Full text: Die nationalsozialistische Herrschaftsübernahme an der Saar

aus Mitgliedern verschiedener Parteien und des Berliner Saar-Vereins5 unter 
seiner Leitung bilden wollte. Bruggers Bestrebungen blieben jedoch erfolglos, 
nachdem sich auch die Handelskammer Saarbrücken dafür ausgesprochen hatte, 
daß die bisherige Federführung beizubehalten sei6. Der zweite Versuch, den das 
Reichsinnenministerium unternahm, wurde ebenso, diesmal mit bayerischer Unter¬ 
stützung, abgewehrt7. 
Der preußische Oberpräsident der Rheinprovinz war als Reichskommissar für die 
Übergabe des Saargebiets dem Auswärtigen Amt unterstellt. Bereits im Sommer 
1919 geplant, wurde der Reichskommissar erst im November 1919 in der Person 
des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, von Groote, ernannt8. Sein Versuch, im 
Sommer 1920 in Saarbrücken ein Büro einzurichten, scheiterte am hartnäckigen 
Widerstand des Präsidenten der Regierungskommission9. Der Reichskommissar 
war im Folgenden für die Dinge zuständig, die sich aus der Abtretung ergaben, 
wie Beamtenfragen und Aktenübergabe. Diese Tätigkeit war bald nach 1920 
beendet, die Behörde blieb jedoch bis 1935 bestehen und hatte in erster Linie den 
Schriftverkehr zwischen reichsdeutschen und saarländischen Behörden zu vermit¬ 
teln, insbesondere alle gerichtlichen Ersuchen. Dazu kamen Fragen der finanziellen 
Abrechnung und einzelne Beamten- und Verwaltungsangelegenheiten10 11. 
Während das Auswärtige Amt und der Reichskommissar offizielle Funktionen 
hatten, übte die Reichszentrale für Heimatdienst eine Tätigkeit aus, deren ver¬ 
traulicher Charakter bald der französischen Militärverwaltung und anschließend 
der Regierungskommission verdächtig erschien11. Allerdings wirkte die Reichs¬ 
zentrale nicht lange im Saargebiet, weshalb sie hier vor den übrigen Saarstellen 
behandelt sei. Sie war für die deutsche Propaganda im Saargebiet zuständig12 und 
leitete von ihren Zentralen, z. B. von Heidelberg aus, den Nachrichtendienst über 
Vorgänge im abgetrennten Saargebiet den interessierten Stellen im Reich zu13. 
Nachdem Frankreich jedoch Schritte bei der Reichsregierung wegen der Tätigkeit 
5 Über den Saar-Verein als eine Privatvereinigung mit bedeutend weniger politischer 
Wirkungsmöglichkeit s. S. 36f. 
8 BA R 431/240, Bl. 229f. und 241, Bl. 105. 
7 Jolas-Erinnerungen, Bd. 2, S. 151 sowie AA . . . betr. Polit.Angelegenheiten. Denkschrift 
Jolas, S. 28. 
8 Jolas-Erinnerungen, Bd. 2, S. 101 und 124. Die Akten des Oberpräsidenten als Reichs¬ 
kommissar liegen heute im Deutschen Zentralarchiv Abt. I in Potsdam. Ein foto¬ 
kopiertes Repertorium über diesen Bestand besitzt das LA Saarbrücken. 
9 Vgl. den Briefwechsel zwischen Rault und von Groote vom 10. und 15.3.1920: StA 
Koblenz, Abt. 442 Nr. 7488, S. 9ff. 
10 Vgl. Sehr, des AA v. 23.2.1924 an den Reichsfinanzminister: BA R 2/2705; RdErl des 
preuß. Innenministers v. 4.9.1925: StadtA Saarbrücken, Best. Handakten Neikes, Nr. 
1819. 
11 Vgl. die Proklamation der Reg.kommission v. 9.8.1920: Dt. Weißbuch, S. 198 und 
Erklärung der Hauptstreikleitung im Saargebiet: ebda., S. 199. Richter, Johannes 
Karl, Die Reichszentrale für Heimatdienst, Berlin 1963, S. 40f. berichtet, daß Karl 
Ollmert von den Franzosen an der Saargrenze als Kurier des Heimatdienstes festge¬ 
nommen wurde. Zur Reichszentrale und zu Ollmert vgl. auch Anschütz, Kampf 
der Saarbeamten, S. 35, 41 und 49ff. 
12 Vgl. Sehr, des Reichsfinanzministers v. 8.10.1920 an die „Vereinigung gegen die Los¬ 
trennung unseres Saargebietes und der Rheinpfalz“ in Stuttgart: BA R 2/2689. 
18 Vgl. die Meldungen des Heimatdienstes in: BA R 431/239 sowie den Bericht von K. 
Barth, in: Jolas-Erinnerungen, Bd. 2, S. 317 (StA Speyer). 
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