Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

4. Die Gebäude und das Inventar 
Die bisher erarbeiteten Ergebnisse lassen vermuten, daß die Wohn- und Wirt¬ 
schaftsgebäude der Bauern bestimmt nicht durch großzügige Bauweise und reiche 
Innenausstattung hervorgetreten sein können. Sie waren zweckmäßig und enthiel¬ 
ten das Notwendigste. 
4.1 Die Gebäude 
Während viele der Hintersassen und Tagelöhner in Baracken hausten74, wohnte 
der größte Teil der Bauern immerhin in festen Häusern. Nur im Köllertal und eini¬ 
gen anderen Orten gab es Häuser, die mit Einschränkung als stattlich bezeichnet 
werden dürfen. 
Anlage und Zweck 
Das Bauernhaus des Fürstentums Nassau-Saarbrücken gehörte zum Typ des Süd¬ 
westdeutschen Einhauses75. Die Häuser waren einstöckig, auf den größeren Höfen 
auch zweistöckig, und hatten ein Krüppelwalmdach. Jene waren reine Familien¬ 
wirtschaften, diese mußten mehr Wohn- und Wirtschaftsraum zur Verfügung ha¬ 
ben, weil Gesinde im Haus lebte und sowohl ein breiteres Anbauprogramm als 
auch eine bedeutendere Viehhaltung zu ungleich größeren Lagerräumen für Vor¬ 
rat und Futter nötigten. Wenn Otremba meint, „als Wohn- und Wirtschaftshaus 
prägen es außer wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit viele individuelle Züge“76, so 
scheint in den Saarbrücker Landen die Zweckmäßigkeit eindeutig im Vordergrund 
gestanden zu haben. In der Aufführung der Gebäude, die zum überwiegenden 
Teil wegen der Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges Neubauten der zweiten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts waren, lassen sich nur unbedeutende Unterschiede 
erkennen, so daß von individuellen Zügen kaum etwas zu spüren ist, vielmehr 
waren „die Häuser einheitlich angelegt und sogar die Bestimmung und Ausstattung 
der einzelnen Wohnräume in den meisten Häusern gleichmäßig“77. 
Das Bauernhaus des Fürstentums vereinigte Wohnteil, Stall und Vorratshaus unter 
einem Dach. Auf Grund der Auswertung verschiedener Quellen78 und der Besichti¬ 
gung einer Reihe alter Bauernhäuser im Untersuchungsgebiet läßt sich der folgende 
74 Vgl. die Einwohnerlisten der Herrschaft Ottweiler 1741, abgdr. bei A. Fürst, a.a.O., 
S. 233—306. 
75 Saaratlas, hg. H. Overbeck und G. W. Sante, 2. Aufl. Gotha 1934, Karte 14 und 
begl. Text. 
76 E. Otremba, a.a.O., S. 39. 
77 N. Fox, Saarländische Volkskunde (= Volkskunde Rheinischer Landschaften), Bonn 
1927, S. 46. 
78 Meist Besitzübergaben, z. B. LA SB, Best. 22 Nr. 3862, Nr. 2754 etc. 
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