Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Eine breite Straße wird zunächst mit dem Hinweise abgelehnt, sie lasse einen freien 
Blick auf die häßliche alte Mauer zu. Dann überlegt man sich, diese durch einen ba¬ 
rocken Torbogen zu kaschieren, in der Art, wie in Paris die Vorstädte von der Stadt 
getrennt seien. Diese Lösung unterbleibt wohl aus Kostengründen, da die Entschädi¬ 
gung für abgebrochene Hausteile und Gartenmauern bereits hoch sind. 
Lang ziehen sich die Auseinandersetzungen mit dem Stadtrat und den Hausbesit¬ 
zern um den Karmeliterstraßendurchbruch hin. Wen wundert es dann, daß in den 
achteinhalb Jahren bis zum gewaltsamen Ende des Kurstaates mit Ausnahme des 
behelfsmäßigen Durchgangs am Wasserturm, der aufgrund einer Initiative der Neu¬ 
stadtbewohner begonnen wird, keine weitere Öffnung und Anbindung mehr zustande 
gekommen ist! Das gelungene Konzept, das Straßensystem der Stadterweiterung zwi¬ 
schen die beiden Bezugspunkte Schanzenpforte (c) und altes Löhrtor (a) einzuspannen, 
um damit Unterstadt und Oberstadt gleichermaßen anzubinden, kann erst in preußi¬ 
scher Zeit verwirklicht werden. Die geplante Schloßstraße endet 1794 unmittelbar 
hinter den zuerst fertiggestellten drei Häusern. 
Die Planung stößt im Bereich der Nahtstelle zwischen Alt- und Neustadt auch auf 
ein soziales Problem. Der Stadtmauerbereich war zum Wohnquartier der sozial 
schwächsten Teile der Stadtbevölkerung geworden, die Zustände der Wohnungen 
unter den Bogen der Stadtmauer unhaltbar. Die Sanierung dieses nun ins Blickfeld der 
Öffentlichkeit geratenen Bezirks wird bewältigt42. Wir können hier nicht näher darauf 
eingehen. 
Die im Süden geöffnete Festung bringt es mit sich, daß Elemente Zugang zur Stadt 
finden, die Grund haben, die weiter kontrollierten Tore zu meiden: Diebe mit Mate¬ 
rial von den Baustellen der Neustadt, Schmuggler, die Zoll und Akzise umgehen, 
Bürger, die unerlaubt Holz aus den städtischen Waldungen holen, Bettler aus anderen 
Orten und Rabauken, die nach Aussagen des Stadtsekretärs und Neustadtbaukom¬ 
missars Bourmer tumultuarische Zusammenkünfte halten. Daraufhin ordnet der 
Kurfürst die Sicherung des Neustadtgebietes durch Palisaden (1787) an43. Die geringe 
Wirkung dieser Maßnahme geht aus einer kurfürstlichen Anordnung im Koblenzer 
Intelligenzblatt hervor, die bei Strafe verbietet, den Palisadenzaun zu übersteigen und 
zu beschädigen. Zur Überwachung werden nachts Militärstreifen und bei Tag Wachen 
am Eingang der Poststraße eingesetzt. Schließlich erwägt der Konferenzminister v. 
Duminique, die Neustadt und Teile des Schlosses durch einen kleinen Graben mit 
einer Brustmauer auf englische Art abzuschließen44, wo die Palisaden nicht mehr rei¬ 
chen. 
Die planmäßige Einebnung und Überbauung der Koblenzer Festungswerke hat im 
Südosten der Stadt einen nahtlosen Übergang Altstadt-Neustadt hergestellt. Damit 
gehört der Fall Koblenz in Teilen zur Kategorie 1 möglicher Nutzungen. Der Verlauf 
der barocken Befestigungen ist in der Topographie nicht mehr zu erkennen. Aber 
ähnlich wie in Bonn wird auch hier nur für den Schloßbereich geplant. 1787 schlägt 
der landschaftliche Syndicus v. Lassaulx vor, den Wall zwischen Löhrtor und Mosel 
42 Vgl. Busso von der Dollen, Maßnahmen zur Sanierung und Verschönerung der Altstadt 
Koblenz in der frühen Neuzeit (Landeskundliche Vierteljahrsbll. 24, 1978, S. 3—15) S. 9 ff. 
43 Sie zeigt, daß der Zugang zur Neustadt bisher nur über die Stadtstraßen erfolgt ist. 
44 Zur Palisadierung vgl. v. der Dollen, Koblenzer Neustadt (s. o. Anm. 15), S. 136 ff. 
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