Full text: Landesherr und Landesverwaltung

nettsministerium mitteilen, daß er von der Verpflichtung, sich mit den inneren 
Angelegenheiten Pfalz-Zweibrückens zu beschäftigen, enthoben worden sei303. 
Ebenso wie die Versuche Hofenfels', den Herzog zur Sparsamkeit zu bewegen, 
waren diesbezügliche Mahnungen Vergennes’ ohne Erfolg gewesen. Karl II. 
August verfiel vielmehr auf das Mittel, „sich seine Freundschaft bezahlen zu 
lassen"304, und da Frankreich bezüglich der Subsidiengelder sehr zurück¬ 
haltend war, wandte er sich entschieden Preußen zu. Erst als in Versailles be¬ 
merkt wurde, daß der bisher mit großer Mühe gepflegte Einfluß auf den Zwei¬ 
brücker Hof im Schwinden begriffen war, wurde der Subsidien vertrag mit Pfalz- 
Zweibrücken am 26. Februar 1782 um weitere sechs Jahre verlängert305. Frank¬ 
reich sagte ferner dem Herzog seine guten Dienste in Bezug auf die bayerische 
Erbschaft zu. Allerdings mußte sich Karl II. August im Juni 1782 verpflichten, 
ohne die französische Zustimmung kein Abkommen mit einer anderen Macht 
bezüglich des bayerischen Erbes abzuschließen - Frankreich wollte sich offen¬ 
sichtlich gegen den preußischen Einfluß wenden306. Weiterhin schickte Ver¬ 
gennes den Gesandten de Corberon307 an den Zweibrücker Hof, um den Herzog 
wieder in feste politische Abhängigkeit von Frankreich zu bringen. 
Der neue Gesandte trat am 27. Juli 1782 seine Stellung in Zweibrücken an. Der 
Herzog sei so an Frankreich zu binden, heißt es in der Instruktion308, daß er sich 
auch dann nicht frei glauben könne, wenn er sämtliche wittelsbachischen Lande 
in seiner Hand vereinige. Es sei anzunehmen, daß Karl II. August nach dem 
Frieden von Teschen eine große Dankbarkeit gegenüber dem Berliner Hof zeige 
und daß er ihm überaus ergeben sei. Diese Haltung des Herzogs würde durch 
die „Einflüsterungen"309 des preußenfreundlichen Hofenfels noch verstärkt. Der 
französische König erkenne wohl an, daß der preußische König ein Recht auf 
die Dankbarkeit des Herzogs habe; er selbst aber verdiene diese noch in weit 
höherem Maße, da er die Politik von Pfalz-Zweibrücken durch seine Ratschläge 
geleitet habe; er habe die Spannung zwischen Karl Theodor und Karl II. August 
wegen der Konvention vom 3. Januar 1778 beseitigt und Maria Theresia sowie 
Joseph II. bewogen, Pfalz-Zweibrücken zum Teschener Friedenskongreß zuzu¬ 
303 ZStA Merseburg Rep. 40, 14a. 
304 Siehe dazu Recueil des Instructions VII, Einleitung, S. XXX. 
305 AAE Paris Corr. Pol. Palatinat-Deux Ponts 122, fol. 48-50. 
306 Recueil des Instructions VII, S. 567. 
307 Marie-Daniel Bouré, Baron de Corberon, war zuvor mit der Vertretung des Peters¬ 
burger Gesandten beauftragt worden. Siehe zu ihm baumann, Zwischen den Natio¬ 
nen, S. 155 f; AAE Paris Personnel, lre série, fol. 233-333. 
308 Recueil des Instructions VII, S. 568-572. 
309 On est autorisé à croire que le duc conserve un grand fonds de reconnoissance pour la 
cour de Berlin et q u il lui est on ne peut pas plus dévoué. Ce sentiment personnel de Son 
Altesse Sérénissime est certainement fortifié par les insinuations du sieur de Hoffenfels, qui 
a été son plénipotentiaire à Berlin et à Teschen et qui a éprouvé beaucoup d'égards et de 
confiance de la part du ministère prussien (zitiert nach Recueil des Instructions VII, 
S. 569). 
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