Volltext: Landesherr und Landesverwaltung

stimmt hätte335. Damit er für den Tauschplan leichter gewonnen werden könne, 
hatte man in Wien gründliche Vorbereitungen getroffen336. Für die Mitwirkung 
an diesem Vorhaben stellte man Esebeck die Erhebung in den Reichsgrafen¬ 
stand in Aussicht, und für Creuzer - Kaunitz hatte ebenfalls eine Standeser¬ 
höhung vorgeschlagen, die allerdings vom Kaiser ausdrücklich abgelehnt 
worden war337 - waren hohe Geldsummen vorgesehen. Durch hohe Ordensaus¬ 
zeichnungen, die der Herzogin und Frau von Esebeck zugedacht waren, wollte 
Katharina von Rußland günstige Vorraussetzungen für das Gelingen des 
Tauschplanes schaffen338. 
Hofenfels, der bisher wenig Einblick in den Stand der österreichischen Vorbe¬ 
reitungen hatte, konnte aber im Verlauf des Dezembers 1784 die Gunst seines 
Landesherrn wiedererlangen339. Auf sein Betreiben wurde Rumjancev am 3. Ja¬ 
nuar 1785 endgültig und schriftlich abgewiesen340. In der entscheidenden 
Audienz am 28. Dezember hatte er - gemäß seinem Auftrag - dem Herzog die 
Einsicht in den Tauschplan verweigert und ihn wissen lassen, daß ein Tausch 
auch ohne seine Mitwirkung Zustandekommen werde. Außerdem versuchte er, 
durch die Erwähnung der bevorstehenden Einsetzung einer kaiserlichen Schul- 
dentilgungskommission Druck auf den unschlüssigen Fürsten auszuüben341.Dies 
stieß den Herzog so ab, daß er Hofenfels in alle bisherigen Verhandlungen ein¬ 
weihte. In einer Denkschrift widerlegte dieser Rumjancev und erreichte die 
endgültige Ablehnung des Tauschprojektes342. Zugleich mit der Absage an 
Rumjancev vom 3. Januar 1785 unterrichtete Karl August Friedrich II. über 
diese Vorgänge und bat um die Aufrechterhaltung des Teschener Friedens343. 
Am 14. Januar kam der pfalz-zweibrückische Kurier in Berlin an und bereits am 
23. Januar konnte der Herzog Ludwig XVI. berichten, daß der König von 
Preußen ihm auf das nachdrücklichste versichert habe, er werde dem Tausch¬ 
335 Hofenfels schreibt am 7. Dezember 1784 an die preußischen Minister: J'ose aussi vous 
confier, que contre toute attente les deux cours Impériales ont fait un concert intime pour 
un nouvel assaut par le Comte de Romanzow. ZStA Merseburg Rep. 40, 14a, fol. 37-37'. 
336 Die Instruktion für Rumjancev vom 17. Dezember 1784 - sie wurde von Kaunitz ver¬ 
faßt - ist bei hanfstaengl, Amerika und Europa, S. 381-384, abgedruckt. 
337 Siehe dazu mittelberger, Hofenfels, S. 121, Anm. 3. 
338 Vgl. dazu hanfstaengl, Amerika und Europa, S. 270. 
339 Siehe dazu mittelberger, Hofenfels, S. 123. 
340 Das Schreiben Karls II. an Rumjancev ist bei HANFSTAENGL, Amerika und Europa, 
S. 388, veröffentlicht 
341 Vgl. dazu mittelberger, Hofenfels, S. 122 f. 
342 Diese Denkschrift Anmerkungen zum Tauschprojekt (BayHStA München K.bl. 425/8) 
ist auszugsweise veröffentlicht bei Schmidt, Unionsbestrebungen, S. 135 f. 
343 Das Schreiben Karls II. an Friedrich II. ist bei Schmidt, Unionsbestrebungen, S. 129 f, 
abgedruckt
	        

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