Full text: Grundlegung der Ethik als Wissenschaft

bekannt sind. Zwischen Bewußtseinswesen bestehen keine Schran¬ 
ken, so verschieden sie auch in Bestimmtheitsbesonderheiten 
sich zeigen mögen; die einheitstiftende Bestimmtheit „Subjekt“, 
in der sie sich alle finden, ist das sie alle bindende, ihr Einssein 
bedingende Allgemeine, ihrer Aller Eine Einheitsgrund , 
der jedes Bewußtsein trägt und jedem Geiste zugehört. 
Das Einssein der Bewußtseins wesen macht sich nun gegen¬ 
über dem Gleichsein der Dinge noch in einer besonderen 
Richtung geltend. Wir betrachteten bisher nur Gleichsein und 
das Einssein zweier Einzelwesen in der und der besonderen 
Bestimmtheit, wobei es sich auch um den Einzelwesen zu¬ 
gehöriges Allgemeines handelte, das sich als Einheit von „iden¬ 
tischem Allgemeinen und Besonderheit“1 darstellt. Nun aber 
sprechen wir auch von Gleichsein und Einssein zweier Einzel¬ 
wesen im „Wresen“, indem wir unter „Wesen“ eines Einzel¬ 
wesens die Einheit von Allgemeinem verstehen, die das Einzel¬ 
wesen in jedem seiner Augenblicke aufzuweisen hat1 2. Auch 
in diesem Falle sagen wir von zwei Dingen, die in ihrem Wesen 
dasselbe bieten, daß sie wesensgleich, von zwei Bewußtseins¬ 
wesen aber, daß sie wesensseins sind. Und wenn wir nun die 
Einheit von Bestimmtheiten, die das Wesen eines Dinges be¬ 
deuten, mit irgendeiner Augenblickeinheit dieses Dinges ver¬ 
gleichen, so ergibt sich, daß diese zwei Einheiten, die ja beide 
Allgemeines sind, sich so voneinander unterscheiden, daß eine 
jede der das Wesen des Dinges ausmachenden Bestimmtheiten 
das identische Allgemeine einer von den die Augenblick¬ 
einheit ausmachenden Bestimmtheiten ist3. Die Augenblick- 
einheit eines Dinges erweist sich demnach in jeder ihrer Be¬ 
stimmtheiten (Größe, Gestalt und Ort) als Besonderung des 
Wesens des Dinges, also jede ihrer Bestimmtheiten als die Ein¬ 
heit von identischem Allgemeinen und Besonderheit. 
1 Siehe Rehmke, Logik1 S. 261L, 226ff., Logik* S. 257f., 272 ff. 
5 Siehe Rehmke, Logik1 S. 226f., 465, Logik* S. 259f., 417. 
3 Siehe Rehmke, Logik1 S. 251 f., Logik* 217L 
105
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.