Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

ten können, als in dem in wenigen Tagen zu Ende gehenden Kalenderjahre“^, schrieb 
die ,,Kölnische Zeitung“ am 29. Dezember 1888. Auf die Bergarbeiter wirkte diese 
Hausse als stimulierendes Negativerlebnis. Während die Kohlenpreise stiegen, blieben 
die Löhne fast gleich. Der durchschnittliche Schichtverdienst der Arbeiterbelegschaft 
betrug: 
1883 - 
3,19 M 
1884 - 
3,18 M 
1885 - 
3,14 M 
1886 - 
3,13 M 
1887 - 
3,17 M 
1888 - 
3,21 M 
Januar 
1889 - 
3,23 M 
Februar 
1889 - 
3,23 M 
März 
1889 - 
3,18 M 
April 
1889 - 
3,19 M 
Gleichzeitig begannen die seit der Gründerkrise stagnierenden Lebensmittelpreise zu 
steigen. 
Die sich seit 1888 ausbreitenden Streiks boten einen Orientierungsrahmen für die neue 
Situation. Die moderatere Handhabung des Sozialistengesetzes während der Regent¬ 
schaft Friedrichs III. — manifestiert in der Ablösung Puttkamers als Innenminister — 
gab den Gewerkschaften mehr Freiraum. 1888/89 traten die Bauhandwerker in vielen 
Bereichen Deutschlands in den Ausstand, im März 1889 folgten ihnen die Metaller ver¬ 
schiedener Branchen. Auch der im Februar ausbrechende Streik im belgischen Kohlen¬ 
revier um Seraing könnte sich als Ansporn ausgewirkt haben20. Am Gründonnerstag 
kam es auf Grube Friedrichsthal erstmals zu kollektiver Rebellion gegen eine Verlänge¬ 
rung der Schichtzeit. Doch man streikte noch nicht, sondern beschränkte sich auf laut¬ 
starken Protest21. Als Initialzündung zum Arbeitskampf mußte der Ausstand an der 
Ruhr hinzukommen. 
9 Kölnische Zeitung vom 29. 12. 1888 (Nr. 361), Ähnlich euphorisch der Geschäftsbericht des 
,, Vereins für bergbauliche Interessen“ in Glückauf/Essen vom 29. 12. 1888 (Nr. 103). 
10 LASB 564/816, 45. Der Nettoverdienst stellte sich allerdings erst nach dem Abzug von durch¬ 
schnittlich 30 Pfg. pro Schicht her; in dieser Summe waren der Knappschaftsbeitrag sowie die 
öl- und Gezähekosten enthalten. Vgl. Denkschrift zur Untersuchung der Arbeiter- und Be- 
triebsverhältnisse, S. 16. 
11 LASB 564/816, 123. 
12 Ebd., 203. 
13 Ebd., 281. 
14 Ebd., 439. 
15 Ebd., 533. 
16 Ebd., 541. 
17 Ebd., 545. 
18 LASB 564/655, 3. 
19 Ebd., 16. Vergleiche mit den übrigen Steinkohlenrevieren im Zeitraum 1886 — 1888 im Bgmfr. 
vom 31. 5. 1889 (Nr. 23) sowie bei Festenberg-Packisch: Entwicklung und Lage des 
deutschen Bergbaus, S. 60 — 62. 
20 Vgl. Oldenberg,S. 923. Förster: Geschichte, S. 107-115. Ritter/Tenfelde, S.84f. 
21 Aussage Warkens vor der Untersuchungskommission vom 21. 7. 1889, LASB 564/770, 
140 — 154, spez. S. 150. Denkschrift zur Untersuchung der Arbeiter- und Betriebsverhältms- 
se, S. 37. 
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