Full text: Landesherr und Landesverwaltung

pastoralen Arbeit festgestellt werden sollten, bildeten sie die Voraussetzung für 
die zentrale Leitung in allen kirchlichen Fragen und für die systematische Be¬ 
seitigung etwaiger Mißstände74 75, Somit gehören zu den Obliegenheiten von Hof¬ 
meister, Statthalter und Räten ferner die kirchliche Strafgerichtsbarkeit, das ge¬ 
samte Personalwesen und die Aufsicht über die kirchlichen Einrichtungen76. 
Die Ratsstube war weiterhin für das Lehnswesen76 zuständig; sie nahm die Be¬ 
lehnungen und die Ausstellung der Lehnsbriefe vor und war ermächtigt, für den 
Landesherrn den Lehnseid entgegenzunehmen. Daneben entschied sie auch als 
Lehnsgericht in strittigen Fragen. Ferner erteilte sie die bei Belastungen und 
Veräußerungen von Lehen erforderlichen Bewilligungen. 
Die Verwaltungsarbeit der Räte - ihre Zahl war nie festgelegt worden - wurde 
in der Kanzleiordnung von 1559 geregelt Die Räte erhielten feste 
Dienstzeiten77. Die Beratung und Entscheidung der laufenden Regierungs¬ 
geschäfte geschah in den Ratssitzungen. Eine Vielzahl von Fällen betraf aller¬ 
dings gemaine Sachen; es war nicht notwendig, sie dem Rat vorzulegen, sondern 
der Kanzler konnte sie den Secietanen zubegreiffen zaersehen. vnd zucollationirn 
bevelhen78. Erschien der Fürst bei den Sitzungen79, so übernahm er den Vor¬ 
74 Neben den Visitationen - sie haben der jungen Landeskirche ein renoviertes Ord¬ 
nungsgefüge gegeben - werden unter Johann I. und Johann II. zusätzliche Synoden ab¬ 
gehalten, die es ermöglichen, den Klerus ständig zu kontrollieren (siehe dazu biundo, 
Die Synoden im Oberamt Zweibrücken, sowie ders., Die Synoden im Oberamt Neu¬ 
kastel). 
75 Siehe dazu die Kanzleiordnung von 1559, Art. 37, fol. 50b-51a: Dieweil wir auch noch 
zur Zeit kain Consistorium oder verordnete Superattendentz. denen wir solhes in sonnder- 
hait beuelhen möchten, haben. So sollen sy [gemeint sind Hofmeister, Statthalter und 
Räte] selbst achtung darauff geben. Das die Jhenige. so von Kirchn guetern In Schulen, 
oder Vniuersitetn erhalten werden. Die Stipendia nützlich anlegen. Vnnd der Kirchen All¬ 
musen nit vergebenlich verswenden. vnnd verzeren. auch sooft es sie von nöten dunckt. 
vnnsere Stipendiaten zur Canntzlej fordern, vnnd Sy notdurfftigclich Examinirn lassen. Wie 
dann sölhes vnnser kirchnordnung verrner mit sich bringt.// Vnnd Soll hinfurter kaim. Er 
sey wer Er welle, gestatt werden. Das Er der kirchen Pfrundten. die wir. oder vnnsere Prela- 
ten zu Conferiren haben, geniesse. Er diene dann der kirchen. oder schickh sich mit seim 
studiern also, das Er könnfftiglich der kirchen mit nutz dienen mög. (zitiert nach kei- 
per/buttmann, Kanzlei-Ordnung, S. 63 f). 
76 Siehe die diesbezüglichen Bestimmungen in der Kanzleiordnung von 1559, Art. 57, fol. 
105b-107b; vgl. dazu auch schorr, Plan für eine Lehensgerichtsordnung, S. 41 f. 
77 Art. 8, fol. 1 lb-13b. Im Sommer von 7-9 Uhr, im Winter von 8-10 Uhr, sowie von 12-15 
Uhr bzw. von 13-16 Uhr arbeiteten die Räte täglich in der Ratsstube. Zwei Tage in der 
Woche, als nemlich dinstag vnd donnerstag, wurden Zuuerhör aller vnnserer vnndertha- 
nen. so bey vnnser Cantzlej etwas fürzubringen haben freigehalten. Wo auch auf sölhe 
verhörs tag. feierteg einfielen. So soll allwegen der nechst tag darnach, anstat des einge- 
fallnen feirtags ein Verhörstag sein [...] Kernen auch souil geschafft auf ain mal. das sy 
diser verhörtäg ain. nit verrichtet werden möchten. Damit dann die vnnderthanen nit verge¬ 
bens bej der Canntzlej erscheinen. So soll der nachuolgend tag. souil es not thuet dorzue 
gezogen werden, (zitiert nach keiper/buttmann, Kanzlei-Ordnung, S. 23 f). 
78 Kanzleiordnung von 1559, Art. 49, fol. 73b; Zitat nach keiper/buttmann, Kanzlei- 
Ordnung, S. 39. 
79 Kanzleiordnung von 1559, Art. 9, fol. 14a-14b. 
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