Full text: Genealogia oder Stammregister der durchläuchtigen hoch- und wohlgeborenen Fürsten, Grafen und Herren des uhralten hochlöblichen Hauses Nassau samt etlichen konterfeitlichen Epitaphien

über seine Qualitäten als Maler ist bei einem vorwiegend reproduzierend und kopierend tä¬ 
tigen Zeichner nur schwer Verbindliches auszusagen. Seine Malerei verrät das gleiche wie 
seine Zeichnungen: Sicheren Pinselstrich, minutiöse Feinheit und ein gutes Empfinden für den 
Wert von Farbe und Licht. Ein gründlicheres Urteil über seine Fähigkeiten läßt sich m. E. 
nicht rechtfertigen, denn auch die vier gemalten Stücke, so wertvoll und aufschlußreich sie 
für diese Untersuchung auch sein mögen, sind letztlich nur Reproduktionen, aber keine eigen¬ 
schöpferischen, aus persönlicher künstlerischer Intuition geschaffenen Kunstwerke, wobei sogar 
bemerkt werden muß, daß insbesondere das farbenfreudige reizvolle Wandbild aus Klaren¬ 
thal wegen der fehlerhaften Perspektive, der unschönen öden Bogenlaibung und der Fehl¬ 
stellen zwischen Tumba und Nische nicht eben für große künstlerische Fähigkeiten und syste¬ 
matische Schulung spricht. Die einzige plausible Erklärung dafür ist das Zweckbestimmte oder 
Auftragsgemäße der Wiedergabe, d. h. der hemmende Mangel an künstlerischer Freiheit. 
Soweit es sich bis jetzt feststellen läßt, ist Henrich Dors eher Zeichner als Maler im üblichen 
Sinn des Wortes gewesen. Die Bezeichnung „Hofmaler“ war vielleicht nur ein Titel oder ein 
Versprechen auf zukünftige repräsentative Werke; wir wissen es indes nicht. Trotzdem kann 
das Fragmentarische seiner Arbeiten nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir es mit einem sehr 
begabten Mann zu tun haben, dem groß zu werden nicht gelang, weil die historischen und po¬ 
litischen Gegebenheiten die Entfaltung seines Talents nicht zuließen, und weil für kunstver¬ 
ständiges Mäzenatentum in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, genauer gesagt, während 
des Dreißigjährigen Krieges, kein Raum war. 
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