Full text: Landesherr und Landesverwaltung

digten Fachverwaltungen suchte sie wenigstens die Bearbeitung der rein finan¬ 
ziellen Angelegenheiten in ihrer Hand zu behalten. So sollten die Bergwerksge¬ 
fälle von ihr besorgt werden, die Einnahmen aus Forst- und Mastgeldern flössen 
unmittelbar aus den Abrechnungen der Ämter an die Rentkammer, ohne den 
Weg über das Oberforstamt zu nehmen. War das Post- und Münzwesen völlig 
von der Rentkammer losgelöst - sowohl in verwaltungsmäßiger wie in finanziel¬ 
ler Hinsicht so blieb ihr auch hier die Stellung als oberste Rechenbehörde 
erhalten. Die Kammer blieb aber in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis 
zum Regierungskollegium, da sie die finanzielle Gerichtsbarkeit nicht besaß 
und keine Ordnungsstrafen einziehen durfte. Beschwerden der Untertanen ge¬ 
gen ihre Beamten oder ihre Verordnungen wurden vor dem Regierungskolle¬ 
gium verhandelt, und zur Vollziehung von Strafen mußte das Kollegium die 
Regierung um Vermittlung anrufen. Dadurch wurde es auf Dauer schwer, Be¬ 
vormundungen des Regierungskollegiums zu widerstehen. 
2. Die Beamten des Kammerkollegiums und ihre Funktionen 
Die Leitung des Kammerkollegiums lag in den Händen des Kammerdirektors und 
seit 1785 des Kammerpräsidenten, der sich jedoch damit begnügte, die 
repräsentativen Pflichten des Präsidiums zu erfüllen85. Wo es sich um wichtige 
Finanzfragen handelte, trat nur der Kammerdirektor hervor; so hatte er die Lei¬ 
tung des Kollegiums86 im eigentlichsten Sinne inne. Im Kollegium hatte seine 
Stimme zwar kein größeres Gewicht als diejenige der übrigen Mitglieder, doch 
gab sein Votum bei Stimmengleichheit den Ausschlag. Im Rang unter dem Kam¬ 
merdirektor stand der Vizekammerdirektor. Er war rangmäßig insofern über die 
anderen Räte herausgehoben, als er den Kammerdirektor bei dessen Abwesen¬ 
heit vertrat 
Vergleicht man die Aufgaben der Vorsitzenden des Kammerkollegiums mit den 
Pflichten der Vorsitzenden des Regierungskollegiums, so wird der verschiedene 
Charakter der beiden Behörden deutlich: Beim Regierungskollegium lag der 
Schwerpunkt der Tätigkeit darin, die Beratungsgegenstände für die Sitzungen 
vorzubereiten und ihre ordnungsgemäße Erledigung in der Sitzung zu bewir¬ 
ken. Die wichtigste Aufgabe des Kammerdirektors87 war, dafür zu sorgen, daß 
die Kammerräte ihre Obliegenheiten im äußeren Dienst erfüllten. Die Sitzungen 
dienten nur dazu, das Zusammenspiel der verschiedenen Zweige des Finanz¬ 
wesens zu gewährleisten. Eine feststehende Zahl von stimmberechtigten Mit¬ 
gliedern im Kammerkollegium hat es nie gegeben, ihre Zahl unterlag starken 
Schwankungen. 
85 Zur Rolle des Kammerpräsidenten v. Creuzer siehe ausführlich Teil IV „Die Personal¬ 
politik der Herzoge von Pfalz-Zweibrücken ...", Kapitel III „Die Regierung Karl II. 
Augusts 1775-1795". 
86 Siehe dazu das Reglement wie es künftighin mit den Cameralgeschäften gehalten wer¬ 
den solle vom 17. Oktober 1765 (LA Speyer B 2, Nr. 4008, fol. 91 - 96'). Diese Verord¬ 
nung ist den 23ten Oct. 1781 nochmals publiciert worden, (ebda., fol, 97). 
87 Siehe dazu LA Speyer B 2, Nr. 4008, fol 90-90'. 
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