Full text: Landesherr und Landesverwaltung

für die Reichsfürsten, ihre Existenz zu retten. England und Österreich seien fest 
entschlossen, den Krieg zu verlängern, um Frankreich kräftemäßig zu zermür¬ 
ben; dieser Plan der beiden Verbündeten bedeute aber zugleich auch den 
Untergang der kleinen Reichsfürsten. Er schlägt deshalb vor, daß es für die 
Reichsstände wohl das Beste wäre, wenn sie auf eigene Faust einen Frieden 
abschließen würden. Als die streitenden Parteien Ende 1795 auf dem deutschen 
Kampfschauplatz eine unbefristete Waffenruhe vereinbarten, bat Cetto um 
seine Abberufung, da von Verhandlungen, die aufgrund des Friedens von Basel 
vereinbart waren, keine Rede mehr sei429. 
Im November 1795 wurde Salabert von den Österreichern verhaftet und bis 
Ende 1797 gefangengehalten, weil sie ihn - allerdings zu Unrecht - verdächtig¬ 
ten, er habe mit den Franzosen zusammengearbeitet und ihnen Mannheim in 
die Hände gespielt430 431. Nach seiner Verhaftung führte Cetto die Außenpolitik 
des Herzogs; dabei hatte er sich, soit sentant son insuffisance, soit par amih'e434, in 
jeder wichtigen Angelegenheit mit Montgelas beraten. 
Nachdem der Ende 1795 vereinbarte Waffenstillstand vom deutschen Kaiser 
bereits im Mai 1796 unter dem Eindruck französischer Siege in der Lombardei 
aufgekündigt worden war432, mußte die Rheinarmee unter Erzherzog Karl nach 
anfänglichen Erfolgen vor den Armeen der französischen Generäle Jourdan 
und Moreau zurückweichen; Bayern und die Oberpfalz wurden besetzt433. Nun 
zögerte Max Joseph - er mußte vor der französischen Offensive ins preußische 
Ansbach434 fliehen - nicht länger, eine Verständigung mit Frankreich 
anzustreben435 ; er entschloß sich, einen Sondergesandten nach Paris zu Ver¬ 
429 Cetto an Max Joseph, Basel 6.12.1795. BayHStA München K.bl. 197/12a. in diesem 
Schreiben erwähnt er, daß das französische Volk ruhebedürftig sei; auch England sei 
kriegsmüde, und Österreich werde sich anschließen müssen. Danach verweist er auf 
die Tatsache, daß Preußen der natürliche Rückhalt gegen Österreich sei; auf dieser 
Linie müsse man beharren. Es sei auch ratsam, Frankreich stets daran zu erinnern, 
daß es bereits früher dem pfälzischen Haus gegen Österreich Schutz gewährt habe; 
dies entspräche wohl auch den Vorstellungen Preußens und Frankreichs, wenn die 
Verhandlungen für einen endgültigen Friedensschluß aufgenommen würden. 
430 Siehe dazu adalbert prinz von Bayern, Max I. Joseph, S. 272-274; faber, van Recum, 
S. 59 ff. 
431 Copie d'un Mémoire écrit de feu M. le Comte de Gravenreuth lui-même, S. 3. GHA 
München Nachlaß Gravenreuth Nr. 25 (B VI). Aus der gleichen Quelle ist zu ent¬ 
nehmen, daß Gravenreuth den Verdacht geäußert hatte, Cetto habe Salaberts Be¬ 
freiung verhindert Diese Unterstellung wurde Cetto bekannt; seit dieser Zeit bestand 
die Feindschaft zwischen ihm und Gravenreuth, die 1806 beim Eintritt Bayerns in den 
Rheinbund so heftig aufbrach und beinahe politische Folgen gehabt hätte. Vgl. dazu 
weis, Montgelas, S. 260, Anm. 85. 
432 Siehe dazu hammermayer, Bayern im Reich und zwischen den großen Mächten, S. 
1058 f. 
433 Vgl. dazu weis, Montgelas, S. 262. 
434 Siehe dazu adalbert prinz von Bayern, Max I. Joseph, S. 287-302. 
435 Siehe dazu weis, Montgelas, S. 262. 
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