Full text: Genealogia oder Stammregister der durchläuchtigen hoch- und wohlgeborenen Fürsten, Grafen und Herren des uhralten hochlöblichen Hauses Nassau samt etlichen konterfeitlichen Epitaphien

7. WÜRDIGUNG DES MALERS HENRICH DORS 
Durch die nunmehr übersehbaren Funktionen und Arbeiten von Dors verdichtet sich die 
Kenntnis über den bisher unbekannten Maler des nassauischen Epitaphienbuches beträchtlich. 
Er war ein Maler und Zeichner mit der Sorgfalt und Zuverlässigkeit eines Gelehrten; das ist 
die Vorstellung, die wir angesichts seiner fragmentarischen Werke, trotz der Zerstörung und 
Dürftigkeit urkundlicher und literarischer Belege gewinnen. Wie seine bekannteste Arbeit, das 
Epitaphienbuch, so ist auch die Kenntnis, die über sein Leben und Werk gewonnen werden 
konnte, nur fragmentarisch. Es muß offen bleiben, ob sich vielleicht jetzt, wo erste Mosaik¬ 
steine für ein Portrait vorhanden sind, die immerhin aus einigen festen Daten, persönlichen 
Berichten, einer genauen Kenntnis seiner Handschrift, seiner Signatur, seines Siegels bestehen, 
noch weitere Arbeiten von ihm finden lassen, die ihm mehr Profil geben. Die Bezeichnung 
„Hofmaler der Grafen von Nassau“ läßt diese Möglichkeit immerhin zu. Im allgemeinen wird 
von einem Hofmaler erwartet, daß er Historienbilder, Porträts der Fürsten und Grafen für 
die Ausstattung ihrer Säle und Galerien liefert. Aber soweit Dors‘ Leben bis jetzt zu über¬ 
blicken ist, war es gezeichnet von dem Desastre des Dreißigjährigen Krieges und von Auf¬ 
gaben, die weniger auf glänzendes, höfisches Leben ausgerichtet waren, als ihn vielmehr nö¬ 
tigten, mit allen Mitteln und Kräften für die elementaren Lebensbedürfnisse — Brot und ein 
Dach über dem Kopf — zu sorgen. 
Um die Jahrhundertwende könnte Henrich Dors geboren sein. Als er die Sammlung von Epi¬ 
taphien in Angriff nahm, scheint er noch relativ jung gewesen zu sein, vielleicht 27/28 Jah¬ 
re; denn die Arbeit, die viele Reisen erforderte, war sicherlich für einen jungen, unabhängigen 
Mann von größerem Reiz als für einen „gestandenen“ und seßhaften. In dieser Zeit könnte 
er bereits Verbindung gehabt haben zu Johann Textor von Haiger im Dillenburgischen — 
Altweilnau gehörte zu einem Teil der ottonischen Linie — und ebenfalls mit den namhaften 
Chronisten im Rheingau, in Mainz und Frankfurt, z. B. mit dem Vikar Helwich, der bereits 
eine bedeutende Sammlung von Inschriften zusammengebracht hatte. Die Gründe für die An¬ 
lage der Sammlung von Epitaphien und Grabdenkmälern, die ungenauen historischen und 
fabulösen Nachrichten über die Abstammung und Genealogie der adeligen Häuser durch be¬ 
weisbare Belege zu vervollständigen und zu korrigieren, schloß zwangsläufig die Aufstellung 
und Nachprüfung der Stammtafeln, Urkunden und Anniversarien mit ein. Voraussetzung 
hierzu war die ständige Verbindung zu Kollegen, Hofbeamten, bischöflichen Sekretären, Geist¬ 
lichen, aber auch zur gräflichen Familie. Diese Beziehungen aufrecht zu halten und zu pfle¬ 
gen wurde umso schwieriger, je desolater die Lebensverhältnisse in den Grafschaften wur¬ 
den. 
Mit der Zusammenstellung von Genealogien wurde Dors, zugleich mit der Schaffung einer 
großen, mit 923 Wappen geschmückten Stammtafel, einvernehmlich durch die Nassauer Gra¬ 
fen beauftragt. Im Juni 1630 war die erste Tafel für das Schloß Idstein fertig, im Frühjahr 
1631 die zweite für das Schloß Saarbrücken. Kein Zweifel, daß der Maler, der oft mit Pa¬ 
pier und Zeichenstift, seinen komplizierten, und mittels Druck vervielfältigten Genealogie- 
Schemata und mit seinen „Stammbäumen“ unterwegs war, der sich als „Hofmaler“ der Gra¬ 
fen von Nassau einführen konnte und außerdem mit einem „großen, bedeutenden Werk“ 
beschäftigt war, dauernd ähnlichen Wünschen und Angeboten ausgesetzt war. Da die Grafen 
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