Full text: Die saarländischen Weistümer, Dokumente der Territorialpolitik

Im alten Metzer Einflußbereich gab es offenbar eine Amtsfreiheit, die mit dem 
Besitz bestimmter Güter verbunden sein konnte, so gab es in Lisdorf nach dem 
Weistum von 1458 eine freie Hofstatt, deren Inhaber mit drei Bewaffneten das 
Jahrgeding beschützen mußte. Zwei weitere Freihöfe waren zur Ausrüstung 
eines Reiswagens verpflichtet, der Inhaber des vierten mußte den Abt von Wad¬ 
gassen auf Reisen begleiten und schützen. Ein fünfter Hof gab ein Schwein als 
Abgabe, d. h. der Güterinhaber mußte die Funktionen eines Meiers erfüllen und 
war daher von allen übrigen Abgaben befreit260. 
In Völklingen werden 1422 ebenfalls mehrere freie Hofstätten mit besonderen 
Verpflichtungen genannt, der Inhaber der ersten muß Graf und Gräfin bei 
Fahrten im Wagen zu Pferd oder zu Fuß begleiten, soweit er mit einem Essen 
gehen kann, d. h. nicht länger als einen halben Tag. Bei längerer Inanspruch¬ 
nahme muß ihm der Graf das Essen stellen. Eine andere freie Hofstatt ist unter 
den gleichen Bedingungen zum Transport von gräflichen Schreiben verpflichtet 
und hatte im Fall von kriegerischen Ereignissen zwei Scharwächter in die 
Burg Warsberg zu schicken. Eine weitere Hofstatt hat die Aufgabe, einen gefan¬ 
genen Verbrecher über Nacht zu bewachen und am nächsten Tag den Herren 
zu überstellen. Wenn der Lehensinhaber dazu die Hilfe von Hofgenossen braucht, 
muß er ihnen einen Schilling Pfennig zahlen. Ferner ist er dazu verpflichtet, 
wenn die Gräfin in Völklingen übernachtet die frösche schweigen zu lassen 
das sie meinn fraw nicht wecken. 
In der Vogtei St. Nabor hatten die Gerichtsleute besondere Privilegien, alle 
Weistümer seit 1285 legen fest, daß der Meisterschöffe, der Vorsteher des 
Schöffenkollegiums, an Leib und Gut gefreit wird, wenn er das Amt übernimmt. 
Die übrigen Schöffen werden ebenfalls persönlich frei, müssen aber von ihren 
Gütern weiterhin Abgaben entrichten. Keine Freiheit der Person bedeutet es 
jedoch, daß die St. Arnualer Stiftsmeier frei sitzen. Sie sind lediglich von den 
Abgaben an Stift und Vogt befreit. 
Nur ein Weistum außerhalb des früheren Metzer Einflußbereiches behandelt die 
Amtsfreiheit. Nach dem Weistum von 1561 haben sie die Meier und Boten im 
Saargau. Es wird nicht näher erläutert, ob das wie in St. Arnual Abgabenfreiheit 
oder wie in St. Nabor persönliche Freiheit bedeutet. Das erste ist wahrschein¬ 
licher, aber ohne ergänzende Quellen nicht zu beweisen. Mit Sicherheit persönlich 
frei waren innerhalb des Bezirkes jedoch die Pfarrer und eventuell einer der 
unsern gnedigen herrn zu dienst nachride mit Schwert und schilt, also eine 
ähnliche Funktion wie die Inhaber der Lisdorf er und Völklinger Freigüter zu 
erfüllen hatte. 
3.1.2.2. Zuzug und Erwerb des Hof rechtes 
In 15 saarländischen Weistümern ist eine Frist von Jahr und Tag genannt, nach 
deren Ablauf ein Neuhinzugezogener entweder den Bezirk wieder verlassen oder 
aber alle Lasten der übrigen Bewohner auf sich nehmen mußte. Nach dieser Zeit 
260 In Nassau-Saarbrücken gaben die Meier als Abgabe ein Schwein, vgl. unten S. 
127/128. 
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