Full text: Landesherr und Landesverwaltung

Nach seiner endgültigen Ablehnung im Februar 1778281 legte Karl II. August 
auf Betreiben Hofenfels', Maria Annas und Goertz’ Mitte März beim Reichstag 
Protest gegen die österreichischen Ansprüche ein282. Friedrich II., der eine terri¬ 
toriale Erweiterung Österreichs verhindern wollte, nachdem er selbst erst kurz 
zuvor auf dem Erbwege in den Besitz von Ansbach-Bayreuth gekommen war, 
setzte sich - wenn auch nicht ganz uneigennützig - für die bayerische Integrität 
ein283. Weil Joseph II. die Kompromißvorschläge seines Kanzlers Kaunitz nicht 
beachtete284, kam es am 27. Juni 1778 zum Abbruch der diplomatischen Bezie¬ 
hungen zwischen Österreich und Preußen und schließlich zum Bayerischen 
Erbfolgekrieg, in dem Preußen wegen der Neutralität Frankreichs und der Zu¬ 
stimmung des vertraglich gebundenen Rußlands nichts zu befürchten hatte. Der 
Krieg - zu einer militärischen Entscheidung ist es nicht gekommen - fand am 
13. Mai 1779 mit dem Frieden von Teschen285 sein Ende. Österreich entsagte 
jeglichen Ansprüchen auf bayerisches Territorium und erhielt als Gegen¬ 
leistung, ohne daß irgendwelche rechtlichen Gründe Vorgelegen hatten, das 
sogenannte „Innviertel", ältestes bayerisches Siedlungsland, einen Gebietsstrei¬ 
fen von 30 Quadratmeilen und 80 000 Einwohnern zwischen Passau und der 
Nordgrenze des Erzstifts Salzburg. Die Erbfolge des Hauses Zweibrücken in 
Bayern und in der Pfalz wurde ausdrücklich anerkannt, die Hausverträge von 
1766, 1771 und 1774 fanden ihre Bestätigung. Die Konvention vom 3. Januar 
1778 wurde endgültig aufgehoben. 
Bei den Verhandlungen in Teschen konnte Hofenfels trotz erheblicher Wider¬ 
stände seitens des bayerischen Kurfürsten - er widersetzte sich nahezu allen 
Wünschen, die im Interesse des Herzogs von Pfalz-Zweibrücken vorgebracht 
wurden - fast in allen Punkten seine Ziele erreichen286. So durfte Pfalz-Zwei¬ 
brücken dem Vertrag zwischen Maria Theresia und Karl Theodor beitreten, 
allerdings nicht als partie contractante, wie Hofenfels gewünscht hatte, sondern 
durch acte cf accession 287. Außerdem verpflichteten sich Karl Theodor und 
Karl II. August in einem Sonderartikel, die geschlossenen Verträge einzuhalten. 
Hofenfels erreichte jedoch nicht, daß die Verpflichtung Karl Theodors zur 
finanziellen Unterstützung seines Neffen - eine Erhöhung der Einkünfte des 
281 Lehrbach an Kaunitz, München 20. u, 27. 2. 1778. HHStA Wien Staka Bayern 37, fol. 
254-261', 316-318’. Siehe dazu auch mittelberger, Hofenfels, S. 21 f. 
282 Lehrbach an Kaunitz, München 10.3.1778. HHStA Wien Staka Bayern 37, fol. 
458-477'. Das Vorgehen Pfalz-Zweibrückens wurde von Preußen und Mecklenburg 
sowie von Augsburg, Salzburg und Kempten unterstützt. 
283 Vgl. dazu hammermayer, Bayern im Reich und zwischen den großen Mächten, S. 
1048. 
284 Siehe dazu v. aretin, Das bayerische Tauschprojekt, S. 766-772. 
285 Texte des Friedens: BayHStA München K.bl. 424/9. Der Wortlaut des Friedens ist 
veröffentlicht bei gross-hoffinger, Regierungsgeschichte Josephs des Zweiten, Bd. 
IV, S. 122-129. 
286 Vgl. zum folgenden mittelberger, Hofenfels, S. 37 f. 
287 Siehe dazu ebda., S. 38, Anm.l. 
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