Full text: Landesherr und Landesverwaltung

händel entschieden hat Doch mahnen das persönliche Eingreifen Ruprechts in 
alle Akte der staatlichen Verwaltung, die wiederholte Beauftragung von Kom¬ 
missionen mit schiedsrichterlichen Aufgaben und in diplomatischen 
Angelegenheiten54 sowie die nicht vollständig zu klärende Frage derAufspal- 
tung der bisher einheitlichen Kanzlei in Rats- und Schreibstube55 zur Vorsicht 
vor voreiligen Schlüssen; erste Ansätze zu einer geschlossenen Behörde - denkt 
man an die Aufgabenbereiche - sind jedenfalls festzustellen. Von der Organisa¬ 
tion der Kanzlei fehlt, wie bereits erwähnt, indessen jede Überlieferung. 
2. Die behördenmäßige Verfestigung der Kanzieisphäre 
Zum ersten Mal vermittelt die Kanzleiordnung vom 2. Januar 1559 zusammen¬ 
hängend einen Eindruck vom Arbeitsbereich des Kanzleiratskollegiums. Sie ist 
keineswegs nur ein Modell56 zur Organisation dieser Sphäre, denn es darf als 
sicher gelten, daß die in großen Zügen vorgezeichnete Arbeitsweise auch tat¬ 
sächlich durchgeführt worden ist; das umfangreicher werdende Aktengut er¬ 
laubt nun eine Überprüfung unter dem Aspekt der Aktualisierung der verschie¬ 
denen Regelungen. Dabei wird deutlich, daß mit dieser Ordnung keineswegs 
etwas vollkommen Neues eingerichtet wurde,- vielmehr wurde im wesentlichen 
nur das systematisiert und bestätigt, was bis anher breüchlich gewesen57, was 
wohl schon während der Vormundschaftsregierung für Pfalzgraf Wolfgang bis 
1559 in Übung gewesen war. 
Die Ratsstube 
Die Kanzleiordnung von 1559 zeigt, daß sich die fürstliche Kanzlei seit dem 
ersten Drittel des 16. Jahrhunderts verändert hatte58: einmal war die Schreib¬ 
stube durch Zuwachs an Arbeitskräften vergrößert worden und wurde jetzt 
durch die Bestimmungen der Kanzleiordnung den Anforderungen des frühneu¬ 
54 Pfalzgraf Ruprecht verwendete Christoph II. Landschad wiederholt für diplomaüsche 
Missionen; so sandte er ihn beispielsweise 1540 zum Landgrafen von Hessen und im 
Juli 1541 auf den Reichstag zu Regensburg. Vgl. langendöRFER, Die Landschaden von 
Steinach, S. 51 f. 
55 Die Errichtung einer Ratsstube neben der Schreibstube als Wirkungsstätte der gelehr¬ 
ten Räte läßt sich für diese Zeit annehmen; dafür spricht die Formulierung in der Be¬ 
stallung des Kanzlers Heinrich Hase vom Jahr 1534, in der ihm unter anderem aufge¬ 
tragen wird, die Sekretäre anzuweisen, daß alles, was in vnnser Canziey verhandelt 
wuri, aufgeschrieben werden solle (crollius, Commentarius de cancellariis, S. 49, 
Anm. a). 
56 Das Vorhandensein einer Ordnung (oder einer Verordnung) muß nicht zugleich be¬ 
deuten, daß deren Grundsätze und Absichten tatsächlich verwirklicht wurden; deshalb 
hat Hartung, Deutsche Verfassungsgeschichte, S. 81 f, vor einer Überschätzung von 
Ordnungen und Vorschriften zur Organisation des fürstlichen Regierungs- und Ver¬ 
waltungsapparates gewarnt. 
57 Kanzleiordnung von 1559, Art. 11, fol. 15b. 
58 Zur Trennung von Ratsstube und Schreibstube (Cantzley) vgl. Kanzleiordnung von 
1559, Art 17, fol. 23b-24b. 
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