Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

Zunächst auf den herrschaftlichen Höfen angebaut9, fand sie im Laufe des 18. 
Jahrhunderts nur zögernd den Weg in die Felder der Bauern: 1731 kultivierte man 
sie in St. Arnual, Güdingen, Bübingen, St. Johann, Saarbrücken und Burbach10 
und 1739 auch in Dudweiler, Völklingen, Geislautern, Fürstenhausen und Wehr¬ 
den11. Schließlich liegen seit 1771 auch verläßliche Nachrichten über den Gerstenbau 
in Klarenthal, Ludweiler, Malstatt und Ransbach vor12. Erst in den achtziger 
Jahren gewann die Gerstenkultur an Bedeutung und 1794 wurde ihr Anbau auch 
im ganzen Köllertal betrieben13. 
Im Oberamt Ottweiler wurde darüberhinaus um 1688 Heidenkorn gesät14, dessen 
Anteil an der Getreideproduktion zwar allmählich zurückging, aber auch in den 
sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts noch zehntbare Größe erreichte15. In der 
zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts scheint der Mais (Welschkorn) an Bedeu¬ 
tung gewonnen zu haben16. Dinkel bauten die herrschaftlichen Hofbeständer17, 
und Hirse soll in Karlsbrunn18 und Bous19 geerntet worden sein. 
Die Kartoffel wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon in großen 
Mengen angebaut. Während man ihren Nutzen in anderen Teilen Deutschlands 
erst nach den großen Hungerjahren 1771/72 erkannte, „nahm der Kartoffelbau. . . 
im Erzgebirge, im Vogtland oder auch in Nassau-Saarbrücken schon ganz beträcht¬ 
liche Flächen ein“20. 
1.1 Die Erträge aus dem Ackerbau 
Die in den Steuerschlüsseln der Bannbücher genannten Richtwerte der Getreide¬ 
erträge geben, isoliert betrachtet, nur ein ungenaues Bild von den Ernten der 
Bauern. Es kann daher Collet nicht zugestimmt werden, wenn er meint, man habe 
im Fürstentum das sechste Korn geerntet21, und diese Aussage auf den errechneten 
Durchschnittswert von 3 Quart Fruchtertrag pro Morgen stützt. Die Betrachtung 
der Bodenverhältnisse hat ja gezeigt, daß ein solcher Durchschnittswert sowohl 
wegen der unterschiedlichen Bodengüte und deren Anteil am gesamten Ackerland 
als auch auf Grund der verschiedenen Litergewichte der Anbaufrüchte keine 
Aussagekraft besitzt. Mit Recht weist Weyand auf diesen Umstand hin und glaubt, 
daß der Ertrag „auf den relativ fruchtbaren Böden ... nur in wenigen Gewannen 
9 H.V. — A 401, S. 62: Kellereirechnung der Grafschaft 1728. 
10 A. Ruppersberg, St. Arnual, S. 36 und H.-H. Gerhard, a.a.O., S. 64. 
11 H.V. — A 442, Zehntverzeichnis des Stiftes St. Arnual 1739. 
12 LA SB, Best. 22 Nr. 2078, S. 87, 91, 93. 
13 LA SB, Best. 22 Nr. 5316. 
14 j. A. J. Hansen, Beiträge zur Geschichte des Berg- und Hüttenwesens im Ottweileri- 
schen, Ottweiler 1868, S. 55. 
15 LA SB, Best. 22 Nr. 2015, S. 155 und LA Speyer, NS Rechnungen 1—3. 
16 LA SB, Best. 22 Nr. 2457p, Bl. 6—9 belegt Kellereirechnung 1752. 
17 Ebenda. 
18 H. Ebert, Karlsbrunn von einst und jetzt, in: Karlsbrunn, Ursprung und Entwicklung, 
Karlsbrunn 1967, S. 25. 
19 F, Fritsch und K. Dittmann, a.a.O., S. 94. 
20 E. Klein, a.a.O., S. 15. 
21 J. Collet, a.a.O., S. 15: 3 Quart ~ 268 1 206 kg Weizen * 115 kg Hafer. 
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