Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

wieweit sich in den nächsten Monaten ein Anschluß der Werkstätten- und Maschinen¬ 
arbeiter vollzog, läßt sich von den Quellen her nicht ausmachen43; sicher ist jedoch, 
daß der Vorstand des RSV um keinen Vertreter dieser Arbeiterkategorie erweitert 
wurde, was den Schluß nahelegt, daß das von der Vertrauensmänner-Versammlung ge¬ 
stellte Junktim nicht erreicht wurde. Sicher ist auch, daß sich spätestens 1892 die Mit¬ 
glieder aus dieser Arbeiterschicht vom RSV zu distanzieren begannen. Am 21. Februar 
1892 bildete sich in Bildstock ein ,,Fachverein der Maschinenwärter, Heizer und Werk¬ 
stättenarbeiter der Inspektion IX der Grube Friedrichsthal“, der in seinen Statuten als 
Zweck neben der ,, Wahrung der Mitgliederinteressen“ auch die ,, Belehrung über rich¬ 
tiges Verhalten zu Vorgesetzten“ mit aufnahm44. Am 21. August gründeten auch die 
Maschinen- und Werkstattarbeiter der Grube Dudweiler einen ,,königstreuen Fachver¬ 
ein"45. Ende dieses Monats konnte Landrat Alfred Georg Bake46 bereits berichten, daß 
die Gewinnung dieser Arbeiterkategorie für den RSV mißlungen sei47. Die zu diesem 
Zeitpunkt etwas voreilig klingende Behauptung ging am 9. Oktober 1892 in Erfüllung. 
An diesem Tag bildete sich in Dudweiler unter Vorsitz von Adolf Wenzel/Bildstock 
der ,, Verein sämtlicher Maschinen- und Werkstattarbeiter der Kgl. Gruben des Saarre¬ 
viers“, dessen Satzungen Berginspektor Hilger persönlich ausarbeitete48. 
Im Gegensatz zum Ruhrgebiet, wo bereits seit 1885 der ,,ganz auf Unternehmerlinie“ 
liegende ,, Verband technischer Grubenbeamten“ existierte49, bestand an der Saar kein 
Zusammenschluß der Steiger. Nachdem aber am 1. Oktober 1889 lediglich die oberen 
Werksbeamten — die Ober- und Fahrsteiger, Maschinenwerksmeister und Markschei¬ 
der — ins Staatsbeamtenverhältnis übernommen worden waren50, regten sich auch un¬ 
ter den Steigern Koalitionsbestrebungen, die durchaus im Windschatten der RSV- 
Gründung zu sehen sind51 52. Am 4. Mai 1890 bildete sich in St. Johann der ,,Steigerver¬ 
band der Kgl. Steinkohlengruben im Saarrevier“ mit 338 Mitgliedern. Neben Gesellig¬ 
keit, Erfahrungsaustausch und Belehrung nahm man auch die ,, Wahrung und Förde¬ 
rung der gemeinschaftlichen Interessen“ in die Statuten auf und gliederte sich eine Un¬ 
terstützungskasse für Sterbefälle an32. Unmittelbar danach wurde der Versammlungs¬ 
vorsitzende, der Malstatter Steiger Goldner, entlassen, weil er sich über die fehlende 
Beamtenqualität beschwert und verschiedene Versprechungen als ,, Wahlmanöver“ ab¬ 
qualifiziert hatte. ,,Es fehle bei uns am guten Willen unserer Bergbehörde. Man wolle 
sich, wie seinerzeit ein höherer Bergbeamter sagte, ,die Knute nicht aus der Hand neh¬ 
43 Kiefer, ebd., S. 37, und L e i m p e te r s , S. 15, sprechen — ohne Belege zu nennen — von 
1 100 beigetretenen Maschinisten und Werkstättenarbeitern. 
44 BM Forster/Friedrichsthal an LR vom 25. 2, 1892, KrASB S/7. Die Statuten ebd. und SAFR, 
Acta RSV. Der Verein löste sich am 1. 3. 1896 auf, vgl. Vorsitzender Wentzel an BM/Fried- 
richsthal vom 2. 3. 1896, SAFR, Best. RSV, 630. 
45 Bgmfr. vom 23. 8. 1892 {Nr. 52). 
46 Vgl. Buchleitner, S, 204. 
47 LR Bake/SB an RP vom 31. 8. 1892, Konzept KrASB S/7, Ausfertigung LHAK 442/4250. 
48 PK Wetzel an BM Petermann/Dudweiler vom 10. 10. 1890, KrASB S/7. Bgmfr. vom 18. 10. 
1892 (Nr. 68). 
49 Tenfelde: Sozialgeschichte, S. 261. 
50 Pilger: Ausbildungswesen, S. 20, Fn 39. 
51 Bereits am 7. Juli 1889 verabschiedete eine Versammlung der Gruben- und Maschinensteiger 
in St. Johann eine Petition mit über 300 Unterschriften an Minister Maybach; sie forderten 
darin die Verbeamtung aller Steiger, vgl. SJZ vom 9. 7. 1889 (Nr. 157). Zum Ruhrrevier vgl. 
Oldenberg, S. 667. Hans Spethmann: Der Verband technischer Grubenbeamten 
1886-1936, Gelsenkirchen 1936, S. 83 — 85. 
52 Die Statuten sind abgedruckt in der SZ vom 4. 6. 1890 (Nr. 127) sowie LHAK 442/4304, 
395-402. 
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