Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

liege64. Da der Roggenanbau stark betrieben wurde65, darf wohl angenommen 
werden, daß man dort zwei Jahre nacheinander Korn säte und ein Jahr Hafer. Diese 
Gewohnheit erstarrte allerdings nicht zu einem System. Es wurde vielmehr von 
Fall zu Fall entschieden, welche Frucht auf welchem Stück im nächsten Jahr 
kultiviert werden sollte. Zeigte der Boden bereits eine gewisse Müdigkeit, konnte 
man das zweite Roggenjahr ausfallen lassen und gleich zum Haferbau übergehen. 
Vielleicht ließ man auch einem Körnerjahr gleich die Driesch folgen. Wie lange 
sie dauerte und ob sie auf demselben Stück immer die gleiche Anzahl Jahre in 
Anspruch nahm, ist nicht bekannt. Man ließ das Land vermutlich so lange liegen, 
bis man es wieder für bebaubar hielt, bzw. die Notwendigkeit zwang, ein Stück 
aufs neue zu kultivieren. Kartoffeln, Erbsen und Wicken trugen dazu bei, eine 
geregelte Felderwirtschaft zu unterbinden. Der Warndtbauer war frei vom Flur¬ 
zwang und den mit ihm verbundenen Unannehmlichkeiten. 
Ebenfalls ohne Feldereinteilung wirtschaftete man in Malstatt-Burbach, Geislautern 
und Klarenthal. Die Wahrscheinlichkeit für jährlich wechselnden Roggen- / 
Haferbau ist sehr groß66, die Driesch dauerte ein oder zwei Jahre je nach Boden¬ 
qualität. Damit nähert sich der Betrieb der Felder in diesen Gemeinden der Drei-, 
bzw. Vierfelderwirtschaft. In Scheidt und Rentrisch schließlich, nicht aber im 
Gemeindeteil Scheidter Berg, bestanden auch keine Felder. Die Bauern dieser 
Meierei haben anscheinend abwechselnd Korn und Hafer angebaut und die Felder 
anschließend ein oder zwei Jahre driesch liegen gelassen. 
2.4 Die verbesserte Felderwirtschaft 
Auch im Fürstentum Nassau-Saarbrücken konnten gegen Ende der Fürstenzeit 
Ansätze zu einer verbesserten Felderwirtschaft beobachtet werden. Durch den 
Anbau der Kartoffel, die sich bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach den 
Gärten auch die Brachfelder eroberte, des Welschkorns (Mais) und der Wicken 
wurde die klassische Form der Dreifelderwirtschaft überwunden. Nur in wenigen 
Orten besömmerte man das Brachland teilweise: Güdingen baute im dritten Feld 
Welschkorn, Grundbirnen und Wicken, Ransbach und Wehrden nur Kartoffeln67. 
In Dudweiler gediehen auf dem Brachfeld Kartoffeln und Etzfutter. Ob damit zwei 
der fünf Fluren völlig bebaut wurden oder nur teilweise, ist nicht bekannt. Es ist 
also auch denkbar — und dies sehr wahrscheinlich —, daß dort eine der fünf 
Fluren ganz als Weide genutzt und die beiden anderen „Brachfluren“ zum größeren 
Teil in das periodische Weideland einbezogen wurden. Schließlich mußten die 
hauptsächlich vom Fuhrgeschäft lebenden Einwohner auf die Nutzung größerer 
Weideflächen bedacht sein. Aus diesen Überlegungen heraus scheinen sie auch die 
ersten gewesen zu sein, die den hartnäckigen Widerstand gegen den Kleebau 
64 H.V. — H 11, S. 148 ff. 
65 Vgl. die Bannbücher. 
66 Vgl. die Bannbücher. 
67 H.V. — H 11, S. 146 ff., Jahr 1787. 
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