Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt (13)

Heer und Finanzen 
Die in dem Ungarischen Königreich um die Mitte des 16. Jahrhunderts ausgeführte 
Militärorganisation sah, wie folgt, aus: 
Das mobile Heer, das aus deutschen, wallonischen und spanischen Söldnern 
bestand. Diese Soldaten nahm man nur zeitweilig in Sold, namentlich auf die Dauer 
eines Krieges. Ihre Zahl ist sehr veränderlich und macht selten mehr als 10 000 bis 
15 000 Mann aus. 
Das Militär der Grenzfestungen hielt die gegen die Türken ausgebaute befe¬ 
stigte Linie besetzt. Diese Truppen bestanden größtenteils aus ungarischen, zum klei¬ 
neren Teil aus deutschen bzw. kroatischen Söldnerformationen. Diese Einheiten bilde¬ 
ten als einzige ein stehendes Heer und machten eine Gesamtzahl von 8 000 bis 12 000 
Mann aus. 
Das alte, feudale Hufen-Militär, dessen Mitglieder von den Grundbesitzern aus 
den Bauern ausgehoben und für die Landesverteidigung eingesetzt werden sollten. 
Diese Organisation hatte aber nur eine scheinbare Kraft. Zum Beispiel wären im Jahre 
1542 nach der Zusammenschreibung ca. 10 000 Soldaten, sogenannte miles conti¬ 
nuus, aufzustellen gewesen, tatsächlich haben die Komitate jedoch kaum 1 000 Reiter 
an die türkische Front geschickt und auch diese nur für ein oder zwei Monate. 
Einige kleinere Söldnereinheiten der königlichen Freistädte, die ein in Dienst¬ 
dauer beschränktes und sehr geringes Aufgebot repräsentierten. 
Die adelige Insurrektion bestand grundsätzlich weiter, aber gegen die Türken 
brachte sie praktisch nicht viel Nutzen. 
Es gab auch einige Magnaten, die — in ihrer Eigenschaft als Kriegsunterneh¬ 
mer — auf Kosten des Königs Husaren und Haiducken unter Waffen hielten. Solche 
Söldner im Dienst zu halten, war außer der militärischen Zweckmäßigkeit auch ein 
gutes Geschäft, denn der König müßte seine stets wachsenden Soldschulden zeitweise 
mit großen Donationen begleichen. Die Zahl der Söldnertruppen dieses Typs machte 
ungefähr 2 000 bis 2 500 Mann aus7. 
Die Grenzwächter und die Söldnertruppen der Magnaten als ein stehendes Heer zu 
erhalten bedeutete für den Staat eine außerordentlich schwere finanzielle Last. In 
1554—1555 haben in dem Verteidigungsgürtel 8420 Fußsoldaten, 5997 Husaren und 
727 Soldaten der Flußmarine gedient, deren jährliche Soldsumme 761 766 ungarische 
Florin ausmachte. Dazu muß für die Aufrechterhaltung der Festungen noch wenig¬ 
stens 100 000 Florin zugerechnet werden8. Dieser Posten war zweimal so hoch, als die 
Staatseinkünfte des Königreichs Ungarn (450 000 Florin) unter den Habsburger Herr¬ 
schern. In 1577 erreichten schon die Wehrkosten Ungarns eine Million Florin. In die¬ 
ser Situation entschlossen sich die österreichischen und tschechischen Stände zu einer 
regelmäßigen Unterstützung der ungarischen Militärgrenze. Nieder- und Oberöster¬ 
reich haben die Raaber Grenzhauptmannschaft — zwischen Donau und Plattensee 
7 Istvan N. Kiss, Gesellschaft und Heer in Ungarn im Zeitalter der Türkenkriege. Das Solda- 
tenbauemtum, in: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Türkenkriege, ed. O. Pickl. Graz, 
1971. S. 273—296. 
8 Ignäc Acsady Vegväraink es költsegeik a XVI. es XVII. szäzadban. Hadtörtenelmi Közleme- 
nyek (Budapest) 1888. S. 62—103, 246—267. (Unsere Grenzfestungen und ihre Erhaltungs¬ 
kosten im 16. und 17. Jahrhundert). 
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