Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

Belegschaft ausgeschieden ist“'s. ,,Es liegt wohl in der Natur der Sache, daß ein Aus¬ 
stand bei den Bergarbeitern nur von Erfolg sein kann, wenn er allgemein ist. Stehen 
doch diese Arbeiter dem kapitalkräftigsten Unternehmerthum gegenüber, und wird es 
nur möglich sein, dieses dadurch zu überwinden, daß alle betheiligten Industriezweige, 
welche auf den Verbrauch von Kohle angewiesen sind, so in Mitleidenschaft gezogen 
werden, daß der von dieser Seite ausgeübte Druck die Geldprotzen des Bergbaues zum 
Nachgeben zwingt“'9, resümierte die Generalkommission der Gewerkschaften 
Deutschlands. 
Während die Belegschaften an der Ruhr am 5. Mai erstmals wieder anfuhren, fanden in 
Altenwald, Dudweiler, Bildstock, Altenkessel und Sulzbach Versammlungen zur Ab¬ 
stimmung über die ,,Altenwalder Forderungen“ statt20. Da die Eingabe auch hier ein¬ 
hellige Zustimmung fand, waren die Weichen für einen Streik gestellt. Doch trotz RSV 
hatte sich die Kommunikation unter der Gesamtbelegschaft gegenüber Mai 1889 nicht 
wesentlich verbessert: Die Inspektionen Ensdorf, Neunkirchen,, Camphausen und 
Göttelborn boykottierten die gesamte Bewegung von vornherein. Überdies sprachen 
sich hauptsächlich die Schlafhausbewohner für Streik aus, während sich die einheimi¬ 
schen Bergleute zurückhielten21. Landrat zur Nedden förderte die Atomisierung, in¬ 
dem er öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel, in denen die Chance für ein¬ 
heitliche Meinungsbildung bestanden hätte, erneut verbot22. Zudem mußten sämtliche 
Streikabstimmungen verschlüsselt und damit zeitlich unkonkret erfolgen. In Bildstock 
beispielsweise sollte man „durch Handaufheben bekennen, die Pßicht zu erfüllen“. 
,,Es ist nicht direkt geschehen, um nicht vor Gericht gestellt zu werden“, erläuterte 
Warken23 25. 
Auf einer gemeinsamen Konferenz von Zivilverwaltung und Bergwerksdirektion am 9. 
Mai kam man überein, die Gendarmerie zu verstärken sowie im Streikfall die Polizei¬ 
stunde zu senken und die Schlafhäuser zu räumen; zudem beschloß man eine ,,Einwir¬ 
kung auf die Zeitungen behufs Vermeidung aufreizender Artikel“18 19 20. Auf Weisung des 
Öberbergamts Bonn erging kein Bescheid zu den ,,Altenwalder Forderungen“, da die 
Unterzeichner keine Bergleute mehr seien23. Am 10. Mai machte die Bergwerksdirek¬ 
tion lediglich bekannt, daß eine ,,Generalkündigung“ durch Nichtbergleute juristisch 
unhaltbar sei und ein Ausstand demnach als Kontraktbruch betrachtet werde26. 
Während die Frist des Ultimatums also resultatslos ablief, herrschte in der Führung des 
RSV Uneinigkeit über das weitere Vorgehen: Sollte man die Zügel einer bereits im An¬ 
18 Glückauf/Essen vom 29. 4, 1891 (Nr. 34). Vgl. Kirchhoff, S. 112 f. (Reismann - 
Grone), S. 97-106. 
19 Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands vom 9. 5. 
1891 (Nr. 12). 
20 Abschriften der Versammlungsberichte LHAK 442/4380. 
21 PK Werbelow an BM Woytt/Sulzbach vom 6. 5. 1891, Abschrift LHAK 442/4380. PK Wetzel 
an BM Petermann/Dudweiler vom 6. 5. 1891, ebd. BM Pickard/Püttlingen an LR vom 6. 5. 
1891, ebd. 
22 LR zur Nedden/SB an die Kreisbürgermeister vom 6. 5. 1891, SAFR, Best. RSV, 338. 
23 BM Forster/Friedrichsthal an LR vom 23. 5. 1891, Konzept SAFR, Acta RSV, Abschrift 
LHAK 442/4380. Durch eine öffentliche Bekanntmachung vom 11. Mai wies Landrat zur 
Nedden eigens auf die restriktiven Streikparagraphen des Strafgesetzbuches hin, Exemplar 
LHAK 442/4380. 
24 Konferenzprotokoll vom 9. 5. 1891, Abschrift LHAK 442/4380. 
25 Brassert/OBA Bonn an OP/Koblenz vom 8. 5. 1891, Abschrift ebd. 
26 Bekanntmachung der BWD vom 10. 5. 1891, abgedruckt bei Imbusch, S. 385. Kiefer: 
Organisationsbestrebungen, S. 48 f. Leimpeters, S. 21. 
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