Full text: Die nationalsozialistische Herrschaftsübernahme an der Saar

zu erwartender Verwicklungen nicht offen ermuntert, jedoch beraten, traten die 
deutschen Beamten im Saargebiet vom 6. bis 14. August 1920 in den Streik7. Das 
Ergebnis war nur mager. Massenausweisungen und Verhängung des Belagerungs¬ 
zustandes hatten die Ausweglosigkeit der Lage demonstriert. Die Regelung der 
Beamtenfrage bestand darin, daß die Regierungskommission ihr fast unverän¬ 
dertes Beamtenstatut erließ und bis zum 15. Dezember 1920 die ihr nicht ge¬ 
nehmen Beamten der deutschen Regierung zur Verfügung stellte. 
Die deutsche Seite hatte jeden rechtlich begründeten Einfluß auf die saarländische 
Beamtenschaft verloren. Ein Reichskabinettsbeschluß vom 28.9. 1920 und 
Beschlüsse der preußischen und bayerischen Staatsregierungen sahen zwar vor, 
sich zu allen Maßnahmen der Regierungskommission gegenüber den Beamten, 
wie Disziplinarverfahren, Beförderungen usw., eine eigene Stellungnahme vorzu¬ 
behalten. Dies waren aber einseitige Schritte, die kaum mit dem Versailler Vertrag 
in Einklang standen, wie aus der Anregung des Reichsinnenministers hervorgeht, 
den Reichskabinettsbeschluß nicht zu veröffentlichen, sondern den saarländischen 
Beamten durch den Oberpräsidenten in Koblenz zur Kenntnis zu bringen8. 
Dennoch blieb ein enger Kontakt deutscher Behörden zu den Saarbeamten. Hier¬ 
bei muß allerdings zwischen Kommunalbeamten und Beamten der Regierungs¬ 
kommission unterschieden werden. Letzteren trat man wegen der besonderen 
Loyalität, die sie der Saarregierung schuldeten, bedeutend vorsichtiger gegenüber 
und stützte sich besonders auf die Kommunalbeamten9. Der ehemalige bayerische 
Pfalzkommissar Jolas berichtet, daß von rund 1 200 öffentlichen Beamten des 
bayerischen Saargebietsteiles nur zwei zu, wie er es nennt, „Verrätern“ wurden10 11, 
d.h. der deutschen Seite nicht mehr unbedingte Zuverlässigkeit garantierten. Bei 
dieser Lage, die allerdings nur für den bayerischen Teil als gültig angesehen 
werden darf, war es klar, daß die deutsche Beamtenschaft möglichst vollständig 
im Saargebiet bleiben sollte. Wie schon angedeutet, waren die Beamten der 
Regierungskommission weniger für eine Zusammenarbeit mit deutschen Stellen 
zugänglich. Im Reich mußte man dies berücksichtigen11. In der Zentralbehörde 
7 Ebda., S. 186ff. 
8Wehberg, Saargebiet, S. 23ff. Dort Abdruck des Reichskabinettsbeschlusses. Dieser 
sowie Schreiben des Reichsinnenministers v. 19.10.1920: BA R 431/239. 
9 Besonders der Oberbürgermeister von Saarbrücken, Neikes, hatte ein gespanntes Ver¬ 
hältnis zur Regierungskommission. Vorgänge dazu im StadtA Saarbrücken, Best. 
Großstadt, Nr. 1849. Vgl. auch Sitzung der Reg.kommission v. 22.3.1933: LA Saar¬ 
brücken, Best.Kossmann, Nr. 19, S. 191 sowie Lambert, Saar. S. 212. 
10 Für das Vorstehende vgl. Jolas-Erinnerungen, Bd. 2, S. 137 (StA Speyer). Ähnliches 
regte auch für die deutschen Bergbeamten Hermann Röchling in seinem Schreiben 
v. 22.10.1923 an Bergrat Flemming (Preuß. Handelsministerium) an (Röchlingarchiv 
Völklingen, Sign. A-K-45/367). Vgl. Für die Bestellung reichsdeutscher Kommunal¬ 
beamter ins Saargebiet: BA R 431/240, Bl. 86. 
11 Auskunft des ehemaligen preußischen Saarvertrauensmannes, Herrn Regierungsdirek¬ 
tor a. D. Th. Watermann am 25.2.1969. Am 29.9.1932 fragte Stadtschulrat Schneider 
(Saarbrücken) beim Ausw. Amt an, ob dort Bedenken bestünden, wenn er das 
Referat für evangelische Volksschulen in der saarländischen Kultusverwaltung über¬ 
nehme (Venn, des VLR Voigt v. 30.9.1932: AA II Bes.Geb.Saargebiet betr. Beamten¬ 
fragen, Bd. 24). Künftig werden die Akten des Politischen Archivs des AA in Bonn, 
soweit sie der Abt. II Bes.Geb.Saargebiet entstammen, nur noch mit dem Akten¬ 
betreff und der Nummer des Bandes zitiert. 
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