Full text: Die nationalsozialistische Herrschaftsübernahme an der Saar

nationalsozialistisch betätigte5. Am 13. 3. 1927, nachdem die Regierungskommis¬ 
sion die NSDAP im Saargebiet zugelassen hatte, wurde in Überherrn eine reguläre 
Ortsgruppe gegründet6. 
Größeren Auftrieb erhielt der Nationalsozialismus nach der Jahrtausendfeier im 
Rheinland 1925. In dieses Jahr fällt die Gründung des nationalsozialistischen 
„Saardeutschen Volksbundes“ durch einen Parteigenossen Martin. Er gehört, 
neben Dürrfeld, dem späteren Oberbürgermeister von Saarbrücken, sowie dem 
NS-Redner Walter Jung aus Dudweiler, zu den am frühesten bekannten National¬ 
sozialisten im Saargebiet7. Ab Anfang 1925 erschien der „Saardeutsche“, eine 
NS-Zeitung, die jedoch Ende Mai 1926 wieder einging8. Seit 1926 betrieben die 
saarländischen Nationalsozialisten die Gründung eines eigenen Gaues gegen 
Bedenken der Parteileitung in München einerseits, der Regierungskommission 
andererseits. Erst am 4. 12. 1926 genehmigte die Regierungskommission einen 
entsprechenden Antrag, nachdem Hitler die Bildung eines Gaues Saar vom 1.1. 
1927 an bestimmt hatte. Saarbrücken wurde Sitz der Gauleitung, der Saarländer 
Jakob Jung der erste Gauleiter. Ab 1927 bildeten sich Ortsgruppen in Fraulautern, 
Merchweiler, Differten und Sulzbach9. Obwohl die NSDAP keine größere Bedeu¬ 
tung erlangte, befaßte sich die Regierungskommission Mitte 1928 mit den seit 
1927 bestehenden saarländischen SA-Formationen10. Sie erließ daher kraft ihres 
Verordnungrechtes ein Verbot militärischer Übungen, nachdem die Parteien des 
Landesrates, in erster Linie um Eingriffe der Regierungskommission in das 
öffentliche Leben zu vermeiden, einen entsprechenden Verordnungsentwurf abge¬ 
lehnt hatten. 1928 gab die NSDAP wieder eine Zeitung heraus, die „Saardeutsche 
Volksstimme“, die von der Reichsleitung offiziell anerkannt war. Daneben gab 
es eine von Gottfried Feder, dem nationalsozialistischen „Wirtschaftsfachmann“, 
herausgegebene Wochenzeitschrift an der Saar11. 
Ab 1929 verstärkte sich die Tätigkeit der NSDAP-Saar, die bei den Kommunal¬ 
wahlen 1929 zum erstenmal kandidierte und in den Kreistagen von Saarlouis und 
Ottweiler je zwei Sitze, im Stadtrat von Saarbrücken einen Sitz gewann. Für 
1930 sind erstmals Angaben über Zahl und Zusammensetzung der saarländischen 
Nationalsozialisten bekannt. Demnach hatte die Partei 261 Mitglieder, vornehm¬ 
lich Handwerker und Angestellte12. Nach 1930 brachten Wirtschaftskrise und 
Arbeitslosigkeit der NSDAP neuen Zulauf, so daß die Partei Ende 1932 etwa 
’Speicher, Edmund und H. P. Buchleitner, Uberherrn, die Wiege der NSDAP 
im Kreise Saarlautern. Zur 10-Jahresfeier der Gründung der Ortsgruppe, Völklingen 
1937, S. 26ff. 
8 Ebda., S. 30. 
7 Ebda., ferner: Sehr, der „National-Zeitung“ Essen v. 26.10.33 an Dürrfeld (StadtA 
Saarbrücken, Handakte Dürrfeld) sowie Handfest, Frühe Gesch. der NSDAP, 
S. 8 {StadtA Saarbrücken), wo auch der nationalsozialistische Wanderbund „Edel¬ 
weiß“ genannt wird. 
8Handfest, Frühe Gesch., S. 5 (StadtA Saarbr.). Verantwortlich war für die Zeitung 
ein Wolfg. Bergemann, Schriftleitung und Geschäftsstelle waren bei der Druckerei Ed. 
Haupt in Brebach. 
9 Zu Sulzbach siehe S.Z. Nr. 302 v. 5.11.38: Aufruf des Kreisleiters der NSDAP zur 
Zehnjahresfeier. 
10 Gutachten Klein (Anm. 4), S. 7. 
11 S. H a 1 e , Captive Press, S. 44f. und S. 46 Anm. 12. 
12 Näheres dazu Z e n n e r , Parteien, S. 253 Anm. 24. 
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