Full text: Die Wüstungen des Saarlandes

2. Die lokale Verbreitung 
Das gewählte Untersuchungsgebiet stellt keineswegs eine geographisch¬ 
naturräumliche noch historisch-kulturräumliche Einheit, sondern vielmehr 
ein politisches Gebilde dar. Das Saarland hat Anteil am rheinischen Schiefer¬ 
gebirge, somit an der mitteldeutschen Gebirgsschwelle, am pfälzisch-saar¬ 
ländischen Muschelkalkgebiet als Teil des linksrheinischen Süddeutschland 
und am Saar—Nahe—Berg- und Hügelland171. Blies- und Saargau stehen den 
siedlungsfeindlichen Gebieten wie dem Saarkohlewald und dem Hochwald 
gegenüber. Eine Vielzahl von kleinen Herrschaften schiebt sich zwischen die 
beiden großen Territorien Lothringen und Kurtrier, worunter Nassau-Saar¬ 
brücken als wichtigste Herrschaft zu nennen ist. Wurde früher vielfach die 
These vertreten, daß gerade diejenigen Siedlungen wüstungsanfällig seien, 
die im Bereich der schlechten Böden (sog. Grenzböden) oder im relativ 
unfruchtbaren Waldgebiet liegen, so belehrt ein Blick auf die Wüstungs¬ 
karte, daß sich im fruchtbaren Bereich des Köllertales, des Blies- und Saar¬ 
gaues eine beachtliche Anzahl von untergegangenen Orten konzentriert. 
Damit dürfte die sog. „Fehlsiedlungstheorie" zumindest in vielen Fällen 
kaum als Ursache in Frage kommen. Aber auch in den Flußtälern der Saar, 
der Blies, der Prims, der Bist, der oberen Nahe und des Osterbaches sind 
nicht unbedeutende, negative Siedlungsentwicklungen zu beobachten. 
Siedlungsfeindliche Bereiche wie der Warndt, der Saarkohlewald überhaupt, 
ebenso der Orscholzer Riegel weisen relativ wenige Wüstungen auf. Auf¬ 
fällig ist die Wüstungsarmut in der Gegend nördlich von Dillingen und im 
Gebiet von Sötern und die große Anzahl der aufgelassenen Orte in der 
St. Wendeier, Lebacher und Lockweiler Gegend. 
Während der römischen Siedlungsepoche waren die Lande an der Saar 
schon relativ dicht besiedelt. Im Mittelalter jedoch erreichten die Siedlungs¬ 
anzahl und die Siedlungsfläche eine nie gekannte Ausdehnung. Noch zu 
Beginn des 19. Jahrhunderts waren diese Verluste nicht ausgeglichen. Zwar 
war nun die Bevölkerungszahl größer als vor der Wüstungsperiode, jedoch 
hatte die Zahl der Wohnplätze nicht zugenommen. Abgesehen von den 
Industrieballungsräumen finden sich auch heute noch unbesiedelte Räume, 
die während der mittelalterlichen Siedlungsperiode bewohnt waren. 
171 Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, Bd. I, Bad Godesberg 
1953—1962 hrsg. v. E. M e y n e n und J. Schmithüsen, S. 269—288 und 
S. 351—378. H. Schneider, Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 159 
Saarbrücken, Bonn-Bad Godesberg 1972. (— Geogr. Landesaufnahme 1:200 000, 
Naturräuml. Gliederung Deutschlands, hrsg. v. Inst. f. Landeskunde). 
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