Full text: Landesherr und Landesverwaltung

wandtschaft, Erziehung, Interessen und Lebensstil angehörten: den niederen 
Lehnsadel, die politisch, finanziell und militärisch führende Schicht des Landes. 
innerhalb dieses auf fürstliche Initiative nach den jeweiligen Erfordernissen 
zusammentretenden Ratgeberkreises, der noch keine Behörde mit einem fest¬ 
stehenden Personenkreis und ressortmäßiger Aufgabenteilung darstellte, be¬ 
saßen der Hofmeister und der Kanzler, die sich stets in der Nähe des Pfalzgrafen 
aufhielten und infolgedessen erheblich stärker als die anderen Räte mit der Hof- 
und Landesverwaltung vertraut waren, das größte Gewicht. Den wenigen Bele¬ 
gen über das Hofmeisteramt19 in dieser Zeit ist zu entnehmen, daß es nebenein¬ 
ander zwei - fast ausschließlich aus dem niederen Adel stammende - Hof¬ 
meister gegeben hat, von denen der eine - geringeren Ranges - als 
Haushofmeister20 zu gelten hat, während der andere als Hofmeister21 stärker 
hervorgetreten ist. Er führte die Aufsicht über die Hofhaltung, über deren An¬ 
gehörige er disziplinäre Gewalt ausübte. Das Schwergewicht seines Einflusses 
lag indessen in seiner Tätigkeit als fürstlicher Rat22. Durch den Haushofmeister 
weitgehend von den täglichen Aufgaben der Hofverwaltung entlastet, wurde er 
19 Siehe zum Hofmeisteramt die spärlichen, teilweise falschen Hinweise bei eid, Hof- und 
Staatsdienst, S. 40-43; vgl. auch croluus, Commentarius de cancellariis, S. 8 f; zum 
Amt des Hofmeisters im allgemeinen seeliger, Das deutsche Hofmeisteramt. 
20 Zu den Funküonen des Haushofmeisters vgl. EID, Hof- und Staatsdienst, S. 56-60. 
21 Zur zeiüichen Abfolge der Hofmeister bis zur Regierungszeit Johanns II. vgl. ebda., S. 
40-43, und die Berichtigung von buttmann, in Westpfälzische Geschichtsblätter, S. 3 f, 
unter Zuhilfenahme der Angaben von CROLLius (Commentarius de cancellariis, S. 213 
ff). In aller Kürze soll darauf hingewiesen werden, daß bei eid, Hof- und Staatsdienst, S. 
40-43, nach Werner von Esche (Hofmeister seit 1470) die Namen von Johann von 
Schwarzenberg (Hofmeister seit 1471), Friedrich Blick von Lichtenberg (1478 bis min¬ 
destens 1481), Hans Blick von Lichtenberg (seit 1484), Burkard Beyer (seit 1486), Die- 
ther von Frauenburg (1489-1491) fehlen. Nach Adam von Sötern (1494-1514) folgen 
Wilhelm von Staufenberg (1515-1528), Peter von Wachenheim (1528-1532), Ludwig 
von Eschenau (1532-1538) und Christoph II. Landschad von Steinach (1538-1547). 
Nach Werner von Zeiskam (1547-1551) ist wieder (seit 1555) Christoph II. Landschad 
von Steinach zu nennen, dem sein Sohn Hans VI. (1575-1577) folgte. Auf dessen 
Nachfolger Wolf Wambold von Umstadt folgt 1584 Luther Quad von Landskron. Chri¬ 
stoph von Bernstein ist nicht 1582 Hofmeister geworden, sondern erst 1588. Nicht zu 
den Hofmeistern gehören Philipp von Guntheim, Syfrit von Oberkirch, Hans von Rot¬ 
tenstein, Adam von Galen, Ottheinrich Landschad von Steinach und Karl von Landas. 
22 Vergleicht man die Funküonen des pfalz-zweibrückischen Hofmeisters mit denjenigen 
benachbarter Territorien, so fällt auf, daß sein Tätigkeitsbereich nicht dem des hessi¬ 
schen Hofmarschalls nach 1569 (vgl. dazu gundlach, Die Hessischen Zentralbehörden, 
Bd. 1, S. 323 ff) und dem des Nassau-Weilburger Hofmeisters (fritzemeyer, Die Ausbil¬ 
dung einer zentralen Behördenorganisation, S. 7) entsprach, sondern vielmehr dem¬ 
jenigen des kurpfälzischen Großhofmeisters (press, Calvinismus und Territorialstaat, 
S. 27 f, sowie vogelgesang, Kanzlei- und Ratswesen der pfälzischen Kurfürsten, S. 67 
ff) oder dem des württembergischen Landhofmeisters (kothe, Der fürsüiche Rat in 
Württemberg, S. 4-6, sowie dehlinger, Württembergs Staatswesen in seiner geschicht¬ 
lichen Entwicklung, Bd. 1, S. 102). 
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