemeinen Husaren (98 
Mann) wurden 1528 Joch Ackerfeld und 249 Joch Wiese zugewiesen. Die 41 adeligen 
Husaren und ihre 61 Reiter beanspruchten aber 5 290 Joch Acker und 782 Joch 
Wiese von der Domäne. Insgesamt mußte die Domäne für 394 Soldaten 7 984 Joch 
Ackerfeld und 1 205 Joch Wiese zur Verfügung stellen41. 
Die gesamte Militärkraft, die die Domäne Tschakaturn im Jahre 1672 repräsentier¬ 
te, bestand aus 200 Reiter und 284 Haiducken. Zehn Jahre später, im Herbst 1682, 
an der Schwelle des neuen türkischen Angriffes, enthält eine Zusammenstellung die 
Namen von 238 Husaren und von 148 Haiducken. Wenn wir die Daten dieses Jahres 
mit jenen von 1672 vergleichen, zeigt sich eine gewisse Neuorganisation. Die Zahl der 
Reiter wurde nämlich inzwischen erhöht, die Zahl der Haiducken hingegen ungefähr 
um die Hälfte vermindert. Es ist also anzunehmen, daß diese Vermehrung der Reiterei 
eine Inanspruchnahme weiterer domanialer Güter bedeutete. Es ist bezeichnend, daß 
sich im Verzeichnis bei 26 berittenen Soldaten und 38 Haiducken die Anmerkung 
findet: „Sie sind aus der Reihe der Bauern neu ausgehoben42.“ 
38 Zum Beispiel die Bemerkung des Verfassers der Konskription von 1672: ... ad villam deser- 
tam fiscalem Gyurgiancz pertinentes terras jugerea 126, foenilia jugera 60 — unde servire 
possunt pedestres No 25 (wie Anm. 35). 
39 Weil im Save-Donau Tal das Terrain zu buschig, zu feucht und verwildert war, mußte man 
das Soldatenlehen doppelt so groß als gewöhnlich festsetzen. Für einen berittenen Soldaten 
gab man hier z. B. 24 Joch Ackerland und 5 Joch Wiese aus. Fr. Vaniczek, Spezialgeschichte 
der Militärgrenze. Wien, 1875. Bd. I. S. 132—133. 
40 Tschakatum Festung und Agrarstadt, Verwaltungszentrale der Domäne. 
41 Aus den Agrarstädten Tschakatum und Perlak kamen noch weitere 100 Hajducken, deren 
Vermögensverhältnisse uns unbekannt blieben. 
42 Notvi milites ex rusticis facti (wie Anm. 35). 
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