Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

Rassen zur reinen Weiterzucht oder Kreuzung, Anstellung qualifizierter Hirten 
und Schäfer, Neuanlage und Ausbau bestehender Tränken im Dorf und in der Flur, 
Neubau der Viehställe nach neuesten Erkenntnissen, Seuchenbekämpfung, Gesund¬ 
heitsuntersuchungen bei Viehimporten, längere Schonung des Jungviehs, Vermei¬ 
dung der Überbelegung der Weiden etc.91. 
Die Fortschritte der Viehzucht kamen in erster Linie den Pferden zugute. Bekannt¬ 
lich waren die Fürsten jener Zeit häufig Pferdeliebhaber, und das darf wohl ohne 
Übertreibung vom Pfälzer Herzog Christian IV. gesagt werden. Berichtet sein 
Regierungsrat Schimper zunächst, daß vor Aufnahme der Arbeit der Ökonomie¬ 
kommission alle Pferde von guter und schöner Art auswärts teuer erkauft wurden, 
so rühmt er 1764: Jetzt lassen wir alle unsere Nachbarn, vornehmlich was die 
Reitpferde betrifft, weit zurück. Der ... Marstall pranget dermalen mit der schön¬ 
sten eigenen Zucht, welche denjenigen Pferden nichts nachgibt, welch man bisher 
mit übermäßigen Kosten aus England hat bringen müssen92. Diese Erfolge haben 
die züchterischen Bemühungen in Nassau-Saarbrücken bedeutend beeinflußt. 
Fürst Ludwig legte in Dudweiler eine Stuterei an und erließ eine Verordnung zur 
Hebung der Pferdezucht93. Sie enthält die folgenden wesentlichen Punkte: 
1. Das gesamte Pferdematerial im Lande ist zu mustern. 
2. Die vorhandenen guten Stuten und Hengste werden gebrannt und in einer 
Tabelle erfaßt. 
3. Die guten Stuten werden nur durch die herrschaftlichen Hengste gedeckt. 
4. Alle minderwertigen Hengste sind binnen Jahresfrist abzuschaffen oder zu 
kastrieren. 
5. Jährlich im November wird Fohlenmusterung gehalten. 
6. Das Anspannen von Fohlen unter drei Jahren ist strengstens verboten. 
7. Der Verkauf der guten Tiere außerhalb des Landes ist ebenfalls bei Strafe 
verboten. 
8. Wer mehrere gute Tiere hält, wird teilweise vom Frongeld befreit. 
9. Nicht gezeichnete Stuten dürfen von besichtigten Hengsten der Landesbeschäler 
gedeckt werden. 
Beim Rindvieh, den Schafen und Schweinen liefen die Bemühungen um bessere 
Qualitäten in die gleiche Richtung. Man suchte durch überlegte Auswahl der Farren 
(männliche Zuchttiere) zu kräftigerem und gesünderem Nachwuchs zu kommen. 
Deshalb kaufte man Widder, Stiere und Eber z.T. aus dem Ausland an. Der Fürst 
erkannte aber, daß diese Unternehmungen nichts nützen würden, wenn man nicht 
gleichzeitig die katastrophalen Verhältnisse bei der Haltung des Faselviehs (Zucht¬ 
tiere) beseitigte. Damals gab man es reihum in die Ställe der Bauern oder an den 
Meistbietenden. Die mit der Pflege der Tiere betrauten Untertanen schafften aus 
persönlicher Gewinnsucht billige und daher schlechte Tiere an, fütterten sie unge¬ 
nügend und ließen sie richtiggehend verkommen. Die Tiere waren praktisch im 
91 Vgl. die Vorschläge von Götz, § 4, 7-12; erwähnt bei K. Schwingel, Einfluß, S. 33 f. 
92 Schimpers Bericht von 1764, in: E. Drumm, a.a.O., S. 1 f. 
93 VO zur Hebung der Pferdezucht v. 1. 9. 1785; F. Rollé, a.a.O., S. 21; A. Ruppers- 
berg, Grafschaft II. Teil, S. 302; J. Collet, a.a.O., S. 9. 
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