Full text: Die Wüstungen des Saarlandes

zu größeren Ortschaften und ein gewisses Schutzbedürfnis zu einer Konzen¬ 
tration einzelner Siedelstätten geführt haben. Diese umstrittenen Probleme, 
„reine negative Siedlungsperiode" oder „Siedlungsballung" (und Konzen¬ 
tration), sollten nicht als zwei sich aussdiließende Faktoren betrachtet 
werden. K. Hoppstädter bringt für das Saarland auch, für die zweite Möglich¬ 
keit einige Beispiele, so daß beides in die Untersuchung einbezogen werden 
muß. Er deutet die Wüstungsballungen um die Orte Wadern/Dagstuhl/ 
Lockweiler, Lebach/Eppelborn, Bliesen, Ottweiler, Wiebelskirchen/Neunkir- 
dien und im Köllertal als Siedlungskonzentrationen224. Bei näherer Betrach¬ 
tung kann dem aber nur bedingt zugestimmt werden. Auch sollten Ver¬ 
änderungen in der territorialen Struktur beachtet werden. So kann z. B. 
die Eingliederung kleinerer Herrschaften in größere gewisse siedlungs¬ 
geographische Auswirkungen haben. Wenn die Burgen kleiner, adliger 
Herren verschwanden (vgl. Redlingen), so konnte dies für die nächsten 
ländlichen Siedlungen nachteilige Folgen haben. Große Herrschaften be¬ 
saßen in den verschiedenen Landesteilen gute Böden. Dagegen waren die 
kleineren oft auf jedes Stück Land angewiesen. Die Herren größerer 
Herrschaftsbereiche ließen viel eher Siedlungen schlechter Böden wüst 
fallen225. 
Unter den anthropogeographischen Wirkkräften ist die planmäßige Wü¬ 
stungstätigkeit der Klöster eine wichtige Ursache für die negative Sied¬ 
lungsperiode. Der Zisterzienserorden ging wahrscheinlich als erster von 
der Zinswirtschaft zum Eigenbetrieb über. Die Klöster ließen ihre Dörfer 
und Höfe eingehen und errichteten an deren Stelle klösterliche Eigen¬ 
betriebe. So versuchten Klöster der Westpfalz ein Dorf nach dem anderen 
aufzukaufen, die Bauern zum Wegziehen zu veranlassen und ihre Laien¬ 
brüder auf die neuerworbenen Höfe zu setzen. Dem Klosterhof (= grangia) 
stand der Meister oder Schaffner vor, der gewöhnlich ein Mönch war. Die 
Tätigkeit des Bauernlegens war nicht auf einen kleinen Zeitraum begrenzt, 
sondern wurde vom 13. Jh. an ständig praktiziert. Vielfach ließen die 
Klöster, wenn sie Dörfer in der unmittelbaren Nähe ausgekauft hatten, 
auch den eigenen Hof verfallen und bewirtschafteten die gewonnene 
Nutzungsfläche unmittelbar vom Kloster aus. Wenn ein Dorf zur Hofanlage 
zurückgebildet war, dann war der Schritt zur Wüstung oft nicht mehr weit, 
da ja Einzelsiedlungen von Natur aus weit anfälliger als Gruppensied¬ 
lungen sind. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war der größte Teil der 
klösterlichen Hofsiedlungen im saarpfälzischen Bereich wüst geworden. 
Diese auf gelassenen Hofplätze lagen vielfach über 100 Jahre und mehr 
verlassen, bis sie von den Pfalz-Zweibrücker Landesherren mit neuen Be¬ 
wohnern besiedelt wurden. Daher finden wir heute vielfach noch Dorfnamen, 
die in jetzigen Hofnamen stecken (z. B. Eschweilerhof = der Hof, der auf 
der Stelle des verlassenen Dorfes Esch weder errichtet wurde). In unserem 
224 K. Hoppstädter, Gesch. Landeskunde, S. 79 ff. 
225 H. J ä g e r , Entwicklungsperioden agrarer Siedlungsgebiete im mittleren West¬ 
deutschland seit dem 13. Jh., Würzburger Geogr. Arbeiten H. G.( 1958, S. 83 f. 
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