Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

aus dem Blickfeld. Lediglich Karl August Gabels auch heute noch lesbare Geschichte 
der Hüttenarbeiterorganisationen bildet hier eine Ausnahme; die Bücher der Gewerk¬ 
schaftsführer Julius Schwarz8 und Peter Kiefer9 stützen sich für das 19. Jahrhundert 
ausschließlich auf Hue bzw. Imbusch. Erst Hellwigs Stumm-Biographie aus dem Jahre 
1936 — in ihren Wertungen von Apologetik geprägt, doch exakt auf archivalischen 
Quellen fußend — trug eine Reihe neuer Erkenntnisse bei. 
Werner Herrmann veröffentlichte zwar 1953/55 eine Reihe wichtiger Dokumente des 
Friedrichsthaler Stadtarchivs zur Geschichte des Rechtsschutzvereins10, der DDR-Hi- 
storiker Eberhard Wächtler untersuchte 1961 die Rolle der Saarbergleute in der Revo¬ 
lution 1848/4911 14, ansonsten aber blieb es nach 1945 auf diesem Forschungssektor rela¬ 
tiv still. Beilots wichtige wahlgeschichtliche Arbeit aus dem Jahre 1954 fußt in ihren so¬ 
zialhistorischen Passagen zugegebenermaßen noch auf Brandt'2, stellt aber selbstkri¬ 
tisch fest: ,,Die soziale Entwicklung auf den Saargruben müßte eine grundlegende neue 
und zusammenfassende Darstellung erfahren“^. Zwölf Jahre später mußten Hans- 
Walter Herrmann und Hanns Klein jedoch einschränkend anmerken: ,,Es bedarf noch 
mancher Vorarbeiten, bis es möglich sein wird, ein einigermaßen vollständiges Bild von 
der sozialen Entwicklung in unserem Raum seit dem frühen 19. Jahrhundert zu entwer¬ 
fen“1^. Noch 1972 konstatierte Klaus Fehn, ,,daß es im Gegensatz zum Ruhrgebiet für 
das Saarland noch fast keine modernen strukturgeschichtlichen Untersuchungen 
gibt“'5 16, und 1977 forderte Klaus Tenfelde: ,,Eine neuere Untersuchung der Saarberg¬ 
arbeiterbewegung ist ein dringendes Desiderat“u. Aufsätze von Fehn, Ernst Klein und 
Peter Blickle haben in den letzten Jahren zwar manches Problem der Sozialpolitik der 
Saargruben erhellt, eine Sozialgeschichte der Saarbergarbeiter liegt aber nach wie vor 
noch in weiter Ferne. Zusammen mit den vor dem Abschluß stehenden Dissertationen 
von Gerhard Arnes17, Hans Horch18, Michael Sander19 und Horst Steffens20 versteht 
sich die vorliegende Studie als Baustein dazu. 
8 Schwarz, S. 56-63. 
9 Kiefer: 25 Jahre, S. 14 — 20. Nicht identisch mit seinem oben erwähnten Namensvetter, 
vgl. Theodor Balk : Hier spricht die Saar. Ein Land wird interviewt, Zürich 1934, S. 142. 
10 Werner Herrmann: Die Rechtsschutzbewegung der Saarbergleute. Ein Zeitbild in Doku¬ 
menten, in: SZ vom 15. 4. (Nr. 87), 20. 4. (Nr. 91), 4. 5. (Nr. 102) und 22. 5. 1953 (Nr. 117), 
5. 1. (Nr. 3), 21. 1. (Nr. 17), 2. 2. (Nr. 27), 9. 2. (Nr. 33) und 18. 2. 1955 (Nr. 41). 
11 Wächtler: Geschichte; bes. S. 277 — 294. 
12 Bellot, S. 180, Fn 5. 
13 Ebd., S. 108, Fn 12. 
14 Hans-Walter Herr mann /Hanns Klein: Zur sozialen Entwicklung im Landkreis Saar¬ 
brücken, in: Grenze als Schicksal — 150 Jahre Landkreis Saarbrücken, Saarbrücken 1966, S. 
132- 144, Zitat S. 132. 
15 Klaus Fehn: Die saarpfälzische Bergbaustadt Bexbach um 1850. Grundsteuerkataster, Kata¬ 
sterplan, Personenstandsregister und Seelenliste als Quellen für die Erforschung von Sozial¬ 
struktur und sozialer Mobilität im frühen 19. Jahrhundert, in: Die Stadt in der europäischen 
Geschichte. Festschrift Edith Ennen, Bonn 1972, S. 853 — 883, Zitat S. 881. 
16 Tenfelde: Konflikt und Organisation, S. 228, Fn 43. Ähnlich bereits J. Klein: Rechts¬ 
schutzverein, S. 58. 
17 Arbeitstitel: Die Anfänge der Sozialdemokratie an der Saar (bis 1914/18), Saarbrücken. 
18 Arbeitstitel: Strukturelle Gewalt und autoritäres Verhalten im Prozeß der kapitalistischen In¬ 
dustrialisierung. Untersuchungen zur sozialen Entwicklung im Industrierevier an der Saar 
1740 — 1914, Hannover. 
19 Arbeitstitel: Die soziale Frage an der Saar vor dem 1. Weltkrieg. Strukturelle Voraussetzun¬ 
gen, Unternehmertum, Arbeiterbewegung 1893 — 1914, Freiburg. 
20 Arbeitstitel: Bergarbeiterbewegung an der Saar. Basisprozesse und Organisationsprobleme, 
Konstanz. Seine beiden 1979 entstandenen maschinenschriftlichen Manuskripte „Standestra¬ 
dition, Streik und Arbeiterkultur. Zum Verhältnis von Wohlfahrtspolitik, Verweigerung und 
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