Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

Für die später zum Fürstentum gekommenen Orte galten besondere Regelungen. 
Voraussetzung für die Gütersteuer war die Schaffung eines einheitlichen Schatzungs- 
fußes, damit kein Untertan vor dem anderen beschwert werde38 39. Brauchbare 
Unterlagen dazu gab es zu diesem Zeitpunkt im Fürstentum nicht. Zwar hatte man 
früher schon Güter katastriert, aber die in der Grafschaft sich befindenden Städte, 
Dörfer, Höfe und deren Banne waren noch niemalen in behöriger Ordnung erneuert 
worden und dahero viele Strittig- und Mißhelligkeiten entstanden, welche ohne¬ 
hin durch die zum Teil sehr alte, überhaupt aber ohne Form und genügsame 
Deutlichkeit errichtete Renovatur, Bann- oder Flurbücher nicht entschieden werden 
mögen33. 
Die neue Generalrenovatur ab 1753 legte durch die exakte Vermessung aller 
Banne des Fürstentums, ihre Einteilung in Traktus und deren Kartierung sowie 
Klärung der besitzrechtlichen Verhältnisse das Fundament dafür. 
Die Gütersteuer setzte sich zusammen aus der Gebäude- und Grundsteuer. Sie 
betrug 1 1/2 Pfennig monatlich vom veranschlagten Steuerkapital. 
Die Gebäudesteuer wurde folgendermaßen berechnet: ln Betracht der Hof geringe 
und Übergebäuden wurde, weilen dieselbige, da sie der täglichen Feuersgefahr 
und dem Abgang unterworfen sind, nicht nach dem Wert abgeschätzet werden 
konnten, ., . bestimmet, daß solche hauptsächlich nach der Qualität ihrer Lage 
und des zu ihrem Gebrauch abzweckenden Gelaßes in drei Klassen gebracht 
werden40. Daher erklärt sich auch der sehr mäßige Anschlag zum Steuerkapital 
in Klasse A von 13.10.—, B von 8.26.5 3/8, C von 4.13.2 5/8 Gulden41. Die jähr¬ 
liche Gebäudesteuer betrug demnach in Klasse A 1.—.—, B —.20.— und C —.10.— 
Gulden42. 
Der Berechnung der Grundsteuer lag die Fruchtbarkeit des Bodens zugrunde. Die 
Flöhe der Erträge aus dem Garten-, Wiesen- und Ackerland wurde ebenfalls in 
drei Klassen eingeteilt43 und mit Hilfe der traditionellen durchschnittlichen Ernte¬ 
mengen in Geld angeschlagen44. Von der so errechneten Summe kamen in Abzug45 
a) im Garten- und Wiesenland ein Viertel des in Geld angeschlagenen Ertrags als 
Vergütung für die persönliche Arbeitsleistung der Bauern, 
b) im Ackerland zwei Faß Saatfrucht pro Morgen und die Hälfte des in Geld 
angeschlagenen Restertrages als Vergütung für die persönliche Arbeitsleistung 
der Bauern. 
Die verbleibende Summe bildete das Steuerkapital, das mit 1 1/2 Pfennig pro Monat 
belastet wurde. Es versteht sich von selbst, daß diese Zahlen wegen der sehr mäßig 
angesetzten steuerbaren Masse nicht als echte Bodenwerte angesehen werden 
dürfen; diese lagen um ein Vielfaches höher. 
38 J. M. Sittel, a.a.O., S. 298; VO v. 22, 5. 1753 zur Einführung der Generalrenovatur 
in den Saarbrücker Landen, 
39 Ebenda. 
40 Renovatur- und Steuerwesen §§ XVI und XXXV, S. 16 u. 43 f. und J. M. Sittel, 
a.a.O., S. 297 ff., 340 f., 356 ff. 
41 Steuerschlüssel der Bann- und Steuerbücher. 
42 Renovatur- und Steuerwesen, S. 16, § XVI, 
43 Ebenda, S. 43 f., §§ XI und XXXV. 
44 Ebenda, S. 13—15, 48, §§ XII, XIII, XL. 
45 Ebenda, S. 16, § XV. 
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