Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

aufgegeben haben ; Rollé nämlich erwähnt nur diese eine Klee bauende Gemeinde 
in der Grafschaft68. 
In Völklingen, Fürstenhausen, Geißlautern und Wehrden begann man zu dieser 
Zeit, Kartoffeln in das Brachfeld zu setzen, nützte aber den verbleidenden Teil 
weiterhin als Weide. Zu dem Entschluß, auch dort den Kleebau einzuführen, 
hatten sich die Bewohner dieser Meierei offensichtlich bis zu diesem Zeitpunkt 
noch nicht durchringen können, obwohl die allgemeine landwirtschaftliche Situ¬ 
ation der Dudweilers sehr ähnlich war. 
Die Fülle der in den achtziger Jahren im Oberamt Ottweiler angebauten Feld¬ 
früchte läßt darauf schließen, daß die verbesserte Dreifelderwirtschaft dort schon 
weiter fortgeschritten war als in der Grafschaft. Im einzelnen ist darüber aber zu 
wenig bekannt. 
3. Die Entwicklung der Betriebssysteme im Laufe des 18. Jahrhunderts 
Die bescheidene Quellenlage konnte jedenfalls eines deutlich machen: die viel¬ 
zitierte Dreifelderwirtschaft war nicht das einzige, vielleicht sogar nicht einmal das 
verbreitetste Betriebssystem im Fürstentum Nassau-Saarbrücken des 18. Jahr¬ 
hunderts. Die Fürsten Wilhelm Heinrich und Ludwig hatten sich ja gerade die 
Aufgabe gestellt, die unterschiedlichen Betriebssysteme des Landes möglichst 
bald in eine Dreifelderwirtschaft umzuformen, da sie der Ansicht waren, daß sie 
einschließlich ihrer verbesserten Form die ideale Nutzungsmöglichkeit des Landes 
sei und durch ihre Protektion und den Fleiß der Bauern auch aus dem schlechtesten 
Stück ein baufähiges und ertragreiches Land schaffen könne. Die Untersuchung 
hat aber gezeigt, wie weit die Fürsten noch von diesem Ziel entfernt waren. 
Es kann daher zu Anfang des 18. Jahrhunderts von folgendem Flurbild ausgegangen 
werden: im inneren Kreis der Gemarkung lagen um den Ortskern die Kraut-, 
Gras- und Baumgärten und sonstige, dem Flurzwang nicht unterworfene Felder. 
Die Krautgärten erhielten die intensivste Düngung und Bearbeitung. An sie schlossen 
sich die meistens in Niederungen oder in Wassernähe gelegenen Wiesen an. Um 
diese hofnahen Flächen gruppierte sich das Binnenfeld, das hierzulande Dungacker¬ 
land genannt wurde. Es wurde ständig gedüngt, regelmäßig bearbeitet und meist 
in einer Drei- oder Vierfelderfolge bewirtschaftet; Flurzwang herrschte. Obwohl dies 
nicht immer der beste Boden sein mußte, „war es der am bequemsten erreichbare, 
was bei der Notwendigkeit, die Felder zu düngen, ausschlaggebend war“69. Wer 
Dungland hatte, besaß auch Vieh. Ihm stand als einem Gemeindemann „die Nutz¬ 
nießung der übrigen Gemarkung offen und zwar im Verhältnis seines Anteils am 
Dungland“70. 
Daran schlossen sich die Außenfelder an. Sie wurden sehr extensiv bewirtschaftet, 
und es scheint, „daß man den bequem gelegenen Feldern zuviel Dung zuführte, 
68 Ebenda, S. 150—158. 
69 J. Postius, a.a.O., S. 123. 
70 J. Postius, a.a.O., S. 124; vgl. H. Weyand, a.a.O., S. 56 und S. 58. 
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