Full text: Grundlegung der Ethik als Wissenschaft

Einzelwesen zugehört, so dürfen wir auch von dem Einzelwesen 
selbst sagen, daß es wirke, was noch ganz besonders sich emp¬ 
fiehlt, wenn es sich um „bewußtes Wirken“ d. i. das Willens¬ 
wirken eines Bewußtseins handelt. Denn die hier in Frage 
kommende Wirkung hat zu ihrer wirkenden Bedingung zwar 
die Augenblickeinheit des betreffenden Bewußtseins, die dieses 
Bewußtsein als wollendes, als Wille darstellt und selber ein All¬ 
gemeines ist, aber das Bewußtsein ist sich selbst seines Wirken - 
wollens in diesem Augenblick bewußt und erkennt demgemäß 
die von jener Augenblickeinheit gewirkte Veränderung als die 
von ihm gewollte Wirkung. 
Wir wissen freilich, daß keineswegs jede Veränderung, die 
als Handlung (Wirkung) eines Bewußtseins angesprochen zu 
werden pflegt, eine Willenshandlung ist; kennen wir doch viel 
unbewußtes Wirken menschlichen Bewußtseins, zu dem ins¬ 
besondere auch das sogenannte Triebhandeln gehört, in dem 
das Wirkende ein Gefühl menschlichen Bewußtßeins bedeutet. 
Im Triebhandeln eben setzt sich das Gefühl als Trieb durch, 
ohne daß das Bewußtsein, zu dem das Gefühl gehört, davon 
weiß; dieses erfährt höchstens von dem Triebwirken durch die 
Veränderung (Triebwirkung), von der es später Kunde erhält. 
Von dem unbewußten Wirken menschlichen Bewußtseins 
hebt sich das bewußte Wirken dadurch deutlich ab, daß hier 
nicht eine Bestimmtheit, sondern eine Augenblickeinheit des 
Bewußtseins die wirkende Bedingung ist, und eine solche, in 
der das Bewußtsein ein Wille ist und sich selbst als Wille 
(Wollendes) weiß: so bedeuten denn „Willenswirken“ und „be¬ 
wußtes Wirken“ dasselbe. 
Es ist für die Ethik als Wissenschaft vom Sittlichen nicht 
ohne Bedeutung, den Unterschied von bewußtem und unbe¬ 
wußtem Wirken des menschlichen Bewußtseins klar herauszu¬ 
stellen, da, wie wir sehen werden, was von uns als „sittlich“ 
bestimmt wird, einzig und allein auf das Wollen und demge¬ 
mäß auf das Willenswirken menschlichen Bewußtseins bezogen 
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