Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

Verlauf eines Jahres ruiniert. Daß von solchem Vieh keine qualitativ hochwertigen 
Nachkommen zu erwarten waren, liegt auf der Hand94. In vielen Dörfern gab es 
häufig nur einen Stier oder einen Eber, auf denen allein die Last der Weiterzucht 
ruhte; sie waren auf Grund ihres schlechten Zustandes überfordert. 
Um kräftigere Schafe, Schweine und Rinder zu erhalten, bedurfte es also nicht so 
sehr der Zufuhr neuen Blutes, vielmehr einer besseren Fütterung und Pflege. Eng¬ 
lische Rinder oder Schweine wurden in Nassau-Saarbrücken nicht eingeführt. Es 
liegt auch kein Hinweis dafür vor, daß Merinoschafe aus Spanien importiert wor¬ 
den wären95. 
Für die schwierige Situation in der Viehhaltung sind auch die häufig auftretenden 
Seuchen verantwortlich, denen die Bauern recht hilflos gegenüberstanden96. Sie 
konnten zunächst weder die Voraussetzung für die Seuchen beseitigen, nämlich 
die durch Hunger und mangelnde Hygiene stark gesunkene Widerstandskraft der 
Tiere gegen die Krankheiten, noch kannten sie erfolgreiche Methoden gegen diese 
selbst. Verschiedene Seuchen traten regelmäßig auf97 und dezimierten die Herden 
ganzer Dörfer und Regionen98. Eine der Ursachen glaubte man in den schlechten 
Tränkverhältnissen zu sehen99. Deshalb sollten die Brunnen und Viehtränken erneu¬ 
ert werden, weitere hinzukommen und jährlich zweimal ordentlich gesäubert wer¬ 
94 Wegen eines Streites über die Haltung der Herdfarren in der Gemeinde Steinbacli 
1785 ist ein Schreiben erhalten, das die ganze Problematik deutlich wiedergibt und 
deshalb in Auszügen folgen soll (LA SB, Best. 22 Nr. 2951, S. 128—156): 
... es ist in der . . . Unterhaltung der gemeinen Herdfarren gewöhnlich gewesen, 
daß solcher von einem jeden Gemeinsmann, welchen die Reihe getroffen, auf seine 
Kosten angeschafft, auch ohn weitere Zubuße derer Übrigen unterhalten werden 
müssen; . . . 
Dieses hat aber zu allerhand Unordnungen Anlaß gegeben, indem wann die Reihe, 
den harren zu halten, einen armen Gemeinsmann betroffen, welcher nicht viel an¬ 
zuwenden vermögend gewesen, derselbe gemeiniglich ein schlechtes Stück Vieh des 
wohlfeilen Preises halber angeschafft und ebenso schlecht unterhalten hat, so daß 
er nicht praestanda präsentieren können, . . . 
Dieses hat nun hochf. Regierung bewogen . . . 1757 ... zu disponieren, daß das 
,Faselvieh nicht mehr in der Reihe herum angeschafft, sondern . . . auf gemeine 
Kosten erkaufet und unterhalten werden solle’. 
Weilen aber gemeiniglich nur arme Leute die Unterhaltung der Farren an sich 
ersteiget, welche sich mit denen empfangenen Geldern in ihren eigenen Haushal¬ 
tungen zu helfen vermeinet und den Farren ganz verliederlichen lassen, so daß die 
Gemeinde großen Schaden in ihrem Herdvieh gehabt . . . und kaum den vierten Teil 
wiederum (für den Farren) erlöset hätten. 
95 V. Schlechtendal, a.a.O., S. 12 berichtet noch 1863, daß sämtliche Schafe gewöhnliche 
Landschafe waren. 
96 Vgl. z. B. H.V. — A 433a, LA SB, Best. 22 Nr. 2732, Bl. 65 f. und J. Diehl, a.a.O., 
S. 146. 
97 Nach J. M. Sittel, a.a.O., S. 389 ff. (VO v. 22. 7. 1763) waren das damals bei 
Pferden: Rotz, Bauchbläsigkeit, Koller, Kränke; bei Rindern: Perlen, schweres Leid, 
Rotseigen, Umgang im Kopf; bei Schweinen: schiveres Leid und Finnen; bei Schafen: 
Pusteln. 
98 LHA KO Best. 701 Nr. 458-8, Bl. 125, 247; VO v. 8. 8. 1763 und 17. 5. 1765. 
99 J. M. Sittel, a.a.O., S. 702 ff., abgdr. bei J. Zewe, a.a.O., S. 56 ff., DO Ottweiler 
Meiereien 1757: . . . die Viehseuchen mehrenteils aus Mangel an Wasser entstehen, 
so sollen . . . die Quellen aufgebutzet, für das Rindvieh gute Tröge und für die 
Schweine Schwemmen angeleget, von den Hirten aber verhindert werden, daß das 
Rindvieh dem trüben Wasser nachgehe. 
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