Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

fütterung stehenden Tiere 8—10 dz Heu pro Kopf und Jahr114 bereitgestellt werden. 
Ein Hof mit einer ganzen Fuhre mußte folglich mindestens 35—40 dz Heu zur 
Verfügung haben, die Fütterung des Milchviehs nicht gerechnet. Die Futtermengen 
für Ochsen und Rinder dürften wohl nicht erheblich von diesen zeitgenössischen 
Angaben abgewichen sein. 
Bei solchen Zuständen scheint cs sehr zweifelhaft, daß der Besitzer eines kleinen 
oder mittleren Hofes Heu verkauft haben soll. 
Im Oberamt Ottweiler waren die Verhältnisse nicht besser. Am Beispiel der Ge¬ 
meinde Schiffweiler zeigt Weyand, wie schwierig auch hier die Futterlage war, die 
überdies durch die Sonderrechte der Hofbeständer noch weiter verschlechtert 
wurde und sich hier wie in anderen Gemeinden fast zu einem Weidekrieg aus- 
wuchs115. Die Gemeinde Schiffwciler schilderte in mehreren Eingaben um 1770 
anschaulich ihr Futterproblem116, und in anderen Orten sah es nicht besser aus. 
Viele Bauern mußten, wie die Untertanen aus Ludweiler dem Fürsten klagten117, 
Futter hinzukaufen. Das konnte bei den Gemeinden und beim Fürsten geschehen, 
weil beide bekanntlich ebenfalls über Wiesen verfügten118. 
4. Die Weidewirtschaft 
Wegen der nach wie vor unzureichenden Stallfütterung mußten die Tiere den über¬ 
wiegenden Teil ihrer Nahrung auf den Weiden suchen. Das Vieh war zu Beginn 
des Frühjahres kaum mehr in der Lage, den Weg zur Weide aus eigener Kraft zu¬ 
rückzulegen119. Die Bauern führten daher die Tiere auf alle auch nur annähernd 
tauglichen Flächen der Gemarkung zur Futtersuche. 
4.1 Weiderrechte und Weideflächen 
Wie andere deutsche Länder, so besaß auch das Fürstentum Nassau-Saarbrücken 
ausgedehnte Triften, die ständig oder zu bestimmten Zeiten genutzt wurden. 
114 Wenn man nach H. Weyand, a.a.O., S. 41 u. 43 einen Wagen Heu mit 8—11 dz 
rechnet. Aus Berechnungen nach LA SB, Best. 22 Nr. 3275, Bl. 9—167 konnten auf 
eine Großvieheinheit ca. 20 Zentner Heu verfüttert werden, 1741. 
115 Vgl. Abschnitt Weidegerechtigkeiten, S. 167; grundsätzlich dazu G. Hards Aufsatz: 
Gewalt gegen alles gehabte Recht, in: ZGSaarg XIII, Saarbrücken 1963, S. 250—259. 
116 H. Weyand, a.a.O., S. 36: . . . ist die Not unbeschreiblich groß, so daß viele Leut 
ihr Vieh von denen Strohdächern und dürrem Laub erhalten müssen; . . . daß wir 
unser Vieh keineswegs wissen, wo wir damit weiden und in Ansehung des Futters 
damit durchbringen können; . . . der Bildstöckler Hof habe sich seit einigen Jahren 
bei ihnen eingeschlichen ; . ., da . . . nun der jetzige Bildstöckler Beständer . . . 
unsere Dorfbänne alltäglich mit seiner Herde Hammel bestreichet und die Weide, 
welche für unser Zug- und anderes Vieh fiotdürftig gebrauchet wird, hinwegweidet, 
daß wir schier unser Vieh nicht erhalten können, (nach LA SB, Best. 22 Nr. 2930). 
117 LA SB, Best. 22 Nr. 4440. 
118 Vgl. den summarischen Extrakt Gemeinde in den Bannbüchern, Herrschaft ebenda 
und in den Renteirechnungen Wieseneinnahmen. 
119 Th. v. d. Goltz, a.a.O., S. 276; R. Krzymowski, a.a.O., S. 164 u. a. 
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